Neuerwerbungen Herbst 2009
01. November 2009 bis 24. April 2010
Emil Nolde
«Marschlandschaft mit Mühle»
Aquarell auf Japan ; um 1920/1925 ; 35 x 47 cm
Signiert
Emil Noldes Leben ist auf das Engste mit der Landschaft im heutigen deutsch-dänischen Grenzgebiet verbunden. Geboren im kleinen Örtchen Nolde, prägt sie ihn schon in den frühen Kindheitstagen. 1916 zieht Nolde mit seiner Frau Ada nach Utenwarf an der Westküste nahe Tondern und einige Jahre später erwirbt das Ehepaar ein Grundstück in Seebüll, wo Nolde 1927 sein selbst entworfenes Wohnhaus errichtet, das bis zu ihrem Tode den Lebensmittelpunkt bilden soll. Tief bewegt von den flachen Marschen und den eindrucksvollen Himmelsformationen der unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten entstehen Aquarelle von äußerst starker Intensität. Dazu trägt auch Noldes technische Perfektion in der Aquarell-Malerei bei. Der Künstler erinnert sich selbst: „Von der intimen, aber etwas kleinlich tiftelnden Art meiner frühesten Aquarelle arbeitete ich in unendlichem Mühen mich durch zu der freieren, breiteren und flüssigen Darstellung, die ein besonderes, gründliches Verstehen und Eingehen auf Struktur und Art der Papiere und die Möglichkeiten der Farben erfordert, aber vor allem wohl durch die Fähigkeit der sinnlichen Einstellung des Auges.“1) Dieses konsequente Streben führt zu einer Meisterschaft im Aquarell, die in der Klassischen Moderne ihresgleichen sucht. Dies zeigt der Künstler auch in unserer querformatigen Arbeit: Der Betrachter hat teil an dem einzigartigen Moment, in dem die abendliche warm-rote Sonne bereits hinter dem niedrigen Horizont versunken ist, jedoch ihre glühenden Strahlen noch in leuchtenden Streifen durch die dichten Wolkenformationen aus verschiedenen Blau-Nuancen dringen. Der restliche Himmel kündigt bereits die bevorstehende Nacht an: Das helle Königsblau der Bildmitte wird von einem beinahe schwarzen Indigoblau überlagert, dass ins Bild drängt. Auf der tiefen Horizontlinie thront wie ein dunkler Schatten im Abendrot die nur mit wenigen reduzierten Pinselstrichen hingesetzte Silhouette einer Mühle, die ein charakteristisches Kennzeichen vieler Marschlandschaften von Nolde ist. Unterhalb der Mühle erstreckt sich das flache Marschland in weichem Moosgrün. Doch gibt der Künstler eben nicht einfach nur einen atmosphärischen Moment wieder, sondern er erlaubt uns durch die Landschaft auch einen Blick in seine Seele. Martin Urban, langjähriger Leiter der Stiftung Ada und Emil Nolde und ausgezeichneter Kenner des Œuvres von Emil Nolde legt äußerst überzeugend dar, dass Noldes Landschaftsbilder „[…] wahre ‚Seelenlandschaften’, freier und unmittelbarer Ausdruck des künstlerischen und menschlichen Erlebens“2) seien. Das rein Subjektive, das Emotionale ist wesentlich für die Entstehung seiner Aquarelle. Nolde lässt eine befreite Aquarellmalerei zu, die seine persönlichen Empfindungen für die Natur zum Ausdruck bringt.
Obwohl Nolde als einer der großen Einzelgänger des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird, ist er mit seinem künstlerischen Wollen nicht allein: Viele seiner Zeitgenossen, gerade die Künstler der Brücke in Berlin – in die er kurzzeitig sogar als Mitglied (1906/07) eintritt – oder des Blauen Reiters in München streben ebenso nach seelischem Ausdruck in der Kunst durch Reduktion und Vereinfachung der Motive, Unterordnung der perspektivischen Korrektheit zugunsten einer eher zweidimensionalen Flächigkeit sowie ausdrucksstarker, leuchtender Farben. Sie haben die Sehgewohnheiten der Menschen – trotz der Diffamierung durch die Nationalsozialisten – nachhaltig verändert und geprägt.
Anmerkungen.:
1) Emil Nolde, „Mein Leben“, Köln 2008, S. 366f
2) Martin Urban, „Emil Nolde – Landschaften“, Köln 1980, S. 7.
Obwohl Nolde als einer der großen Einzelgänger des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird, ist er mit seinem künstlerischen Wollen nicht allein: Viele seiner Zeitgenossen, gerade die Künstler der Brücke in Berlin – in die er kurzzeitig sogar als Mitglied (1906/07) eintritt – oder des Blauen Reiters in München streben ebenso nach seelischem Ausdruck in der Kunst durch Reduktion und Vereinfachung der Motive, Unterordnung der perspektivischen Korrektheit zugunsten einer eher zweidimensionalen Flächigkeit sowie ausdrucksstarker, leuchtender Farben. Sie haben die Sehgewohnheiten der Menschen – trotz der Diffamierung durch die Nationalsozialisten – nachhaltig verändert und geprägt.
Anmerkungen.:
1) Emil Nolde, „Mein Leben“, Köln 2008, S. 366f
2) Martin Urban, „Emil Nolde – Landschaften“, Köln 1980, S. 7.
Ausführliche Informationen zum Download: Werkangaben als PDF
Mehr Informationen erhalten Sie unter: mail@ludorff.com