Biographie
1900
am 8. Januar als Sohn der Gutsbesitzertochter
Agrippina Stroukoff und des kirgisischen Rasse-
pferde-Züchters Georg Poliakoff als 13. von 14
Kindern in Moskau geboren
1912
neben Mathematik und Algebra Freude an Musik,
insbesondere an Operngesang und beim eigenen
Gitarrespielen; Faszination durch Ikonen beim täg-
lichen Kirchgang
1914
Begeisterung für Napoleon schlägt sich in der
Bemalung der Wände seines Jugendzimmers nieder;
Besuch von Moskauer Malkursen; während der
Sommer-Ferienreisen Landschaftsmalerei nach dem
lyrisch-poetischen Vorbild Isaak Iljitsch Lewitans
1917
die Ereignisse der Oktober-Revolution beenden die
behütete, von Wohlstand und Privilegien geprägte
Jugend
1920
abenteuerliche Flucht aus Russland im Kohlenzug-
Waggon nach Kiew, dann durch den Kau-
kasus bis Georgien und weiter mit dem Schiff
nach Konstantinopel. Hier trifft er seine Tante,
die Sängerin Nastia Poliakoff, und unternimmt mit
ihr als Gitarrist Konzert-Tourneen durch Europa
1924
nach längeren Aufenthalten in Sofia, Belgrad, Wien
und Berlin Niederlassung in Paris; Unterricht im
Zeichnen und Malen sowie in Mechanik; seinen
Lebensunterhalt verdient er sich mit Gitarrespielen,
Auftritten in russischen Kabaretts und als Statist
in Filmen
1929
Studium der Malerei an der Académie de la
Grande Chaumière in Montparnasse
1930
Weiterführung des Studiums an der Académie
Fronchot in Montmatre, wo Othon Friesz einer
seiner Lehrer ist
1931
Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Drouant
1932
Aufnahme in den Salon des Artistes français (die
unterschiedlichen Angaben zu Poliakoffs Geburts-
jahr, das in der kunstwissenschaftlichen Literatur
gelegentlich mit „1906“ oder auch mit „1903“
verzeichnet ist, finden vermutlich hier, infolge
der festgelegten Altersgrenze für die Teilnahme
der Künstler, eine Erklärungsmöglichkeit)
1935
Bekanntschaft -– und im Jahr darauf – Heirat mit
Marcelle Perreur Lloyd, einer Französin halbirischer
Herkunft mit Londoner Wohnsitz; Aufenthalt in
London, Besuch der Grosvenor School of Art
1936
Schüler der Slade School of Art; viele Besuche in
der Ägyptischen Abteilung im British Museum,
wo er sich besonders für die Methode des schicht-
artigen Malauftrags der Sarkophage interessiert
1937
Rückkehr nach Paris; Ausstellung in der Galerie
Zak; die Begegnungen mit Wassily Kandinsky und
Otto Freundlich, sowie die Teilnahme an den Mal-
abenden bei Robert und Sonia Delaunay bewirken
Poliakoffs Durchbruch zur Abstraktion
1938
bis Kriegsende Teilnahme am Salon des Indépendants
1942
Geburt des einzigen Sohnes, Alexis Poliakoff
1945
Prix de la Piste á l’Ecrau (Jury: Fernand Léger,
Kees van Dongen, Marcel Gromaire); die Galerie
Le Niveau zeigt das erste abstrakte Gemälde
Poliakoffs, anschließend Einzelausstellung seiner
abstrakten Bilder in der Galerie L’Esquisse auf
Vermittlung Kandinskys, bahnbrechender Erfolg
1946
Beginn des graphischen Werkes
1947
Prix Kandinsky
1948
erste Erwerbung eines Poliakoff-Gemäldes für eine
öffentliche Sammlung durch das Museum von
Grenoble
1951
Einsatz der Gouache-Technik beim Verweilen außer-
halb des Ateliers
1952
erste Auslands-Einzelausstellung in der Galerie
Tokanten, Kopenhagen; weitere Ausstellungen in der
Galerie Circle and Square in New York; in der
Ausstellung im Musée d’Art Moderne in Paris wird
die unvermutete Begegnung mit Werken von
Kasimir Malewitsch, darunter dessen berühmtes
„Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“ (1913)
als Leihgabe aus dem Museum of Modern Art,
New York, zum bestärkenden Erlebnis
1953
Einzelausstellung im Palais des Beaux Arts in
Brüssel
1954
neben Einzelausstellungen in Pariser, Kölner und
Amsterdamer Galerien erhält Poliakoff einen
eigenen Raum für seine Bilder innerhalb der
Ausstellung „Aktuelle Trends in der Pariser Schule“
in der Kunsthalle Bern; Sommer in Deauville
1955
erste Monographie von Michel Ragon im Verlag
Georges Fall
1957
Ausstellung der Gouachen in der Pariser Galerie
Berggruen; Einzelausstellung in der Mailänder
Galleria del Naviglio und in der Münchner Moderne
Galerie Otto Stangl; erster Herzinfarkt
1958
Auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn
werden seine Werke in Museumsausstellungen in
Basel, Hamburg, Kopenhagen und Düsseldorf
gezeigt; Reise nach Venedig, Rom, Ravenna und
Padua, wo er Giottos Fresken bewundert, auf der
Rückreise Besichtigung der Höhlen von Lascaux
1959
Besuch der Malewitsch-Retrospektive in der Kunst-
halle Bern; Teilnahme an der Documenta II
1960
Einzelausstellung in der Kunsthalle Bern unter
Leitung von Franz Meyer; Reise durch Katalonien,
wo seine spezielle Aufmerksamkeit den Kirchen-
fresken gilt
1961
der Glasgestalter Charles Marcq fertigt ein Kir-
chenfenster nach einem Werk Poliakoffs an und
wird vom Künstler als einziger zu weiteren Aus-
führungen in Glas bevollmächtigt
1962
Hinwendung zu graphischen Techniken durch Kon-
takte und Zusammenarbeit mit Franz Larese,
dem Direktor der Galerie „Im Erker“ in Sankt
Gallen und Leiter eines Ateliers für künstleri-
sche Lithographie; Teilnahme an der Biennale von
Venedig
1963
Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft, Hannover
1964
Teilnahme an der Documenta III
1965
Teilnahme an der Biennale von Tokio und der
Biennale von Mentone, wo er mit dem Grand Prix
ausgezeichnet wird; Herzanfall
1969
Am 12. Oktober stirbt Poliakoff in Paris; die
geplante Retrospektive im Pariser Musée d’Art
Moderne wird 1970 postum zur Gedächtnis-
ausstellung
