
HERMANN HESSE
Aquarelle aus dem Tessin
5. Dezember 2004 bis 15. Februar 2005
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Hermann Hesse, der poetische Dilettant - Ein Beitrag von Dr. Helga Meister erschienen in der Westdeutschen Zeitung am 26.12.2004
Die Galerie Ludorff präsentiert Aquarelle und Tuschen des berühmten Dichters, in denen der Autodidakt fern aller Trends seinen Stil gefunden hat.
Hermann Hesse (1877-1962), der beliebte Dichter, ist als Maler Autodidakt. Ein Psychoanalytiker verordnete ihm die bildende Kunst als Therapie gegen seine Nervenkrise im Ersten Weltkrieg.
Die Erstlingsprodukte, so sein Verleger Volker Michels, sollen unbeholfen, ängstlich und liebevoll pedantisch gewesen sein.
Der Galerist Ludorff konzentriert sich in seinem Überblick auf Hesses zweite Lebenshälfte, die 1919 im sonnigen Tessin begann.
Seine kleinformatigen Aquarelle und Tuschen zeugen von seiner schönen Aussicht auf die Landschaft am Luganer See.
Die Themen sind nicht gewaltig und nicht weltbewegend. Hesse begnügt sich mit Sonnenblumen und Blumenkresse vor seiner Casa.
Die Blätter stehen dem 19. näher als dem 20. Jahrhundert. Eine merkwürdige Unschuld und Biederkeit, ein Hang zum Besinnlichen, aber auch zum Schmückenden wird in den ungemischten, reinen Farben deutlich.
Fast naiv blickt er auf die Welt und fängt die Motive bilderbuchartig ein.
Die expressive Besessenheit der Zeit, das Anrennen gegen Krieg und Nachkriegszeit, aber auch die magische Starrheit der neuen Sachlichkeit sucht man vergebens in seiner Kunst.
Die Wasserfarbe will nichts Verwegenes und Verbotenes, keine Ängste und keine Formauflösungen demonstrieren. Hesse geht es vielmehr um Formen der Erscheinungswelt in poetischer, märchenhafter Daseinsfreude.
Als er im dritten Reich verfemt war, hielt er sich mit dem Verkauf derlei Blätter über Wasser.
Der Text zum "Bruder Tod" wird von keinem Sensenmann illustriert, sondern von Blümchen, einem blattlosen Baum im Mittelgrund, einer ansteigenden Landschaft mit zartem Himmel und weißer Wolke, von Lieblichem also.
Wer in derlei Werken eine Reaktion auf die Zeit oder seine persönliche Situation sucht, wird enttäuscht.
Stattdessen finden sich lauter fotogene Postkartenmotive, Rebhänge, Blumen, Gärten, Fußwege, Uferzonen, in einer glücklichen Stimmung.
Ab 1928 werden die aquarellierten Farbflächen mit akribisch genauen Federzeichnungen umrissen und grafisch moduliert. Mit zunehmendem Alter reduziert er seine Motive zu Vignetten, mit denen er Briefe und Gedichthandschriften schmückt.
Hesse selbst sieht seine bildliche Kunst gelassener als sein Verleger: "Es bleibt bei ganz einfachen landschaftlichen Motiven, weiter scheine ich nicht zu kommen. Wie schön das andere alles ist, Lüfte und Tiere, bewegtes Leben und gar das Schönste, die Menschen, das sehe ich wohl, oft ergriffen und fast bestürzt, aber malen kann ich es nicht."
So beschreibt er 1922 seine Kunst und nennt sich auch in der Folgezeit stets einen "Dilettanten". Ihm gehe es nicht um Wahrheiten, sondern um eine "poetische Wahrheit". Vielleicht ist es bezeichnend, dass er anfangs mit seinen Bildern die Hilfspakete der Kriegsgefangenenfürsorge finanzierte und auch später damit anderen Menschen half.
Seine Fan-Gemeinde interessieren bildkünstlerische Kühnheiten nicht, seine Bücher haben weltweit Auflagen von mehr als hundert Millionen Exemplaren erreicht. Für sie ist ein Blatt von Hesse eher vergleichbar mit der Seite aus einem mittelalterlichen Gebetsbuch. Hesse selbst meinte, ihm habe das Malen bei der schwierigen Aufgabe geholfen, das Leben zu bestehen".
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