Meisterwerke des Expressionismus
09. Oktober 2011 bis 04. Februar 2012
Georg Kolbe
«Sitzende»
Bronze ; 1926 ; 28 x 27 x 20 cm
Signiert mit dem Monogramm auf der Unterseite
Gießerstempel: H. Noack, Berlin-Friedenau unter dem rechten Fuß, Authentischer Guss aus der Lebenszeit
Expertise: Dr. Ursel Berger, Georg-Kolbe-Museum, Berlin
Provenienz:
Privatsammlung Deutschland
Privatsammlung Deutschland
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Georg-Kolbe-Museum, Berlin/Gerhard Marcks-Haus, Bremen, "Georg Kolbe 1877-1947", 1997/98
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Georg-Kolbe-Museum, Berlin/Gerhard Marcks-Haus, Bremen, "Georg Kolbe 1877-1947", 1997/98
Literatur:
Ursel Berger, "Georg Kolbe 1877-1947", Ausst.-Kat. Georg-Kolbe-Museum, München 1997
Ursel Berger, "Georg Kolbe – Leben und Werk", Berlin 1990
Ursel Berger, "Georg Kolbe 1877-1947", Ausst.-Kat. Georg-Kolbe-Museum, München 1997
Ursel Berger, "Georg Kolbe – Leben und Werk", Berlin 1990
Georg Kolbe wird 1877 als Sohn eines künstlerisch interessierten Malermeisters im sächsischen Waldheim geboren. Schon als kleiner Junge beschäftigt er sich mit der Malerei und auch seine Geschwister sind kunstsinnig geprägt. Sein Bruder schlägt später sogar eine Laufbahn zum Architekten ein. Eine Anekdote schildert die schon früh beginnende Kunstfertigkeit Kolbes: Als zehnjähriger reist Kolbe mit seinem Vater nach Dresden. In einer Auslage sehen sie einen Elefanten, den der Vater seinem Sohn nicht kaufen kann. Daraufhin sagt der kleine Kolbe trotzig: „Dann mache ich mir meine Tiere selber.“1) Von 1891 bis 98 studiert Kolbe Malerei und Zeichnung in Dresden, München und Paris. In München lernt er seinen Mitschüler Hans Albrecht Graf Harrach kennen, der Kolbes erster Förderer wird und ihn seinem großen Bekanntenkreis empfiehlt. Hier bekommt Kolbe seine ersten Aufträge, die ihm ein geregeltes Einkommen bescheren. Zunächst beschäftigt er sich mit symbolischer Malerei, wechselt dann um die Jahrhundertwende zum Modellieren. Der Übergang vom Maler zum Bildhauer ist kein plötzlicher Umschwung, mehr als fünf Jahre arbeitet er in beiden Gattungen parallel. In dieser Zeit heiratet Kolbe seine große Liebe Benjamine und aus der Ehe wird die Tochter Eleonore geboren. 1904 zieht Kolbe nach Berlin und erst hier gibt er die Malerei völlig auf, wie er selbst in einem Gespräch von 1937 berichtet: „Um 1900 begann ich zu modellieren, und diese Arbeit vollzog sich von Anfang an so selbstverständlich, als hätte ich nie etwas anderes getan. Eine der ersten Arbeiten, übrigens ein Knabenkopf, erhielt einen Preis. Einige Jahre modellierte und malte ich nebeneinander, dann begriff ich, dass es ein Unding ist, Bildhauer und Maler gleichzeitig sein zu wollen. […] Seither lag der Weg klar vor mir. Ich hatte gefunden, was ich bisher entbehrt hatte: das Körperliche, die Form […].“2)
Das Hauptthema in Kolbes plastischem Werk ist die menschliche Gestalt. Der junge Bildhauer macht sich schnell einen Namen in der deutschen Hauptstadt. Er ist Mitglied der Berliner Secession und wird vom bedeutendsten Kunsthändler der Stadt, Paul Cassirer, repräsentiert. 1905 ermöglicht ihm das Stipendium der Villa Romana, einige Monate in Florenz zu verbringen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin erfährt seine Karriere um 1911/12 einen großen Aufschwung. In seinem bildhauerischen Werk findet er zu einer eigenständigen plastischen Formensprache, die in der „Tänzerin“ (Nationalgalerie, Berlin) ihren Höhepunkt findet. Diese Bronzefigur, ein Unikat, zählt zu den bekanntesten deutschen Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Hier verdeutlicht Kolbe sein Streben nach einer autonomen und zeitgemäßen Menschendarstellung, die den Zeitgeist und seine Ideale verkörpert. Der Tanz nimmt im gesamten Werk des Künstlers eine große Rolle ein. Durch den Erfolg der „Tänzerin“ ergeben sich die ersten öffentlichen Aufträge für Denkmäler, beispielsweise das Ehrenmal für Heinrich Heine in Frankfurt am Main. Bei Ausbruch des
Ersten Weltkrieges lässt sich Kolbe zum Kriegsdienst verpflichten. Gegen Ende des Krieges nutzt er die Chance, sich nach Istanbul versetzen zu lassen. Hier kann er relativ ungestört arbeiten und fertigt insbesondere Portraits für Botschaftsmitarbeiter an. Wieder in Berlin, hat hier eine grundlegende Umstrukturierung in der Bildhauerszene stattgefunden. Die Wilhelminischen Bildhauer geraten ins Abseits und Kolbe kann seine Stellung als führender Künstler ausbauen. In den Zwanziger Jahren ist Kolbe besonders für seine Kleinplastiken bekannt, die sehr lebensnah eine große Schlüssigkeit im Aufbau zeigen. 1926 entsteht unsere Plastik „Sitzende“, die ein besonders schönes Beispiel aus der besten Schaffenszeit des Künstlers ist. Niedergelassen, mit beiden Beinen angewinkelt und umschließenden Armen, neigt die Mädchenfigur ihr Haupt. Die angeraute und lockere Oberfläche lässt die Patina in braun-goldener Bronzefarbe changierend leuchten. Die Plastik strahlt Ruhe und Harmonie aus, auch wenn die Körperspannung noch von der gerade vollzogenen Bewegung zeugt. Kolbe zeigt hier keine naturalistische Schilderung einer gestellten Pose, sondern gibt dem Ausdruck Vorrang. Mit Leichtigkeit und Grazie nimmt die kleine Skulptur ihren Platz im Raum ein.
