Überblick Gerhard Richter, Ohne Titel (9.3.97), 1997
Ohne Titel (9.3.97)
Wasserfarbe auf Papier ; 1997 ; 13 x 17 cm
Signiert und "9.3.97" datiert
Literatur:
Galerie Ludorff, "Gerhard Richter", Ausst.-Kat. 113, Düsseldorf 2005
1932 wird Gerhard Richter in Dresden geboren. Nach der Mittleren Reife macht er eine Ausbildung zum Bühnen- und Werbemaler und bewirbt sich erfolgreich um Aufnahme an der Dresdner Kunstakademie zum Studium der freien Malerei und später der Wandmalerei. Nach einem Besuch auf der Dokumenta II, wo er mit der Abstrakten Malerei von Jackson Pollock und Lucio Fontana konfrontiert wird, beschließt Richter in den Westen zu gehen. 1961 siedelt der Künstler nach Düsseldorf über und beginnt ein zweijähriges Studium bei Karl Otto Götz. Später erhält er in Düsseldorf eine Professur und lehrt von 1971 bis 1994 an der Kunstakademie. Im Pariser Centre Georges Pompidou erhält Richter seine erste große Einzelausstellung. 1983 zieht der Künstler nach Köln, wo er bis heute lebt und sein Atelier führt. Es folgen weltweite Ausstellungen seiner Werke, u. a. findet 2002/03 eine große Retrospektive im Museum of Modern Art in New York statt.
In seiner künstlerischen Laufbahn setzt sich Richter zu Beginn der sechziger Jahre erstmalig mit Photographien als Vorlagen für Gemälde auseinander. Richter verwendet Aufnahmen aus den Medien, später auch eigene Photographien, die er malend vergrößert und überwiegend in grau-weiß auf die Leinwand überträgt. Typisch für diese Bilder sind unscharfe Konturen, die das Dargestellte verfremden. Seit den siebziger Jahren hat sich Gerhard Richter intensiv mit der Abstraktion auseinandergesetzt, was mit seinen Werken belegt ist, denn über die Hälfte der Bilder, sind abstrakte Bilder. In den achtziger Jahren malt Richter erstmals Gemälde mit farbigen Strukturen und bunten Flecken. Bei Richter gibt es zu jedem abstrakten Bild eine Phase der Planung. Erst nach reiflicher Überlegung greift er zum Pinsel, denn das Konzept spielt eine Hauptrolle. „Bei konzeptioneller Kunst ist die Idee oder die Konzeption der wichtigste Aspekt der Arbeit. Wenn ein Künstler eine konzeptionelle Form von Kunst benutzt, heißt das, dass alle seine Pläne und Entscheidungen im voraus erledigt werden und die Ausführung eine rein mechanische Angelegenheit ist. Konzeptionelle Kunst soll eher den Verstand des Betrachters als sein Auge oder sein Gefühl ansprechen und beschäftigen.“1) Die zwei Begriffe „Abstrakt“ und „Konzeptionell“ stehen bei Gerhard Richter nebeneinander. Aber auch das Prinzip des Zufalls spielt eine wesentliche Rolle im Entstehungsprozess der abstrakten Bilder. Richter gibt die Farbauswahl und die Idee der Schichtung vor, doch ist es mehr oder weniger zufällig, wie und wo die Farbe eine andere Farbschicht überdeckt und welche Stellen letztendlich frei bleiben. Ein gelungenes Ergebnis dieser Bildideen ist unsere querformatige Gouache „Ohne Titel“ von 1997, auf der sich die bunten Farben fröhlich auf der Leinwand mixen. Der Künstler setzt Farb- und Formenakzente, die dem Werk ein Eigenleben einhauchen. Der Betrachter fühlt sich von dem farbigen Spiel hingerissen und wird aufgefordert, sich mit der Abstraktion auseinanderzusetzen. Zu seinen Bildern manifestiert Richter: „Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung, ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen.“2) Gerhard Richter gehört zu den international bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern.

Anmerkungen.:

1) Siehe Hubertus Butin: „Gerhard Richter und die Reflexion der Bilder. Konzeptionelle Grundlagen“, in: Hubertus Butin/Stefan Gronert (Hg.),
„Gerhard Richter. Editionen 1965-2004. Catalogue Raisonée“, Ostfildern-Ruit, 2004, S. 9.

2) http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Richter
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com