Overview Ernst Wilhelm Nay, Purpurklang, 1962
Purpurklang
Öl auf Leinwand ; 1962 ; 162 x 130 cm
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Der 1902 in Berlin geborene Ernst Wilhelm Nay erarbeitet im Jahr seines 60. Geburtstages unser großformatiges durch intensive Leuchtkraft gekennzeichnetes Ölgemälde. Dargestellt ist eine Vielzahl unterschiedlicher kreisförmiger Motive – Nays so genannte Scheiben. Wie der Titel bereits andeutet, bestimmt ein kräftiges, durchdringendes Purpur den Farbklang unseres Gemäldes. In diagonaler Verteilung von links unten nach rechts oben tritt das Purpur in einigen Scheiben in Erscheinung oder schimmert eindringlich durch andere Farben hindurch. Neben dem Purpur drängen sich weitere Scheibenformen u.a. aus Königsblau, Sonnengelb und einem grünlich schimmernden Weiß dynamisch zusammen. Der Künstler legt verschiedene Farbschichten übereinander und erzeugt dadurch eine dichte, vielfarbige Komposition, die verschiedene Ebenen besitzt, auf denen die Farben hervor- und zurücktreten.

Über den Entstehungsprozess eines künstlerischen Werkes äußert sich Nay 1961, ein Jahr vor der Entstehung unseres Ölgemäldes, wie folgt: „Ein Bild malen? Tagelang, wochenlang geht der Mensch mit dem Pflug über den Acker, über die Äcker, und arbeitet schwer und läßt sein ganzes Werkzeug ebenfalls schwer arbeiten. Vielleicht bückt er sich einmal – an nichts denkend – hebt irgendetwas vom Erdboden auf und plötzlich sieht er, daß er etwas von sich selbst, was er aber noch nie besessen, gefunden hat, legt’s beiseite und ackert wieder weiter. Zuweilen wirft er verzweifelt sein Werkzeug weg und sitzt stumm und sinnlos da. Jenes gefundene und beiseite gelegte von ihm Selbst könnte ein Bild sein.“1).

„Purpurklang“ zählt zu den wohl schönsten und dichtesten Werken der Gruppe der Scheibenbilder, die den kunsthistorischen Höhepunkt in Nay's Werk beschreiben. Zugleich deutet es in der Offenheit seiner Formen und dem „Durchstreichen“2) der Scheiben bereits den Übergang zu der Werkphase der Augenbilder an. Charakteristisch für den Künstler ist grundsätzlich das Arbeiten in Serien. Während er die ersten zwanzig Jahre primär figürliche Werke schafft – hierzu sind auch die Lofoten-Bilder zu zählen –, beginnt Nays Bildsprache schon bei den Hekate-Bildern immer abstrakter zu werden. Mit den Rhythmischen Bildern, die von 1952 bis 1953 entstehen, wendet er sich dann endgültig der reinen Abstraktion zu. Bei den Rhythmischen Bildern legen manche Titel nahe, dass die Musikalität in diesen Werken eine Bedeutung besitzt. Elisabeth Nay-Scheibler, die Gattin des Künstlers, verweist auf die direkte musikalische Anregung, die Nay durch den Besuch „bedeutender Konzerte neuer Musik“3) erhält.

Anmerkungen:

1) Ernst Wilhelm Nay, Köln, 24.10.1961, zitiert nach „Ernst Wilhelm Nay 1902-1968“, Galerie Orangerie-Reinz Köln, Köln 1981, o.S.
2) Magdalene Claesges, „Das Elementare Bild. Zur Genese und Charakte- ristik des Spätwerks von Nay“, in: „Nay – Variationen. Retrospektive zum 100. Geburtstag“, Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München und Kunstmuseum Bonn, Köln 2002, S. 26.
3) Elisabeth Nay-Scheibler, „Rhythmische Bilder 1952-1953“, in: „Ernst Wilhelm Nay. Werkverzeichnis der Ölgemälde“, Bd. 2, Köln 1990, S. 6.
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