Overview Sam Francis, Red and Blue – Homage to Jensen, 1959
Red and Blue – Homage to Jensen
Gouache auf Papier ; 1959 ; 35 x 43 cm
Provenienz:
Atelier des Künstlers
Harriet Mnuchin Weiner, New York, USA
Clabir Corporation, Greenwich, USA
Privatsammlung Hessen
Im Jahr 1959 hält sich Sam Francis, sein Geburtsname lautet eigentlich Samuel Lewis Francis, nach einem längeren Aufenthalt in Paris und einer Weltreise größtenteils in New York auf. Hier quartiert er sich im Hotel Chelsea ein und widmet einen großen Teil seiner Zeit dem großformatigen, 2,44 x 11,79 Meter messenden Wandgemälde für den Speise- und Aufenthaltsbereich der Direktoren der Chase Manhattan Bank.1) Im gleichen Jahr ist auch unsere Gouache auf Papier entstanden. Neben den beiden im Titel des Werkes angeführten Farben Rot und Blau wird die Arbeit von einem leuchtenden Gelb dominiert. Damit konzentriert sich Francis in seiner Komposition vorwiegend auf die drei Primärfarben, aus denen alle weiteren Couleurs gemischt werden können. Die Verwendung dieser leuchtintensiven, reinen Farben gibt möglicherweise auch einen Hinweis auf die Person, der Francis seine Gouache widmet: Alfred Jensen. Dieser ist seit 1955 mit Francis befreundet, ebenfalls Maler und beschäftigt sich intensiv mit Goethes Farbenlehre. Charakteristisch für viele seiner Werke ist die Verwendung der Primärfarben und der schachbrettartige Aufbau der Komposition. In seiner Hommage an Jensen orientiert sich Francis trotz aller Spontaneität stärker an geometrischen Formen und dem kompositorischen Halt dieser. Es treten annähernd rechte Winkel auf, dennoch wirkt die Arbeit sehr dynamisch. Unsere Gouache ist gekennzeichnet von dem Zusammenspiel leuchtender, teilweise großzügiger Farbflächen und dem lebendigen Spiel kleiner und kleinster Farbspritzer derselben Farben, die sich wie ein feines unregelmäßiges Netz über die Oberfläche ziehen. Im Zentrum der Komposition befinden sich einige tiefschwarze Farbflächen, die das Verbindungsglied zwischen zwei blauen Bereichen bilden. Wesentlich sind zudem die Freiflächen zwischen den verschiedenen Farbzonen, die der Arbeit eine große Leichtigkeit verleihen.
Während Francis in seiner Pariser Zeit noch von vorwiegend monochromen Bildern zu flächendeckenden, mehrfarbigen Kompositionen übergegangen war, beginnt er seit ca. 1956 zunehmend auch Freiflächen im Werk einzusetzen, die den Betrachter gemäß der Lehre traditioneller asiatischer Malerei eine eigenständige Vervollständigung abfordern sollen. Francis äußert sich dazu: “The Space at the center of these paintings is reserved for you.”2) („Der Raum im Zentrum dieser Bilder ist für dich reserviert.“)
„Red and Blue“ stellt eine herausragende Arbeit des Künstlers dar, die zu einer Zeit entsteht, als er von langen Auslandsaufenthalten nach New York zurückkehrt. Das Erlebte und Erlernte breitet sich nun wie nach einem Urknall auf seinen Arbeiten aus und mündet unaufhaltsam in der so stetigen Weiterentwicklung seines Prinzips des „action painting“. Sein Werk zählt zu den herausragenden Errungenschaften des Abstrakten Expressionismus.

Anm.:
1) Vgl. „Sam Francis, Eine Retrospektive, 40 Years of Friendship, Werke 1945-1990“, Ausst.-Kat. Galerie Kornfeld, Bern 1991, S. 14.
2) Aus dem Video ‚Sam Francis’ von 1984, verteilt durch Michael Blackwood, New York, zit. nach Annabelle Birnie, „introduction“, in: „Sam Francis“, Ausst.-Kat. Gallery Delvaive, Amsterdam o. J., S. 4.
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