Abendlandschaft mit Mühle
Emil Nolde
«Abendlandschaft mit Mühle»
Aquarell und Tusche auf Japan ; um 1925 ; 47 x 35 cm
Signiert
Im Sommer 1916 erwerben Ada und Emil Nolde das kleine Bauernhaus Utenwarf an der Wiedau in der Nähe von Tønder in Nordfriesland. „Der Garten auf Utenwarf, in seiner der Sonne schräg zugewandten Lage die Warft hinab, war besonders schön zugewachsen und selten blumenreich. Die leuchtendroten Rosen lagen in Wellen den Südhang hinunter, und oberhalb um den schmalen Teich, der ganz voller Fische war, blühten die schönsten Stauden. Er war eine Sehenswürdigkeit geworden. »Ein kleines Paradies«, sagte man. Ein ganz kleines Paradies!“1)

In den 1920er Jahren malt der Künstler eine Vielzahl an Aquarellen, in denen er die fruchtbare Marschlandschaft um Utenwarf in den verschiedensten Tages- und Abendstimmungen festhält. In diesen intensiven Zeugnissen des flachen Landstriches am Übergang von Festland und Meer mit seinen Bauernhäusern, Mühlen und dem weiten Horizont gelingt es Nolde, seine Malweise noch zu verdichten und uns in größtmöglicher Intensität von dem erlebten Naturschauspiel zu berichten.

Unser in feurigen Tönen gehaltenes Blatt „Abendlandschaft mit Mühle“ ist ein Zeugnis aus der Zeit in Utenwarf. Zu sehen ist eine Mühle mit dem dazugehörigen Gehöft. Der glutorangefarbene Abendhimmel und die dunkelblauen Wolken spiegeln sich mit der Mühle im Wasser. Die kontrastierenden Farbschichtungen ergeben eine elektrisierende Wirkung, denen sich der Betrachter nur schwer entziehen kann. Es entsteht eine ambivalente farbliche Balance aus reflektierendem Weiß, feurigem Orange, dem tief schimmernden Violett und den dunkleren Tönen im Bild, die uns in absolut meisterlicher Manier an der subjektiven Empfindung des Künstlers teilhaben lässt.

In unserem Aquarell wird Noldes Interesse an den Urkräften der Natur und dem leuchtendem Farbspiel aus Wolken, Himmel, Meer und Licht verdeutlicht. Besonders in Norddeutschland spielen die Himmelsformationen eine bedeutende Rolle. Die wechselnden Windstärken, das Wolkengeschiebe und die unvermuteten Wetterwechsel, lassen überraschende und gegensätzliche Abfolgen, wie Regen, dann Hagel, dann Sonne, Windstille oder Wärme, entstehen.

Das Motiv der Mühle findet sich auch im Œuvre der Ölmalerei und Grafik Noldes wieder. „Mit meinen Wasserfarben und den Papieren hantierte ich tagsüber, eifrig im Freien malend, die alte Mühle, die Halligkinder und die sich schlängelnden Priele mit ihren schwankenden Brücken.“2)

Anmerkungen:
1) Emil Nolde, „Mein Leben“, 8. Auflage, Köln 1990, S. 329 ff.
2) Emil Nolde, „Mein Leben“, Köln 2008, S. 363.
Ausführliche Informationen zum Download: Werkangaben als PDF
Mehr Informationen erhalten Sie unter: mail@ludorff.com