Abendliche Marschlandschaft
Emil Nolde
«Abendliche Marschlandschaft»
Aquarell auf Japan ; um 1935/40 ; 35 x 47 cm
Signiert
Prof. Dr. Manfred Reuther, Direktor der Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll
Provenienz:
Jolanthe Nolde; Privatsammlung Norddeutschland; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Austellung:
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Düsseldorf, 17. Januar - 17. April 2010
Heidelberger Kunstverein, "Emil Nolde - Gemälde, Aquarelle, Graphik", Heidelberg 1958
Literatur:
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Düsseldorf 2010
Heidelberger Kunstverein, "Emil Nolde - Gemälde, Aquarelle, Graphik", Ausst.-Kat., Heidelberg 1958
Im OEuvre Emil Noldes sind die Regionen des Nordens an der
See ein immer wiederkehrendes Motiv. Schon von jungen Jahren
an beeinflussen die Natur und die Reize seiner Heimat den
Maler in seinem künstlerischen Schaffen. Nach langem Suchen
erwirbt Nolde südlich der Grenze zu Dänemark eine Warft mit
Bauernhof in Seebüll. Hier lässt er sich nach seinen Entwürfen
von 1927 bis 1937 ein Wohn- und Atelierhaus errichten. Ein Jahr
nach seinem Tod wird 1957 hier das Nolde-Museum eröffnet.
In Seebüll entstehen einige seiner schönsten, großformatigen
Aquarelle, zu denen auch unser Blatt „Abendliche Marschlandschaft“
gehört. In den Dämmerstunden, nahe dem Meer fängt der
Künstler die Stimmung des nordischen Landstriches ein. Eingebettet
in die weite Landschaft liegt am Horizont eine Mühle, davor
breiten sich die satten Felder und Hügel aus. Die letzten Sonnenstrahlen
werden hinter den Wolken zurückgedrängt und machen
dem kommenden Abend Platz. Die Wolken am hohen Himmel
spielen eine wichtige Rolle in Noldes Bildern, denn die Vielfalt
der ständig wechselnden Formen erregt die Aufmerksamkeit des
Malers. Der Komplementärkontrast von Orange und Blau in den
Wolkenformationen verstärkt die Leuchtkraft des Bildes. Den
Bildaufbau bestimmt hauptsächlich die Farbe. Nolde, als Meister
des Aquarells, lässt die Farben ineinander verschwimmen und
zum wichtigsten Ausdrucksträger werden. „Gelb kann Glück malen
und auch Schmerz. Es gibt Feuerrot, Blutrot und Rosenrot. Es
gibt Silberblau, Himmelblau und Gewitterblau. Jede Farbe trägt
in sich ihre Seele, mich beglückend oder abstoßend oder anregend.“
1)
Nolde malt sein Bild in der Naß-in-Naß-Technik, welche die
Spontaneität und Unmittelbarkeit Noldes herausfordert. Seine
Aquarelle entstehen ohne Vorzeichnung. Als Untergrund wählt
Nolde saugfähiges Japanpapier, welches vor dem Farbauftrag
angefeuchtet wird. Mit vollgetränktem Pinsel bringt er die reinen
Aquarellfarben auf das nasse Papier auf. Schnell breitet sich
die Farbe aus. Nach dem Trocknen übermalt er seine Arbeiten in
leichtem Farbauftrag, um einzelne gegenständliche Details hervorzuheben.
„Der Maler braucht nicht viel zu wissen, schön ist es,
wenn er unter instinktiver Führung so zielsicher malen kann, wie
er atmet, wie er geht.“2) Bei Nolde ist die Farbe nicht nur Träger
seelischer Empfindungen, sie ist vielmehr als formbildende, gestaltende
Kraft. Noldes Landschaften zählen zu den wichtigsten
Schöpfungen seines umfangreichen Werks. Sie faszinieren den
Betrachter immer wieder durch ihre Farbenpracht, die der Aquarellist
meisterhaft auf das Papier bannt.
Anm.: 1) Emil Nolde zit. in: Martin Urban, „Emil Nolde – Landschaften. Aquarelle
und Zeichnungen“, Köln 1980, S. 16.
2) Ausst.-Kat., „Emil Nolde – Aquarelle und Graphik“, Leipzig 1995, S. 15.
Ausführliche Informationen zum Download: Werkangaben als PDF
Mehr Informationen erhalten Sie unter: mail@ludorff.com