Serge Poliakoff, Composition bleue, rouge, verte et noire, 1958
Serge Poliakoff
«Composition bleue, rouge, verte et noire»
Radierung und Farbaquatinta ; 1958 ; 32 x 25 cm
Signiert und "71 /100" nummeriert
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Serge Poliakoff – Architekt einer bildnerischen Poesie", Düsseldorf 2009/10
Literatur:
Galerie Ludorff, "Serge Poliakoff. Architekt einer bildnerischen Poesie", Ausst.-Kat. Nr. 128, Düsseldorf 2009
Alexis Poliakoff/Gérard Schneider, "Serge Poliakoff – Werkverzeichnis der Graphik", München 1998
Yves Rivière, "Serge Poliakoff – Les estampes", Paris 1974
Architektonisch überlegt sowie geometrisch rational geordnet und doch zugleich spontan und frei in der Form- und Farbgebung, das ist der Spannungsbogen im Werk des Künstlers Serge Poliakoff, der auch losgelöst von seinem geschichtlichen Kontext bis heute den Betrachter fasziniert und in seinen Bann zieht.
Während der Russischen Revolution wandert der 1900 in Moskau geborene Maler und Graphiker Poliakoff infolge der sich verschlechternden Lebensbedingungen aus Russland aus. Über Umwege gelangt er 1924 nach Paris, wo er den Großteil seines Lebens verbringen wird und 1969 auch verstirbt. In der pulsierenden französischen Metropole, die bis zum Bersten gefüllt ist mit kreativen Impulsen, trifft Poliakoff auf ein künstlerisches Umfeld, das im höchsten Grade sein malerisches Schaffen prägen soll. Ab 1930 studiert er an der Académie Tochot und an der Académie de la Grande Chaumière. Für seine Kunst entscheidender aber ist die Bekanntschaft mit der Pariser Avantgarde. Vor allem seine Freundschaft mit Sonia und Robert Delaunay hinterlässt großen Eindruck auf Poliakoff. Delaunays Vorantreiben einer geometrisch abstrakten Kunst, basierend auf den Gestaltungsprinzipien des Orphismus, inspirieren den Künstler zur Hinwendung zu einer geometrisch-abstrakten Formensprache. Nach seinem zweijährigen London-Aufenthalt kehrt Poliakoff 1937 nach Paris zurück und lernt hier Wassily Kandinsky, einen Pionier der abstrakten Malerei, kennen. Die Bekanntschaft mit dem russischen Künstler beeindruckt ihn zutiefst. Von nun an kehrt Poliakoff der gegenständlichen Malerei vollends den Rücken zu und konzentriert sich fortan auf die Entwicklung einer flächig-konstruierten Formensprache, die sich ab Ende der 1940er Jahre zu einem ihm eigenen Stil festigt. Wie sein großes Vorbild Kandinsky wurzelt Poliakoffs Werk fest in der Musik1) und ist durchtränkt von synästhetischen Ansätzen. Er betitelt seine Werke stets als Composition, in denen er zu gleichen Teilen Farb- und Formklänge thematisiert, die unübersehbar musikalische Akkorde implizieren. Es entsteht eine emotionale Tiefe, die die rationale Tektonik einerseits ergänzt, aber andererseits auch durchbricht.
„Was unseren Ohren beim Hören von Musik ganz natürlich erscheint, breitet er mit seinen Abstraktionen vor unseren Augen aus. In der Fläche seiner Bilder entfaltet er harmonisch aufeinander abgestimmte Farbtöne zu optischen Klangteppichen. Die entstehenden Strukturen sind komplex und verblüffend einfach zugleich.“2) In gleichem Maße, in der er als Musiker die Farbklänge einzelner Töne aufspürt, geht der Künstler Poliakoff auch feinsinnig den vielschichtigen Nuancen der Farben nach. Hierbei steht sein Können als Graphiker seinem malerischen Schaffen in nichts nach. So überzeugt seine „Composition bleue, rouge, verte et noire“ durch starke Farbbrillanz und eine spannungsvoll in sich ausgewogene Komposition. Wie ein Architekt verzahnt er die geometrischen Farbfelder ineinander und vermag es die Farben gegenseitig zum Leuchten zu bringen. Sein musikalisch-lyrischer Ansatz lockert die starre Tektonik und ermöglicht dem Betrachter eine kontemplative Anschauung.

Anm.:
1) So muss der begabte Gitarrenspieler Poliakoff zunächst einen großen Teil seines Lebensunterhaltes in Bars verdienen. Dabei bleibt er stets ein passionierter Musiker der die Musik über alles liebt.
2) Zit. nach: Nils Olsen, „Serge Poliakoff – Architekt einer bildnerischen Poesie“,
S. 29-33,in: Kunsthalle Emden/Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München, „Serge Poliakoff – Retrospektive“ 2007 München, S. 32.
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