Composition grise et rouge
Serge Poliakoff
«Composition grise et rouge»
Öl auf Leinwand ; 1964 ; 160 x 130 cm
Signiert
Unser Titelbild "Composition grise et rouge" zieht den Betrachter unmittelbar in seinen Bann. Die von den lodernden roten und orangefarbenen Flächen ausgehende Gefahr macht den Betrachter automatisch und ganz instinktiv auf das Gemälde aufmerksam. Erscheint das Feuer im Zentrum noch harmlos, droht es von der oberen linken Ecke des monumentalen Gemäldes auf den Betrachter einzustürzen. Bei längerem Betrachten stellt sich jedoch immer mehr das Gefühl eines ambivalenten Gleichgewichts ein. Trotz der glutheißen Energie, die von der Leinwand ausgeht, erzeugt Poliakoff durch die geschickte Komposition der Farbflächen entlang der vertikalen Mittelachse des Gemäldes ein Gefühl der Ordnung und Kontrollierbarkeit. Die großen fahl- bis aschgrauen Flächen deuten zusätzlich auf ein Zurückgehen des Feuers und somit auf eine Abwendung der Gefahr hin. Poliakoff beschreibt sein stetes Suchen nach solchen erfahrbaren, wahren Bildern wie folgt: "Das wahre Bild stellt ein wirklich ursprüngliches, neu entdecktes Phänomen, ohne Vorgänger oder Abkunft dar, das mit einer so großen Gewalt auftaucht, dass es die Grenzen des bisher dokumentierten Sichtbaren sprengt. Der Maler fügt mit jedem Bild dem endlosen Fluss des Sichtbaren ein neues Phänomen hinzu. Er vervollständigt die Welt gerade deshalb, weil er nicht die Natur nachahmt. In das Dunkel des Unsichtbaren zieht er eine Ader ein, um - mal liebevoll, aber zumeist gewaltsam - Sichtbares ans Licht zu fördern."1) Dies gelingt Poliakoff in unserem 1964 entstandenen Gemälde auf die beschriebene, beeindruckende Weise. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens stellt er noch im gleichen Jahr eine Reihe seiner bedeutendsten Werke auf der "documenta III" in Kassel aus und unterstreicht hierdurch seinen großen internationalen Rang, den er innerhalb der globalen Bewegung der Nachkriegsabstraktion eingenommen hat und die er durch die Teilnahme an der Biennale in Venedig im darauf folgenden Jahr noch weiter festigen sollte.

Anmerkung.

1) Zitiert in: Gérard Durozoi, "Serge Poliakoff", Angers o.J., S. 83.
Ausführliche Informationen zum Download: Werkangaben als PDF
Mehr Informationen erhalten Sie unter: mail@ludorff.com