Anselm Kiefer

Die Ordnung der Engel
2007

Anselm Kiefer, Die Ordnung der Engel

Farbe, Ton, Asche, Kreide, Eisen, Baumwolle und Leinenkleider auf Holz

285,1 × 140,3 cm

Betitelt

Provenienz

White Cube, London; Privatsammlung Berlin; Privatsammlung; Privatsammlung Hamburg

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2019", Düsseldorf 2019
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2019", Kat. 170, Düsseldorf 2019, S. 53

Als Schüler von Horst Antes und Joseph Beuys absolviert Anselm Kiefer 1969-1972 sein Kunststudium in Düsseldorf. Ähnlich wie Beuys präferiert er scheinbar wertlose Materialien – vornehmlich Blei, Draht, Stroh, Gips, Schlamm, Samen, Sonnenblumen, Asche und Staub –

welche er in seinen monumentalen Bildern als auch in seinen Installationen und Skulpturen auf unterschiedliche Weise zum Vorschein bringt.

Anselm Kiefer, befasst sich in seinem OEuvre mit der deutschen Geschichte, insbesondere mit der Vergangenheitsbewältigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Kiefer wurde 1945 im selben Jahr des Kriegsendes geboren. Auch sein Interesse an Mystik, Symbolismus, Mythologie und Religion begann früh auf seiner Reise als Künstler. Kiefer zählt zu den Erneuerern der Historienmalerei, wobei er sich an überlieferten Mythen und Büchern als Inspirationsquelle zur Weltanschauung bedient. Als Künstler des Gegenständlichen sucht und findet er in eben Jenen Motive für die Darstellung des Unbegreiflichen und Nicht-Darstellbaren. Auch literarische Einflüsse, beispielsweise von Paul Celan oder Ingeborg Bachmann spiegeln sich in seinen Werken wider. In seinem späteren Werk konzentriert er sich auf eine Erweiterung des Mythenkreises; jüdisch-christliche, ägyptische und orientalische Kulturen sowie auf Kosmogonien.

In der vorliegenden Arbeit »Die Ordnung der Engel« (2007) lädt Kiefer den Betrachter zu einer spirituellen Reise ein. Der Titel bezieht sich auf Schriften von Pseudo-Dionysius Areopagite aus der Zeit um 650 - 725 v. Chr. In den Texten wird auf eine »himmlische Hierarchie«

verwiesen, die Engel, welche zwischen Himmel und Erde pflichtbewusst agieren und Gott schützen, in »Orden« und »Chöre« einordnet. Interessanterweise findet sich dieser Text sowohl in der frühen jüdischen als auch in der christlichen Tradition.

Auf seinem 2,85 x 1,40 m Großformat ist ein bleigrauer Hintergrund, worauf fliegende Kleidungsstücke an Haken appliziert wurden, zu erkennen. Kiefer arbeitet in düster-gedeckten Braun- und Grautönen. Die schwebenden nummerierten Leinenkleider, die gleichzeitig an engelhafte Formen erinnern, scheinen zunächst nach einem katastrophalen Ereignis aus der verbrannten Erde zu fliehen. Die beiden Formen links sind jedoch nach unten gerichtet, entweder stürzen sie herunter oder kehren absichtlich auf die Erdoberfläche zurück.

Man ist sich nicht sicher, ob die zerstörte Himmelskugel sich auf ein biblisches Ereignis bezieht, wie der Fall des Menschen (Erbsünde) oder ein vom Krieg zerrissenes Schlachtfeld. Trotz der unheilvollen zerrissenen Landschaft ist die Komposition insgesamt unbestreitbar schön. Die Anwesenheit dieser »Engel« gibt dem Betrachter ein Gefühl der Hoffnung und Befreiung, was darauf hindeutet, dass eine Erneuerung nach einer Tragödie immer möglich ist.

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