Meisterwerke des Expressionismus
09. Oktober 2011 bis 04. Februar 2012
Hermann Max Pechstein
«Monterosso al Mare»
Tusche und Farbkreide auf Papier ; 1913 ; 16 x 22 cm
Signiert mit dem Monogramm und datiert
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Literatur:
Galerie Ludorff, "30 Jahre Galerie Ludorff", Kat. 115, Düsseldorf, 2005
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen", Kat. 111, 79, Düsseldorf, 2004
Galerie Ludorff, "30 Jahre Galerie Ludorff", Kat. 115, Düsseldorf, 2005
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen", Kat. 111, 79, Düsseldorf, 2004
Das Jahr 1912 steht für Hermann Max Pechstein im Zeichen eines neuen stilistischen Aufbruchs. Mit der Hinwendung zu kubistischen Tendenzen scheint seine frühe expressionistische Schaffensperiode gleichsam abgeschlossen. Entscheidende Impulse von außen leiten diese neue Phase ein – ein Prozess, der sich durch seinen offiziellen Austritt aus der „Brücke" 1912 manifestiert. Neue Anregungen hatten schon die 1911 einsetzenden Kontakte zum „Blauen Reiter" in München, vor allem zu Franz Marc, geboten. Die Münchener waren durch die Delaunay-Rezeption zu neuartigen, kristallinen Bildstrukturen vorgestoßen, einem Stil, der den „Brücke"-Künstlern bisher fremd war. Hinzu kommt, dass Herwarth Walden 1912 seine Galerie „Der Sturm" eröffnet und zum ersten Mal Werke der italienischen Futuristen in Deutschland präsentiert. Zu einer intensiven inhaltlichen Vertiefung des Orphismus und Futurismus kommt es bei den „Brücke“-Künstlern allerdings nicht. Ihr Interesse richtet sich in erster Linie auf die äußeren Gestaltungsmittel.
Dieser stark veränderte Charakter kommt in Pechsteins Arbeiten Ende 1912 und vor allem in den Arbeiten, die 1913 in Monterosso al Mare, an der tyrrhenischen Küste zwischen Genua und La Spezia entstehen, zum Ausdruck. Pechstein reist in diesem Jahr das erste Mal in dieses damals noch idyllische Fischerdorf. Hier entsteht unser für diese Werkphase beispielhaftes Blatt „Monterosso al Mare". Man sieht im Vordergrund das leuchtend blaue Meer, das sich friedlich vor der felsig aufragenden Küste ausbreitet. Der Küste sind einige Inseln vorgelagert und so gleitet der Blick stufenweise in die Tiefe der Bucht, an der sich eine Ansammlung kubischer Gebäude aufreiht. Die Inseln und Bergformationen ragen wie Kegelstümpfe als einzelne geometrische Formen in die Höhe. Die Farbigkeit des Gesteins, die Spiegelung des Wassers und die kräftige grüne Vegetation legt Pechstein mit Kreiden farbig an. Am Himmel blitzt zwischen Wolken die Sonne hervor und spiegelt sich im Meeresblau. Bei Pechsteins Landschaften, Stillleben und Portraits steht jetzt die Konstruktion mit kubischen Elementen im Vordergrund. Geometrische Grundformen werden in den Kontext dynamischer Kraftlinien gestellt. Die Farbigkeit ist etwas verhaltener. Der bisherige organische Fluss ist einer Gestaltung mit Ecken und Kanten gewichen und an die Stelle des unmittelbaren, sinnlichen Erlebens, das seine Bilder bisher ausgezeichnet hat, tritt eine mehr rationale, intellektuelle Herangehensweise.
