Meisterwerke des Expressionismus
09. Oktober 2011 bis 04. Februar 2012
Emil Nolde
«Sonnenblumen»
Aquarell auf Japan ; ca. 1930/40 ; 26 x 22 cm
Signiert
Expertise: Prof. Dr. Martin Urban, ehemaliger Direktor der Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll
Provenienz:
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Düsseldorf 2010
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Düsseldorf 2010
Literatur:
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Ausst.-Kat. Nr. 130, Düsseldorf 2010
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Ausst.-Kat. Nr. 130, Düsseldorf 2010
Emil Nolde zählt neben August Macke und Paul Klee zu den ersten Künstlern, die im frühen 20. Jahrhundert die Aquarellmalerei wiederentdecken. Bereits in den frühen 1890er Jahren, während seiner Anstellung als Lehrer am Gewerbemuseum in St. Gallen, unternimmt er erste Malversuche mit Aquarellfarben. Doch erst seit 1908 widmet er sich intensiv dieser in Deutschland seit langem in Vergessenheit geratenen Technik. Der schnelle, kontrastreiche Farbauftrag und die improvisierende Leichtigkeit der Kompositionselemente avancieren zum prägenden Ausdrucksmittel seiner Aquarellmalerei. Dabei gelangt er über die Jahre zu großer gestalterischer Freiheit, stilistischer Meisterschaft und einer großen Virtuosität in der Handhabnug der Farbe.
Zeitlebens ist Nolde von Blumen und Gärten fasziniert. Überall, wo er sich häuslich niederlässt, sucht er gleichzeitig die Nähe zur Natur, zur wachsenden und gedeihenden Flora. Auch scheut er die Gartenarbeit nicht und genießt die Freude beim Betrachten der knospenden Pflanzenstauden. Unser Aquarell „Sonnenblumen“ entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem sich Nolde schon seit längerem in Seebüll aufhält, wo er sich seit 1927 nach eigenen Plänen ein Wohn- und Atelierhaus errichten lässt. Der mit großem Aufwand und Hingabe angelegte Garten vor dem Haus, durch Bäume vor dem Wind geschützt, erwächst zum unerschöpflichen Inspirationsquell seiner Kunst, so dass der Entstehungsort unserer „Sonnenblumen“ gleichsam hier anzusiedeln ist.
Mehrere Sonnenblumen mit prachtvoll geöffneten Blütenköpfen verteilen sich dicht an dicht über den Bildträger. Erwartungsvoll recken sie sich dem Betrachter, ähnlich wie dem lebensspendenden Sonnenlicht, entgegen. Die Blüten, deren Formen nahezu skizzenhaft umrissen sind, drängen über das Bildformat hinaus, sind vom Papierrand teilweise angeschnitten. Die Lebendigkeit, die Urkraft der Gewächse bannt Nolde stimmungsvoll auf das Papier.
Mit raschem Pinselzug trägt Nolde die Farben auf, ganz und gar durchdringen sie das saugfähige Japanpapier. In leuchtendem Gelb überstrahlen die Sonnenblumen den gesamten Bildaufbau. Nur sparsam akzentuierend ist das Grün des Blattwerks und der Blumenstängel in die Komposition integriert, zugunsten der Fokussierung auf die leuchtenden Blüten. Ein dunkles Violett fügt sich zudem berauschend in das koloristische Zusammenspiel ein. „Farben waren mir ein Glück, und mir war es, als ob sie meine Hände liebten“2). Mit diesen Worten unterstreicht Nolde die elementare Bedeutung der Farbe in seiner Malerei. Als sinnlich wahrnehmbares Erlebnis dient sie nicht mehr als Übertragungsmittel für Bildinhalte, sondern birgt eine eigene Seele in sich, die je nach Stimmungslage anziehend oder abstoßend wirkt. Die Farbe ist somit selbst Energie und Kraft, die sich in unserem Aquarell als ein sommerlicher Reigen von leuchtender Pracht und sprühender Lebendigkeit kundtut.
Anm.:
1) Emil Nolde, „Mein Leben“, 8. Aufl., Köln 1990, S. 334.
2) Emil Nolde, „Jahre der Kämpfe“, Berlin 1934, S. 92.
Zeitlebens ist Nolde von Blumen und Gärten fasziniert. Überall, wo er sich häuslich niederlässt, sucht er gleichzeitig die Nähe zur Natur, zur wachsenden und gedeihenden Flora. Auch scheut er die Gartenarbeit nicht und genießt die Freude beim Betrachten der knospenden Pflanzenstauden. Unser Aquarell „Sonnenblumen“ entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem sich Nolde schon seit längerem in Seebüll aufhält, wo er sich seit 1927 nach eigenen Plänen ein Wohn- und Atelierhaus errichten lässt. Der mit großem Aufwand und Hingabe angelegte Garten vor dem Haus, durch Bäume vor dem Wind geschützt, erwächst zum unerschöpflichen Inspirationsquell seiner Kunst, so dass der Entstehungsort unserer „Sonnenblumen“ gleichsam hier anzusiedeln ist.
Mehrere Sonnenblumen mit prachtvoll geöffneten Blütenköpfen verteilen sich dicht an dicht über den Bildträger. Erwartungsvoll recken sie sich dem Betrachter, ähnlich wie dem lebensspendenden Sonnenlicht, entgegen. Die Blüten, deren Formen nahezu skizzenhaft umrissen sind, drängen über das Bildformat hinaus, sind vom Papierrand teilweise angeschnitten. Die Lebendigkeit, die Urkraft der Gewächse bannt Nolde stimmungsvoll auf das Papier.
Mit raschem Pinselzug trägt Nolde die Farben auf, ganz und gar durchdringen sie das saugfähige Japanpapier. In leuchtendem Gelb überstrahlen die Sonnenblumen den gesamten Bildaufbau. Nur sparsam akzentuierend ist das Grün des Blattwerks und der Blumenstängel in die Komposition integriert, zugunsten der Fokussierung auf die leuchtenden Blüten. Ein dunkles Violett fügt sich zudem berauschend in das koloristische Zusammenspiel ein. „Farben waren mir ein Glück, und mir war es, als ob sie meine Hände liebten“2). Mit diesen Worten unterstreicht Nolde die elementare Bedeutung der Farbe in seiner Malerei. Als sinnlich wahrnehmbares Erlebnis dient sie nicht mehr als Übertragungsmittel für Bildinhalte, sondern birgt eine eigene Seele in sich, die je nach Stimmungslage anziehend oder abstoßend wirkt. Die Farbe ist somit selbst Energie und Kraft, die sich in unserem Aquarell als ein sommerlicher Reigen von leuchtender Pracht und sprühender Lebendigkeit kundtut.
Anm.:
1) Emil Nolde, „Mein Leben“, 8. Aufl., Köln 1990, S. 334.
2) Emil Nolde, „Jahre der Kämpfe“, Berlin 1934, S. 92.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com