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TEFAF ONLINE

1.-4. November 2020

Video der TEFAF

Die TEFAF New York findet vom 1. bis 4.11. als reine Onlinepräsentation statt. Jeder der Aussteller zeigt dort nur ein einziges aber sehr hochkarätiges Meisterwerk aus dem jeweiligen Sammelgebiet. Alle Werke wurden durch eine internationale Jury geprüft.

Wir haben uns für das Werk 'Die Ordnung der Engel' von Anselm Kiefer entschieden, das eine Brücke von der Zeitgenössischen Kunst hin zur Kunst und der Religion des Mittelalters schlägt und auf spannende Weise eine Auseinandersetzung mit der Entstehung von Kunst- und Menschheitsgeschichte ermöglicht.

Die Ordnung der Engel ist beispielhaft für das Interesse Anselm Kiefers an Mythologie und Geschichte, aber nicht nur an der jüngeren Deutschen Geschichte, sondern auch an der Geschichte der Weltreligionen und am Werdegang des Menschen in den zurückliegenden Jahrhunderten. Das Werk bezieht sich sehr explizit auf den gleichlautenden Text des Pseudo-Dionysius Areopagita, einem griechischen Gelehrten, dessen Identität bis heute nicht bekannt ist, dessen Schriften aus dem 6. Jahrhundert aber für die weitere Entwicklung der christlichen und auch der orthodoxen Kirche Bedeutung hatten. Kiefer setzt in seinem Werk die Vorstellung einer Rangfolge zwischen den Engeln um, die nach der Vorstellung des Autors zwischen Himmel und Erde vermitteln und Gott dienen, ihn aber auch schützen. Kiefer ist fasziniert davon, wie sich Menschen bereits damals ein Bild von der Welt und den Zusammenhängen zwischen Natur und Mensch, zwischen dem Glauben an Gott und den Ereignissen auf der Welt gemacht haben. Er beschäftigt sich in seinem Œuvre mit dem menschlichen Bedürfnis, das kaum Erklärbare zu verstehen und auch das Übersinnliche zu ergründen.

Mit ganz einfachen, weltlichen Materialien veranschaulicht Kiefer die spirituelle Suche des Menschen auf dieser Erde. Im unteren Bildbereich bringt er Ton auf, der unter Hitze aufgeplatzt ist und die Vergänglichkeit der Erde und seiner Bewohner zum Ausdruck bringt. Die Engel stellt er nicht selbst dar, um jegliche Verniedlichung zu vermeiden. Er verwendet einfache Leibchen und Kleider aus weißem Leinen, die Farbspuren tragen und trotz aller Leichtigkeit vom Kontakt zur Erde und den Menschen künden. Der Nachthimmel ist mit Asche verdunkelt. Durch die Verwendung zarter Rosttöne und weißer Kreide, mit der er den Titel wie auch die Rangordnungsnummern der Engel in den Himmel schreibt, erzeugt er eine harmonische, wenn nicht gar festliche Stimmung.

Es ist die Qualität Kiefers, dass es keine klar ableitbare Aussage gibt. Vielmehr versetzt er den Betrachter in die Rolle des Suchenden. Wir fragen uns, was das Werk und sein Titel, aber auch die einzelnen Elemente bedeuten könnten und in diesem Moment sind wir dem spirituell suchenden Gelehrten von damals sehr nah. Wir fragen uns, wie das Werk entstanden ist und was es bedeuten könnte und sind ganz unverzüglich dort, wo der Künstler jeden Betrachter hintransportieren möchte. Er möchte uns zum Schauen und Nachdenken bringen und uns vielleicht vermitteln, dass die grundsätzlichen, menschlichen Bedürfnisse auch nach fast 1500 Jahren wissenschaftlichem Fortschrittes dieselben geblieben sind. Womöglich sollten wir uns dem Geistigen, dem Spirituellen und dem Übersinnlichen wieder mehr hingeben?

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