Kolbe erinnert sich an seine Arbeitsweise wie folgt: „Als ich meine modellierenden Hände im Film sah, war ich verblüfft, wie selbstständig sie sich gebärdeten. Eine völlig geschlossene Handlung sah ich. Wie bauende Tiere, die wühlen, zusammenschleppen und ihren Bau errichten, erschienen mir meine Hände. Ein Schaffensprozess, wie er nicht eindringlicher dargestellt werden kann.“3)
Anm.:
1) Georg Kolbe zit. in: Ursel Berger, „Georg Kolbe – Leben und Werk“, Berlin 1990, S. 11.
2) Georg Kolbe im Interview mit Carl Dietrich Carls, 1937, zit. in: Ebd. S. 23.
3) Kolbe in einem Brief an Hans Cürlis am 27.11.1926 (Cürlis hat Georg Kolbe in seinem Film „Schaffende Hände“ bei der Arbeit dargestellt), in: Maria Frfr. von Tiesenhausen „Georg Kolbe – Briefe und Aufzeichnungen“, Tübingen 1987, S. 105.
Das Hauptthema in Kolbes plastischem Werk ist die menschliche Gestalt. Der junge Bildhauer macht sich schnell einen Namen in der deutschen Hauptstadt. Er ist Mitglied der Berliner Secession und wird vom bedeutendsten Kunsthändler der Stadt, Paul Cassirer, repräsentiert. 1905 ermöglicht ihm das Stipendium der Villa Romana, einige Monate in Florenz zu verbringen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin erfährt seine Karriere um 1911/12 einen großen Aufschwung. In seinem bildhauerischen Werk findet er zu einer eigenständigen plastischen Formensprache, die in der „Tänzerin“ (Nationalgalerie, Berlin) ihren Höhepunkt findet. Diese Bronzefigur, ein Unikat, zählt zu den bekanntesten deutschen Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Hier verdeutlicht Kolbe sein Streben nach einer autonomen und zeitgemäßen Menschendarstellung, die den Zeitgeist und seine Ideale verkörpert. Der Tanz nimmt im gesamten Werk des Künstlers eine große Rolle ein. Durch den Erfolg der „Tänzerin“ ergeben sich die ersten öffentlichen Aufträge für Denkmäler, beispielsweise das Ehrenmal für Heinrich Heine in Frankfurt am Main. Bei Ausbruch des
Ersten Weltkrieges lässt sich Kolbe zum Kriegsdienst verpflichten. Gegen Ende des Krieges nutzt er die Chance, sich nach Istanbul versetzen zu lassen. Hier kann er relativ ungestört arbeiten und fertigt insbesondere Portraits für Botschaftsmitarbeiter an. Wieder in Berlin, hat hier eine grundlegende Umstrukturierung in der Bildhauerszene stattgefunden. Die Wilhelminischen Bildhauer geraten ins Abseits und Kolbe kann seine Stellung als führender Künstler ausbauen. In den Zwanziger Jahren ist Kolbe besonders für seine Kleinplastiken bekannt, die sehr lebensnah eine große Schlüssigkeit im Aufbau zeigen. 1926 entsteht unsere Plastik „Sitzende“, die ein besonders schönes Beispiel aus der besten Schaffenszeit des Künstlers ist. Niedergelassen, mit beiden Beinen angewinkelt und umschließenden Armen, neigt die Mädchenfigur ihr Haupt. Die angeraute und lockere Oberfläche lässt die Patina in braun-goldener Bronzefarbe changierend leuchten. Die Plastik strahlt Ruhe und Harmonie aus, auch wenn die Körperspannung noch von der gerade vollzogenen Bewegung zeugt. Kolbe zeigt hier keine naturalistische Schilderung einer gestellten Pose, sondern gibt dem Ausdruck Vorrang. Mit Leichtigkeit und Grazie nimmt die kleine Skulptur ihren Platz im Raum ein.
Kolbe erinnert sich an seine Arbeitsweise wie folgt: „Als ich meine modellierenden Hände im Film sah, war ich verblüfft, wie selbstständig sie sich gebärdeten. Eine völlig geschlossene Handlung sah ich. Wie bauende Tiere, die wühlen, zusammenschleppen und ihren Bau errichten, erschienen mir meine Hände. Ein Schaffensprozess, wie er nicht eindringlicher dargestellt werden kann.“3)
Anm.:
1) Georg Kolbe zit. in: Ursel Berger, „Georg Kolbe – Leben und Werk“, Berlin 1990, S. 11.
2) Georg Kolbe im Interview mit Carl Dietrich Carls, 1937, zit. in: Ebd. S. 23.
3) Kolbe in einem Brief an Hans Cürlis am 27.11.1926 (Cürlis hat Georg Kolbe in seinem Film „Schaffende Hände“ bei der Arbeit dargestellt), in: Maria Frfr. von Tiesenhausen „Georg Kolbe – Briefe und Aufzeichnungen“, Tübingen 1987, S. 105.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com