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MAX LIEBERMANN & LESSER URY
Januar bis März 2002

 

Mit Max Liebermann (1847 – 1935) und Lesser Ury (1861 - 1931) werden in dieser Ausstellung zwei Hauptvertreter des deutschen Impressionismus nebeneinander gezeigt, eine dank ihrer zahlreichen Spannungsmomente sehr reizvolle Gegenüberstellung, die bislang kaum unternommen wurde. Mit dem Blick auf diese beiden herausragenden Künstlerpersönlichkeiten zeigt sich die große Vielgestaltigkeit der deutschen Plein-Air-Malerei: Es ersteht zum einen die Kunst Liebermanns mit ihrem feinsinnig nuancierten Farbduktus und den stets auf dem Zeichnerischen basierenden Formen; auf der anderen Seite breitet Ury seine aus Farbflecken aufgebauten Großstadtvisionen, die in seinem impulsiven Wesen ihren Ursprung haben, als Lichterscheinungen vor uns aus.

Eine Kette verschiedener, teils tragischer Umstände hat dazu geführt, dass der Maler Lesser Ury bis heute einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben ist. Und dennoch ist er als Wegbereiter des deutschen Impressionismus anzusehen. Und dies zu einer Zeit als in Berlin noch der Akademismus Anton von Werners herrschte.

Als erster entdeckt Ury in den achtziger Jahren die Berliner Straßen- und Caféhausszenerie als Bildgegenstand. Besonders eindringliche Impressionen dieser aufstrebenden, flirrenden, schnellebigen Metropole gibt er zu allen Tages- und Nachtzeiten wieder. Neuartig ist hierbei neben der Motivwahl insbesondere auch seine Farb- und Lichtbehandlung. Aus Flecken Starker Farben baut der Künstler seine Bilder auf. Lichter glitzern, sprühen, funkeln; Schatten werden zunehmend farbig aufgefasst. Vor dem Betrachter breitet sich ein Gesamterlebnis von Raum und Licht aus, das Ury unmittelbar und impulsiv als Großstadtvisionen auf die Leinwand bringt. Die zum Ausdruck gebrachte Stimmung, die Auflösung der Binnenformen und die effektvolle Farbigkeit dokumentieren, dass Ury die Ergebnisse der Impressionisten bezüglich des Lichts teilweise noch vor Liebermann, der „Gruppe der XI“ und der „Berliner Secession“ aufgreift und vor allem in seinen Nachtbildern auch weiterentwickelt.

Urys farbintensive, vom Impressionismus geprägte Malweise und seine in der zeitgenössischen Literatur immer wieder als äußerst schwierig bezeichnete Persönlichkeit lassen ihn oft ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Verstärkt werden diese Widerstände noch durch seine empathischen Bewunderer, die zur Polarisierung des Urteils beitragen.

So ist denn auch sein Verhältnis zu Max Liebermann von großen Schwierigkeiten gekennzeichnet. Zunächst setzt sich Liebermann für den vierzehn Jahre jüngeren Kollegen in Form von materieller Unterstützung ein, als dieser sich 1887 endgültig in Berlin ansiedelt. Womöglich arbeitet Ury gar für Liebermann, wie aus einer Anekdote hervorgeht, die auch häufig als Anlass genommen wird, dass das freundschaftliche Verhältnis der beiden Maler in unverhohlenen Hass umschlägt. Ury erklärt gelegentlich, Liebermanns „Flachsscheuer in Laren“ durch Lichtakzente nachträglich vervollkommnet zu haben. Als Liebermann davon erfährt, soll er geäußert haben: „Det is mir egal, dass erzählt wird, meine Bilder seien von Lesser. Aber wenn Ury sagt, dass seine Bilder von mir sind, dann verklage ich ihn.“

Womöglich ist es Liebermann doch nicht gänzlich gleichgültig. Unbestritten ist jedenfalls, dass Ury, obwohl er fraglos zu den wichtigsten Berliner Malern gehört, nicht Mitglied der „Gruppe der XI“ ist und auch an den frühen Berliner Secessionen, die Liebermann führt, nicht teilnimmt. Wie groß der Anteil beider zu diesem schon von Zeitgenossen vielbesprochenen und ein Leben lang währenden Streit ist, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Das Verhältnis beider wird jedenfalls kaum dadurch verbessert, dass in der Literatur bereits sehr früh behauptet wird, Ury sei seiner Zeit vorausgeeilt und habe künstlerische Entwicklungen gegenüber Liebermann vorweggenommen. Liebermann nimmt bereits erste impressionistische Elemente in seinem Werk zu Beginn der achtziger Jahre auf, als sich Ury noch zum Studium in Paris aufhält.

Andererseits hat sich Liebermann erst seit Mitte der neunziger Jahre stärker mit den Problemen des Lichteinfalls und seiner Wirkungen auseinandergesetzt, eine Entdeckung, die Ury für sich schon früher gemacht hat.

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