Eine eigentümliche Stille und Unbewegtheit geht von dem Blatt aus, was in dieser Zeit zum dominierenden Stilprinzip von Pechsteins Arbeiten wird. Es handelt sich gleichsam um landschaftliche Stillleben. Die Beschäftigung mit dem Kubismus hat eine starke Formvereinfachung und gleichzeitige Reduzierung auf stereometrische Grundelemente zur Folge. Die Landschaft selbst wirkt tektonisch gebaut. Pechstein gibt den Gegenständen eine andere Dingqualität. Wie im klassischen Kubismus geht es dem Künstler jedoch nicht um die Vielansichtigkeit der Körper oder die Eliminierung der perspektivischen Illusion, sondern er nutzt das Prinzip der Formvereinfachung und Formverfestigung des gebauten Bildes und steigert damit den haptischen Effekt. Dieses Festhalten am Gestalten mit Volumen ist nicht nur in Pechsteins eigener Stilentwicklung begründet, sondern resultiert auch aus der inzwischen intensivierten Beschäftigung mit afrikanischer und ozeanischer Plastik. Pechstein entnimmt, ähnlich wie Karl Schmidt-Rottluff, dem Kubismus den strukturierenden Charakter. Sein künstlerisches Wollen aber identifiziert er mit den Werken der Naturvölker: Er findet hier die Bestätigung für seine Anliegen.
Dieser stark veränderte Charakter kommt in Pechsteins Arbeiten Ende 1912 und vor allem in den Arbeiten, die 1913 in Monterosso al Mare, an der tyrrhenischen Küste zwischen Genua und La Spezia entstehen, zum Ausdruck. Pechstein reist in diesem Jahr das erste Mal in dieses damals noch idyllische Fischerdorf. Hier entsteht unser für diese Werkphase beispielhaftes Blatt „Monterosso al Mare". Man sieht im Vordergrund das leuchtend blaue Meer, das sich friedlich vor der felsig aufragenden Küste ausbreitet. Der Küste sind einige Inseln vorgelagert und so gleitet der Blick stufenweise in die Tiefe der Bucht, an der sich eine Ansammlung kubischer Gebäude aufreiht. Die Inseln und Bergformationen ragen wie Kegelstümpfe als einzelne geometrische Formen in die Höhe. Die Farbigkeit des Gesteins, die Spiegelung des Wassers und die kräftige grüne Vegetation legt Pechstein mit Kreiden farbig an. Am Himmel blitzt zwischen Wolken die Sonne hervor und spiegelt sich im Meeresblau. Bei Pechsteins Landschaften, Stillleben und Portraits steht jetzt die Konstruktion mit kubischen Elementen im Vordergrund. Geometrische Grundformen werden in den Kontext dynamischer Kraftlinien gestellt. Die Farbigkeit ist etwas verhaltener. Der bisherige organische Fluss ist einer Gestaltung mit Ecken und Kanten gewichen und an die Stelle des unmittelbaren, sinnlichen Erlebens, das seine Bilder bisher ausgezeichnet hat, tritt eine mehr rationale, intellektuelle Herangehensweise.
Eine eigentümliche Stille und Unbewegtheit geht von dem Blatt aus, was in dieser Zeit zum dominierenden Stilprinzip von Pechsteins Arbeiten wird. Es handelt sich gleichsam um landschaftliche Stillleben. Die Beschäftigung mit dem Kubismus hat eine starke Formvereinfachung und gleichzeitige Reduzierung auf stereometrische Grundelemente zur Folge. Die Landschaft selbst wirkt tektonisch gebaut. Pechstein gibt den Gegenständen eine andere Dingqualität. Wie im klassischen Kubismus geht es dem Künstler jedoch nicht um die Vielansichtigkeit der Körper oder die Eliminierung der perspektivischen Illusion, sondern er nutzt das Prinzip der Formvereinfachung und Formverfestigung des gebauten Bildes und steigert damit den haptischen Effekt. Dieses Festhalten am Gestalten mit Volumen ist nicht nur in Pechsteins eigener Stilentwicklung begründet, sondern resultiert auch aus der inzwischen intensivierten Beschäftigung mit afrikanischer und ozeanischer Plastik. Pechstein entnimmt, ähnlich wie Karl Schmidt-Rottluff, dem Kubismus den strukturierenden Charakter. Sein künstlerisches Wollen aber identifiziert er mit den Werken der Naturvölker: Er findet hier die Bestätigung für seine Anliegen.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com