Neuerwerbungen Herbst 2009
01. November 2009 bis 24. April 2010
Klaus Fußmann
«Weizenfeld bei Falshöft»
Öl auf Leinwand ; 2008 ; 25 x 24 cm
Signiert Rückseitig nochmals signiert und datiert
Das Werk des 1938 in Velbert geborenen Malers Klaus Fußmann ist stets in Veränderung und Wandlung begriffen. So erarbeitet er sich nach und nach sämtliche Gattungen des klassisch zu nennenden Themenrepertoires: Portraits, Landschaften, Blumen, Interieurs und Stillleben. Beginnend mit Stillleben und den Interieurs seines Ateliers drängt es den Künstler in den 1970er Jahren immer stärker nach außen. Er malt Interieurs verlassener Wohnungen in Berlin und interessiert sich immer stärker auch für die Darstellung der Landschaft. Zunächst malt er noch Mülldeponien und schlichte Ausblicke aus seinem Atelier in Berlin. Auf Empfehlung von Freunden hält der Künstler sich jedoch schon ab 1972 über den Sommer regelmäßig an der Flensburger Förde in Schleswig-Holstein auf, wo er bald ein Haus erwirbt und ein Atelierhaus baut. Erst dort scheint der Maler den Zugang zur Landschaftsmalerei zu finden. 1972 erhält er den Preis der Villa Romana und verbringt neun Monate in Italien. Es folgen weitere Auslandsreisen, die Fußmann 1976 nach Norwegen, 1978 nach Nordamerika, 1980 und 1984 nach Island und 1987 nach Indien führen. Stets hält er seine Eindrücke in Aquarell auf Papier fest. Ab 1978 wählt Fußmann Gelting zu seinem Sommerwohnsitz und wird innerhalb weniger Monate zum noch passionierteren Landschaftsmaler: „Der Gegensatz konnte kaum größer sein als die Wendung von den Interieurs weg hin zur Landschaft und zu ihren elementaren Erscheinungsformen: dort das Artifizielle schlechthin, hier die Welt abseits des Artifiziellen.“1) Bis in die 1990er Jahre sind die meisten seiner Landschaften jedoch keine reinen Landschaftsbilder. Mythologische Figuren, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte werden miteinbezogen und scheinen sich des eigentlichen Interesses des Malers zu erfreuen. Erst ab Mitte der 1990er Jahre konzentriert sich Fußmann dann auf die reine Landschaftsdarstellung. Zunächst malt er noch in Pastell und Aquarell in kleinen Formaten direkt vor Ort, später aus der Erinnerung in immer pastoser werdendem Farbauftrag auch in Öl.
Im vorliegenden Gemälde hält Klaus Fußmann die ursprüngliche Umgebung seines Wohnsitzes an der Ostsee, das Dorf Falshöft, gelegen zwischen Kappeln und Flensburg, mit seinen satten Sommerweizenfeldern fest. Mit zügigem Pinselstrich setzt Fußmann die Farbe auf die Leinwand. Hinter dem leuchtend gelben Weizenfeld schimmern die roten Dächer des Dorfes dem Betrachter entgegen. Reine Farben sind im Repertoire des Künstlers nicht zu finden. Seine Bilder leben aus Modulationen von Tönen, die gebrochen sind. Die Farben greifen in- und übereinander, heben sich reliefartig aus der Bildfläche heraus und entwickeln Farbräume, die den Betrachter in seinen Bann ziehen. Immer sind auch die Spuren zu sehen, auf denen sich der schwere Pinsel seinen Weg durch die Materie gebahnt hat.
Fußmann entwickelt hier eine Abstraktion, die in der Formensprache auf das Wesentliche reduziert und die Bildfläche malerisch auflöst. Hierfür bedarf es einer großen Kenntnis und eines immensen Erfahrungsschatzes nicht nur über die darzustellende Landschaft sondern auch über die Landschaftsmalerei an sich. Durch den Einsatz all jener Erfahrung und der großen Leidenschaft des Künstlers wird unser Gemälde zu einem großartigen Zeugnis der Zuneigung des Künstlers zu seiner Wahlheimat: „Nur im Norden, an der Ostsee in Schleswig-Holstein, geht die Zeit lang hin, über Tage und Wochen. […] Das Land ist hier flach und der Himmel weit offen. […] Im hellen und schräg einfallenden Licht des Nordens erinnert nichts mehr an die lauschigen Täler des Bergischen Landes. Stillstand der Zeit herrscht hier. Arbeit ohne Zwang. Kontakt ohne Termindruck. […] Erst die Entfernung vom Treiben der Welt gibt uns jene Distanz, die eine radikale Schlussfolgerung möglich macht.“2)
Anmerkungen.:
1) Heinz Spielmann, „Anstöße zur Malerei“ zit. in: Tayfun Belgin, „Zeitsprünge - Klaus Fußmann“, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund 2003, S. 15.
2) Klaus Fußmann zit. in: „Klaus Fußmann – Landschaften“, Ausst.-Kat. Bundeskanzleramt 1996, Göttingen 1996, S. 6.
Im vorliegenden Gemälde hält Klaus Fußmann die ursprüngliche Umgebung seines Wohnsitzes an der Ostsee, das Dorf Falshöft, gelegen zwischen Kappeln und Flensburg, mit seinen satten Sommerweizenfeldern fest. Mit zügigem Pinselstrich setzt Fußmann die Farbe auf die Leinwand. Hinter dem leuchtend gelben Weizenfeld schimmern die roten Dächer des Dorfes dem Betrachter entgegen. Reine Farben sind im Repertoire des Künstlers nicht zu finden. Seine Bilder leben aus Modulationen von Tönen, die gebrochen sind. Die Farben greifen in- und übereinander, heben sich reliefartig aus der Bildfläche heraus und entwickeln Farbräume, die den Betrachter in seinen Bann ziehen. Immer sind auch die Spuren zu sehen, auf denen sich der schwere Pinsel seinen Weg durch die Materie gebahnt hat.
Fußmann entwickelt hier eine Abstraktion, die in der Formensprache auf das Wesentliche reduziert und die Bildfläche malerisch auflöst. Hierfür bedarf es einer großen Kenntnis und eines immensen Erfahrungsschatzes nicht nur über die darzustellende Landschaft sondern auch über die Landschaftsmalerei an sich. Durch den Einsatz all jener Erfahrung und der großen Leidenschaft des Künstlers wird unser Gemälde zu einem großartigen Zeugnis der Zuneigung des Künstlers zu seiner Wahlheimat: „Nur im Norden, an der Ostsee in Schleswig-Holstein, geht die Zeit lang hin, über Tage und Wochen. […] Das Land ist hier flach und der Himmel weit offen. […] Im hellen und schräg einfallenden Licht des Nordens erinnert nichts mehr an die lauschigen Täler des Bergischen Landes. Stillstand der Zeit herrscht hier. Arbeit ohne Zwang. Kontakt ohne Termindruck. […] Erst die Entfernung vom Treiben der Welt gibt uns jene Distanz, die eine radikale Schlussfolgerung möglich macht.“2)
Anmerkungen.:
1) Heinz Spielmann, „Anstöße zur Malerei“ zit. in: Tayfun Belgin, „Zeitsprünge - Klaus Fußmann“, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund 2003, S. 15.
2) Klaus Fußmann zit. in: „Klaus Fußmann – Landschaften“, Ausst.-Kat. Bundeskanzleramt 1996, Göttingen 1996, S. 6.
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