
ERNST WILHELM NAY
"Zum 100. Geburtstag"
1.Februar – 30. April 2003
| |
Anlässlich des 100. Geburtstages Ernst Wilhelm Nays zeigt die Galerie Ludorff in ihren Räumen in Düsseldorf eine hochkarätige Werkauswahl aus den verschiedenen Schaffensphasen des 1968 in Köln verstorbenen Künstlers.
Ernst Wilhelm Nay wurde 1902 in Berlin geboren. Nach dem Abitur beginnt er mit einer Buchhandelslehre, die er jedoch 1922 abbricht. Zu jenem Zeitpunkt entstehen seine ersten Bilder und er nimmt Unterricht im Aktzeichnen an der Berliner Kunstgewerbeschule. 1925 wird Nay in die Malklasse Carl Hofers an der Hochschule der deutschen Künste aufgenommen. Es folgen Teilnahmen an Ausstellungen und er wird Meisterschüler bei Hofer. 1928 beendet Nay sein Studium. Danach bereist Nay verschiedene Länder und verbringt im Jahre 1931 neun Monate in der Villa Massimo in Rom.
Nach seiner Rückkehr nach Berlin heiratet er 1932 Helene Kirchner. 1936 hält sich Nay den Sommer über an der Ostsee auf. Hier entsteht die Rohrfederzeichnung „Fischer beim Fang“, welche die Fischer mit akzentuierten Strichen auf bewegter See zeigt. Die Fischer im Boot und die Betrachter an Land sind in abstrahierender Malweise aufeinander abgestimmt. Diese Zeichnung und andere inspirieren Nay nach dem Sommeraufenthalt in seinem Berliner Atelier großformatige Bilder zu komponieren.
Während des II. Weltkrieges werden Nays Bilder, wie bei vielen seiner Malerkollegen, im Rahmen der Aktion „entartete Kunst“ beschlagnahmt. 1940 wird Nay in den Kriegsdienst eingezogen. Dennoch hat er die Möglichkeit in einem Atelier sich seiner Malerei zu widmen.
In diesem Jahr entsteht die Gouache „Najaden“. Der Titel bezieht sich auf die griechisch-römischen Flussnymphen aus der antiken Mythologie. In roten, gelben, grünen und schwarzen Tönen verschlingen sich Schleifen und geometrische Formen dynamisch ineinander. Diese Abwendung von der gegenständlichen Malweise mündet in die „Hekate-Phase“ des Werks Ernst Wilhelm Nays.
Im Jahre seiner Übersiedlung nach Köln malt Nay 1951 mit Öl auf Leinwand das „kleine Girlandenbild“. Satte Erdtöne vermischen sich mit kräftigem Grün, Gelb und Rot zu fröhlichen Zacken und Bändern, sodass nur noch die Augen der Figur zu erkennen sind. Dieses außerordentliche Werk Nays zählt zu der nun beginnenden Schaffensphase der „Farbfugen-Bilder“.
Aus dem selben Jahr wird das querformatige Gemälde „Pelote“ in der Ausstellung gezeigt, dessen Titel sich auf das baskische Nationalballspiel bezieht. Bunte leuchtende Schleifen, Punkte und Dreiecke verknüpfen sich hier zu einer dynamischen Komposition, welche durch den dicken Farbauftrag unterstrichen wird.
1956 wird Nay die Anerkennung seines Œuvres auch international zuteil. Er nimmt an der Biennale in Venedig und an einer Ausstellung in der Londoner Tate Gallery teil. In diesem Jahr entsteht das zarte bunt gefächerte Scheibenaquarell und ein Jahr später ein weiteres, in kräftigen Farben gehaltenes Gouache-Aquarell zum Scheibenthema.
1957 arbeitet Nay in einem gemieteten Atelier in Paris und beteiligt sich an einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York. „Vom Grau begleitet“ ist der Titel des hochformatigen Ölbildes, welches ebenfalls zu der Werkphase der „Scheibenbilder“ zählt. In diesem exzellenten Scheibenbild akzentuieren warme Orange- und Gelbtöne die Gesamtkomposition und wechseln sich mit dunklen Formen ab, die sich zu einem rhythmisch-geordneten Körper aufbauen.
Am Ende seiner Reihe der „Scheibenbilder“ malt Nay das große Hochformat „Ypsilon“. Dieses beeindruckende Bild mit musealem Charakter bringt die Wandlung der Gestaltungsweise Nays zum Ausdruck, welche ab 1958 nicht mehr den Farbklang in den Mittelpunkt des Interesses rückt, sondern die Erkundung der Farbgestalt.
Weitere fünf Werke aus den 40er Jahren, die nicht im Katalog abgebildet sind, können in den Galerieräumen besichtigt werden. Der Katalog kann auf Anfrage für 15,-- EUR erworben werden. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag von 10h bis 18h und Samstag von 10h bis 13h.
Mit freundlichen Grüßen
Rainer M. Ludorff
| | |