Georg Tappert, Sonnenblumen in Vase, ~ 1912
Georg Tappert
«Sonnenblumen in Vase»
Öl auf Leinwand ; ca. 1912 ; 70 x 53 cm
Prof. Dr. Gerhard Wietek, Hamburg
Provenienz:
Sammlung Dr. Otto Binswanger, Kreuzlingen, Schweiz
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Literatur:
Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Kat. 123, 79, Düsseldorf, 2008
Galerie Ludorff, "Klassische Moderne. Kunst nach 1945", Ausst.-Kat. 104, Düsseldorf
Der Künstler Georg Tappert gehört zu den führenden Wegbereitern moderner Kunst in Deutschland.
In den Jahren vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in denen unser Gemälde „Sonnenblumen“ entsteht, befindet sich Tappert auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. 1910 kehrt der gebürtige Berliner von seinen Lehr- und Wanderjahren, die ihn unter anderem zu dem Künstlerkreis um Paula Modersohn-Becker nach Worpswede geführt haben, in seine Heimatstadt zurück. In der spannungsgeladenen Großstadtatmosphäre entstehen vor allem Ölgemälde, aber auch graphische Arbeiten wie Holz- und Linolschnitte, Radierungen und Lithographien. Tappert lässt sich thematisch von der lebendigen Metropole inspirieren und gehört mit seinen Darstellungen des Berliner Nachtlebens zu den ersten Künstlern überhaupt, die die Chansonetten, Dirnen und Artistinnen als eigenständiges und bildwürdiges Motiv entdecken. Neben Max Pechstein ist er Initiator der 1914 in Berlin gegründeten „Neuen Secession“, einer Vereinigung, in welcher sich u.a. Mitglieder der beiden Künstlergruppen „Brücke“ und „Blauer Reiter“ zusammenschließen, um gemeinsam auszustellen. Schon 1911 hatte Tappert zusammen mit Käthe Kollwitz die „Juryfreien“ gegründet und auch nach der Gründung der „Novembergruppe“ im Jahr 1918 sollte er maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Kunstlandschaft in Deutschland nehmen.
Unser hochformatiges Gemälde, entstanden um 1912, zeigt eine Vase, in welcher fünf in voller Blüte stehende Sonnenblumen arrangiert sind. Die vor einem türkisblauen Hintergrund angeordnete Komposition ist zentral angelegt und fokussiert allein auf den Strauß in der Mitte. Das Blumenarrangement ist dabei so zentral ins Bild gerückt, dass es am rechten Bildrand sogar leicht beschnitten ist und damit den Bildrahmen sprengt. Die Beschränkung auf nur wenige Farben und der starke Kontrast zwischen dem Gelb der Blüten, dem in bläulichem Grün gehaltenen Hintergrund und dem Schwarz der Tischplatte verleiht dem Bild eine spannungsreiche Tiefe und Präsenz.
Es ist das Werk Paula Modersohn-Beckers, das Tapperts Stil seit 1906 nachhaltig beeinflusst und das auch in diesem Stillleben nachweisbar mitschwingt. Stilistisch äußert sich das vor allem in dem pastosen Farbauftrag und in der auf die Bildmitte konzentrierten Komposition. Aber auch thematisch wählt Tappert mit dem Blumenstillleben ein Motiv, welches vom Worpsweder Künstlerkreis bevorzugt wird. Tapperts Werke sind in Ihrer Lebendigkeit und Farbkraft bedeutende Beispiele aus der Hochzeit des deutschen Expressionismus − und das obwohl der Künstler nicht zu einer der wichtigen und tonangebenden Künstlergruppen wie der „Brücke“ oder dem „Blauen Reiter“ gehört hat.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com