Meisterwerke des Expressionismus
09. Oktober 2011 bis 04. Februar 2012
Max Beckmann
«Strandszene»
Gouache und Wasserfarbe auf Papier ; 1936 ; 48 x 61 cm
Signiert und datiert
Expertise: Dr. Stephan von Wiese, Berlin
Provenienz:
Anna Lehmbruggen, Amsterdam, Niederlande (1936 direkt vom Künstler erworben); Privatsammlung Kalifornien, USA
Anna Lehmbruggen, Amsterdam, Niederlande (1936 direkt vom Künstler erworben); Privatsammlung Kalifornien, USA
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Der 1884 in Leipzig geborene Maler Max Beckmann ist bis heute vor allem für seine großformatigen und oft geheimnisvoll anmutenden Ölgemälde bekannt. Dass er parallel zu seinem großen OEuvre der Ölbilder auch viele farbige Aquarelle und Zeichnungen gefertigt hat, ist − zu Unrecht − beim breiten Publikum weit weniger bekannt. Denn die fragilen Papierarbeiten legen eine andere Seite des Malers offen und komplettieren damit das geläufige Beckmann-Bild um weitergehende Details und neue Erkenntnisse.
n diesem eher flüchtigen Medium sind Werke entstanden, die von Spontaneität, Leichtigkeit und Experimentierfreude zeugen. Die kunsthistorische Fachwelt vermutet, dass Beckmann das Aquarellieren und Zeichnen als reinigende Entspannung zu der im Gegensatz dazu sehr aufwühlenden, anstrengenden und komplizierten Tätigkeit an den großen Ölgemälden und Triptychen suchte. Zeit seines Lebens war Beckmann die zeichnerische Arbeit außerordentlich wichtig und sie diente ihm besonders auf Reisen zum schnellen und spontanen Festhalten des Gesehenen. Das im Jahr 1936 während einer Erholungsreise im niederländischen Zandvoort entstandene Aquarell „Strandszene“ zeigt einen unbelebten, zwischen hohen Dünen gelegenen Strandabschnitt. Der Standort des Betrachters, von welchem er auf die vorgefundene Landschaft herabblickt, liegt leicht erhöht. Im Vordergrund hängen zum Trocknen an Holzpfählen aufgespannte Fischernetze. Den Mittelgrund der Darstellung bildet eine grasbewachsene Dünenlandschaft, die im Zentrum einen Durchblick auf das kräftig leuchtende Blau der Nordsee gewährt. Durch die Linienführung wird der Blick des Betrachters bewusst auf den Horizont und damit in die Ferne gelenkt. Der dargestellte Küstenabschnitt ist bis auf die beiden Fischernetze und die Schiffe am Horizont die einen Hinweis auf die Zivilisation geben, gänzlich unbelebt − er strahlt Ruhe und Einsamkeit aus. Der Verzicht auf malerische Details und die klare Art und Weise der Gestaltung − mit einer Betonung der horizontalen Linien − bewirkt, dass eine vielleicht bei diesem Sujet zu erwartende romantische Stimmung ausbleibt. Vielmehr scheint Beckmann in einer nüchternen Momentaufnahme die Schönheit des weiten und scheinbar endlosen Meeres zeigen zu wollen. Trotz der Abwesenheit der für die Leinwände Beckmanns typischen Symbolik, der Figuren und der Bezüge auf die Mythologie besitzt auch die vorliegende Arbeit eine über die reine Schönheit hinausgehende biographische Bedeutung.
Drei Jahre vor der Entstehung der vorliegenden Arbeit ergreifen die Nationalsozialisten 1933 die Macht. Dies bedeutet auch für Beckmann einen schwerwiegenden Einschnitt. Seine Werke werden als entartet gebrandmarkt und man entzieht ihm die Professur an der Frankfurter Städelschule. Zunächst versucht der Künstler so unbeeinträchtigt wie möglich weiterzuarbeiten und flüchtet sich in die anonyme Großstadt Berlin. Regelmäßig reist Beckmann in den Jahren von 1933 bis 1937 an die niederländische Nordseeküste. Als der Künstler im Jahr 1937 die Eröffnungsrede Hitlers zur Ausstellung „Entartete Kunst“ im Münchner Haus der Kunst hört, hält ihn nichts mehr – nur einen Tag später geht er mit seiner Frau Mathilde ins Amsterdamer Exil, wo eine Schwester seiner Frau lebt. Die Jahre bis zum Ende des Krieges und auch die Zeit nach dem Krieg sind von starker Entbehrung geprägt. Beckmann wird von seinem Händler Curt Valentin sowie Sammlern und Freunden unterstützt, die bereits zu Kriegszeiten in die USA emigriert sind. Auch Beckmann entschließt sich, Visa für die USA zu beantragen und emigriert 1947 gemeinsam mit seiner Frau nach New York, wo er 1950 stirbt ohne je wieder nach Deutschland zurückgekehrt zu sein.
