Ein Text des Kunsthistorikers Friedrich W. Kasten:
Die Bildwerke eines Künstlers sind das Scharnier zu seinem Publikum. Aus dem intimsten Moment des Schaffens entlassen
und der schützenden Ateliersituation enthoben, stehen sie als Angebot zur Wahrnehmung im öffentlichen Raum. Das Bild wird
zur Botschaft. Keine neue These, aber immer wieder richtig. Die Bildfindungen, die wir von Stefan Szczesny zu sehen bekommen
sind farbenfroh, expressiv im Duktus und unverwechselbar in der künstlerischen Handschrift. Die dargestellten Motive sind
ein aus der Biographie des Künstlers gewachsener Kanon von Zeichen und Chiffren, gesehen, durch eine von der mitteleuropäischen
Kultur geprägten Brille auf die Bildkulturen unserer Welt.
Es ist deer subjektive Blick des Künstlers, der objektiv seine Motive wählt. Stefan Szczesny ist in seiner Kunst
immer offen für neue EIndrücke. Er versteht es, aus dem Allgemeinen der ihn umgebenden Vielfalt an visuellen
Eindrücken das Besondere herauszufiltern, um es dann in einer bildwürdigen Komposition neu entstehen zu lassen.
Jedes Bild ist dabei eine ästhetische und formale Legierung aus dem aktuell Gesehenen und einer über die Jahre
an Bilderfahrung gesammelten Eindrücken. Die Vorgehensweise gleicht einem Dialog mit sich selbst und dem Bild im Bild.
In den Kompositionen von Stefan Szczesny gibt es keine Trennung der Sujets Landschaft, Portrait, Akt und Stilleben verschmelzen
in Schichtungen, in miteinander ästhetisch und formal korrespondierenden Bildebenen. Die optisch-motivischen Verflechtungen
im Bild gleichen Ton und Echo, Hall und Widerhall. Das dialogische Prinzip lässt dabei genug Spielraum für das Experiment,
für MIschtechniken, für Collagen und für Momente des gesteuerten Zufalls.
Das Unwägbare im Bild zu bändigen und es einer Vision vom Bild mit malerischen Mitteln einzuverleiben, dazu bedarf
es bildnerischer Souveränität, die aus seiner umfänglichen malerischen Erfahrung und einer neugierigen, sensiblen
Offenheit für das Unerwartete erwächst. Die Geste des Malens und Zeichnens bleibt in den Arbeiten von Stefan Szczesny
stets eine offene, nachvollziehbare Gebärde. Es ist der für den Betrachter sichtbar gewordene, fruchtbare Moment, an
dem man teilhaben kann. Seine BIlder öffnen die Tür zu einem Zwischenreich von Gegenständlichkeit und Abstraktion, von Abbild und Sinnbild.
Mit seinen Bildern malt Stefan Szczesny gegen die blutleere Kopflastigkeit und den Pessimismus unserer Zeit. Seine Arbeiten sind
atmosphärisch, vital, heiter und spiegeln eine unverkrampfte Lebensfreude. Jedes Bild ist, bei aller Dynamik, ein in
sich geschlossener Kosmos, ein Fluchtpunkt für die Augen und damit auch ein Moment der Ruhe und der Möglichkeit zur
Kontemplation in einer schnellebigen Zeit. Stefan Szczesny versteht es wie kein anderer das Flair seiner Sujets im Bild
einzufangen, es quasi für den Betrachter zu konservieren. Ob er sich in Südfrankreich oder in der Karibik aufhält,
die Wahl der Motive und die Gestimmtheit seiner Kompositionen atmet den Geist des jeweiligen Aufenthaltsortes. Das lebensbejahend
Optimistische, sein künstlerisches Eintreten für Schönheit, für Unversehrtheit und Respekt der Schöpfung
gegenüber, ist für ihn treibende Kraft und MOtivation. Auch dafür stehen seine Bilder, jenseits aller dekorativen Tendenzen.
Stefan Szczesnys Kunst ist mehr als nur Ausdruck und spontane Geste. Als Künstler verkörpert er mehr als nur das eigene Ich.
Es ist eine Haltung zu unserer Zeit. Seine Qualität erweist sich dort, wo er mit seinen Aktivitäten Gültigkeit erfährt
und spezifisch künstlerische Aussagen erreicht, die in das Leben der Menschen hineinwirken.