Meisterwerke des Expressionismus
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Galerie Ludorff freut sich, Sie auf die Eröffnung einer ganz besonderen Ausstellung hinweisen zu dürfen: Am Sonntag, dem 9. Oktober eröffnen wir von 12 bis 14 Uhr unsere Ausstellung „Meisterwerke des Expressionismus“ und laden Sie herzlich in unsere Galerieräume auf der 3. Etage der Königsallee 22 in Düsseldorf ein.
Einen absoluten Höhepunkt der Galeriegeschichte stellt die Wiederentdeckung des musealen Gemäldes „Grabender Bauer“ von Heinrich Nauen (1908) dar, das seit über 70 Jahren als verschollen galt. Die außerordentliche kunsthistorische Bedeutung dieses Schlüsselwerks des rheinischen Expressionisten wird durch die äußerst spannende Provenienz noch gesteigert. Die Arbeit befand sich lange Zeit in der Sammlung von Walter Kaesbach, einem renommierten Sammler, Kurator und Kunsthistoriker seiner Zeit. Nach einer Anstellung an der Nationalgalerie in Berlin war er als Direktor am Museum in Erfurt und seit 1924 als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie tätig. Nach der Schenkung eines Teils der umfangreichen Sammlung 1922 an seine Vaterstadt Mönchengladbach und der Enteignung der deutschen Museen durch die Nationalsozialisten 1937, verliert sich jedoch die Spur dieses besonders ausdrucksstarken und charakteristischen Werks. Es ist äußerst glücklichen Umständen zu verdanken, dass das Gemälde die unruhigen Zeiten des Zweiten Weltkriegs schadlos überstanden hat, sich jahrzehntelang unentdeckt in einer norddeutschen Privatsammlung befand und nun nach über siebzig Jahren erstmals wieder öffentlich gezeigt werden kann.
Dem Motiv des Bauern und der mühevollen Feldarbeit hat sich Nauen mit besonderem Nachdruck gewidmet. Bei unserem „Grabenden Bauern“ ist die thematische und stilistische Nähe zur Malerei Francois Millets und Vincent van Goghs unübersehbar. Der freie Umgang mit der Farbe und der vibrierende Farbauftrag verleihen der Arbeit außergewöhnliche Intensität und atmosphärische Dichte. Das Gemälde wurde in bahnbrechenden Museumsausstellungen seiner Zeit, wie etwa der legendären „Sonderbund“-Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum 1912 gezeigt, die nun im kommenden Jahr 2012 mit unserem wiederentdeckten Gemälde rekonstruiert werden soll.
Einen weiteren Höhepunkt unserer Ausstellung bildet eine Gruppe von fünf Postkarten der „Brücke“- Künstler: Die in Dresden, Berlin und an der Ostsee arbeitenden Maler versandten ihre Zeichnungen gerne untereinander oder an ihre bedeutendsten Mäzene und Sammler. Die gezeigten Postkarten vermitteln einen Überblick über die Hauptmotive der Künstler der „Brücke“, die ihre Themen nicht mehr nur in Atelier oder in der Landschaft, sondern vor allem auch auf der Straße, im Varieté, Zirkus, Zoo oder in den Bars und Restaurants der Großstadt Berlin fanden. Die Faszination dieser kleinen Meisterwerke von Kirchner, Schmidt-Rottluff und Pechstein liegt in der Unmittelbarkeit und Spontaneität, mit der sie das Erlebte direkt auf dem Papier festhielten. Ernst Ludwig Kirchners „Straßenszene“ von 1910 ist ein besonderes Kleinod, da sie eines der frühesten Beispiele aus der wichtigsten Werkgruppe im Oeuvre des Malers, der Straßenszenen, darstellt. In ihrem starken Kontrast von schwarzen Konturen und kräftigen Farben sowie der reduzierten Formgebung ist sie ein typisches Beispiel für den markanten Stil der „Brücke“.
Die aquarellierte Tuschzeichnung „Selbstmörder“ von George Grosz aus dem Jahr 1918 nimmt eine weitere Sonderposition innerhalb der Ausstellung ein. Sie zeigt in dem für Grosz typischen, sich auftürmenden Bildaufbau ein gesellschaftliches Tabu in all seiner Dramatik. Der sozialkritische Maler offenbart auch in dieser Arbeit seinen schonungslosen Blick, mit dem er immer wieder auf die gesellschaftlichen Missstände der Weimarer Republik hinweist und konfrontiert den Betrachter mit einer aufwühlenden Szenerie aus menschlichen Ängsten und Abgründen.
Den Rundgang durch die Malerei des deutschen Expressio-nismus vervollständigen ausgewählte Arbeiten von Mitgliedern des „Blauen Reiters“: Neben einer besonders ausdrucksstar-ken Variaton („Variation: Fest“, 1919) und einem der bekannten „Heilandsgesichte“ („Heilandsgesicht: Nemesis II“, 1919) von Alexej von Jawlensky, möchten wir Sie auf das Gemälde „See am Ostertag“ (1935) von Gabriele Münter hinweisen. Das Werk fällt in die zweite bedeutende Schaffensphase der Malerin nach ihrer Rückkehr nach Murnau 1931. Mit dem wohl komponierten Blick auf die bayerische Seenlandschaft und dem leuchtenden Kolorit knüpft diese Arbeit nicht nur konsequent an die Malerei aus der Zeit des „Blauen Reiters“ um 1910 an, sondern erreicht durch immer konsequentere Reduktion eine neue, gesteigerte Intensität und muss daher als Höhepunkt im künstlerischen Schaffen Münters gewertet werden.
Insgesamt werden über 60 Werke der bedeutendsten Expressionisten wie Max Beckmann, George Grosz, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Georg Kolbe, Oskar Kokoschka, August Macke, Gabriele Münter, Otto Mueller, Heinrich Nauen, Emil Nolde, Max Pechstein, Christian Rohlfs Karl Schmidt-Rottluff und Georg Tappert gezeigt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einer Einführung von Dr. Tayfun Belgin, dem Direktor des Karl-Ernst-Osthaus-Museums in Hagen und farbigen Abbildungen sämtlicher Arbeiten für EUR 20, der in der Galerie oder über unsere Internetseite erhältlich ist.
Mit freundlichen Grüßen aus Düsseldorf,
Ihr
Manuel Ludorff
GALERIE LUDORFF
KÖNIGSALLEE 22
40212 DÜSSELDORF
GERMANY
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