Führt man sich die dramatischen politischen Verhältnisse und die äußerst unsichere Situation Beckmanns im Jahr 1936 vor Augen und weiß man um die Tatsache, dass Beckmann sich im selben Jahr in Paris mit dem dort lebenden Emigranten Stephan Lackner traf, um über die Möglichkeit einer Emigration in die USA zu sprechen, so betrachtet man die recht idyllische Darstellung eines niederländischen Küstenabschnitts schnell mit anderen Augen. Die Darstellung vermag vielmehr die Einsamkeit Beckmanns und die Sehnsucht nach Freiheit und Sicherheit zu offenbaren, die er auf der anderen Seite des dargestellten Ozeans in den USA bereits 1936 vermutet zu haben
scheint.
n diesem eher flüchtigen Medium sind Werke entstanden, die von Spontaneität, Leichtigkeit und Experimentierfreude zeugen. Die kunsthistorische Fachwelt vermutet, dass Beckmann das Aquarellieren und Zeichnen als reinigende Entspannung zu der im Gegensatz dazu sehr aufwühlenden, anstrengenden und komplizierten Tätigkeit an den großen Ölgemälden und Triptychen suchte. Zeit seines Lebens war Beckmann die zeichnerische Arbeit außerordentlich wichtig und sie diente ihm besonders auf Reisen zum schnellen und spontanen Festhalten des Gesehenen. Das im Jahr 1936 während einer Erholungsreise im niederländischen Zandvoort entstandene Aquarell „Strandszene“ zeigt einen unbelebten, zwischen hohen Dünen gelegenen Strandabschnitt. Der Standort des Betrachters, von welchem er auf die vorgefundene Landschaft herabblickt, liegt leicht erhöht. Im Vordergrund hängen zum Trocknen an Holzpfählen aufgespannte Fischernetze. Den Mittelgrund der Darstellung bildet eine grasbewachsene Dünenlandschaft, die im Zentrum einen Durchblick auf das kräftig leuchtende Blau der Nordsee gewährt. Durch die Linienführung wird der Blick des Betrachters bewusst auf den Horizont und damit in die Ferne gelenkt. Der dargestellte Küstenabschnitt ist bis auf die beiden Fischernetze und die Schiffe am Horizont die einen Hinweis auf die Zivilisation geben, gänzlich unbelebt − er strahlt Ruhe und Einsamkeit aus. Der Verzicht auf malerische Details und die klare Art und Weise der Gestaltung − mit einer Betonung der horizontalen Linien − bewirkt, dass eine vielleicht bei diesem Sujet zu erwartende romantische Stimmung ausbleibt. Vielmehr scheint Beckmann in einer nüchternen Momentaufnahme die Schönheit des weiten und scheinbar endlosen Meeres zeigen zu wollen. Trotz der Abwesenheit der für die Leinwände Beckmanns typischen Symbolik, der Figuren und der Bezüge auf die Mythologie besitzt auch die vorliegende Arbeit eine über die reine Schönheit hinausgehende biographische Bedeutung.
Drei Jahre vor der Entstehung der vorliegenden Arbeit ergreifen die Nationalsozialisten 1933 die Macht. Dies bedeutet auch für Beckmann einen schwerwiegenden Einschnitt. Seine Werke werden als entartet gebrandmarkt und man entzieht ihm die Professur an der Frankfurter Städelschule. Zunächst versucht der Künstler so unbeeinträchtigt wie möglich weiterzuarbeiten und flüchtet sich in die anonyme Großstadt Berlin. Regelmäßig reist Beckmann in den Jahren von 1933 bis 1937 an die niederländische Nordseeküste. Als der Künstler im Jahr 1937 die Eröffnungsrede Hitlers zur Ausstellung „Entartete Kunst“ im Münchner Haus der Kunst hört, hält ihn nichts mehr – nur einen Tag später geht er mit seiner Frau Mathilde ins Amsterdamer Exil, wo eine Schwester seiner Frau lebt. Die Jahre bis zum Ende des Krieges und auch die Zeit nach dem Krieg sind von starker Entbehrung geprägt. Beckmann wird von seinem Händler Curt Valentin sowie Sammlern und Freunden unterstützt, die bereits zu Kriegszeiten in die USA emigriert sind. Auch Beckmann entschließt sich, Visa für die USA zu beantragen und emigriert 1947 gemeinsam mit seiner Frau nach New York, wo er 1950 stirbt ohne je wieder nach Deutschland zurückgekehrt zu sein.
Führt man sich die dramatischen politischen Verhältnisse und die äußerst unsichere Situation Beckmanns im Jahr 1936 vor Augen und weiß man um die Tatsache, dass Beckmann sich im selben Jahr in Paris mit dem dort lebenden Emigranten Stephan Lackner traf, um über die Möglichkeit einer Emigration in die USA zu sprechen, so betrachtet man die recht idyllische Darstellung eines niederländischen Küstenabschnitts schnell mit anderen Augen. Die Darstellung vermag vielmehr die Einsamkeit Beckmanns und die Sehnsucht nach Freiheit und Sicherheit zu offenbaren, die er auf der anderen Seite des dargestellten Ozeans in den USA bereits 1936 vermutet zu haben
scheint.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com