Fritz Winter

Kälte dringt ein
1949

Fritz Winter, Kälte dringt ein
© VG Bild-Kunst, Bonn

Mischtechnik auf Papier

50 × 70 cm

Signiert und datiert sowie rückseitig betitelt und "KG" sowie "F.W.H. 213" bezeichnet

Provenienz

Galerie Zimmer, Düsseldorf (1977); Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Galerie Zimmer, "Fritz Winter - Ölbilder von 1928 - 1960", Düsseldorf 1977
Literatur
  • Elke u. Werner Zimmer, "Aktion und Farbe. 30 Jahre Galerie-Programm", Galerie Zimmer, Norderstedt 2012, S. 31 u. 33

Der 1905 in Altenbögge geborene Fritz Winter zählt zu den bekanntesten Vertretern der abstrakten Kunst und war maßgeblich mitverantwortlich für die Etablierung des abstrakten Kunstbegriffs im Nachkriegsdeutschland ab 1949. Winter hatte im Jahr 1919 eine Bergarbeiterlehre begonnen und arbeitete als Grubenelektriker in Ahlen. Auf Empfehlung einer seiner Lehrer bewarb er sich später dann am Staatlichen Bauhaus zu Dessau, wo er im Jahr 1927 aufgenommen wurde. Dort studierte er unter anderem bei Oskar Schlemmer, Paul Klee, Josef Albers und Wassily Kandinsky. In seinen abstrakten Kompositionen manifestieren sich sowohl Winters Naturerfahrungen und sein Weltverständnis, als auch die konstruktiven Tendenzen seiner avantgardistischen Bauhauslehrer.

Nachdem Winter im Jahre 1939 eingezogen wurde, geriet er 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1949 zurückkehrte. Im selben Jahr gründete er mit Rupprecht Geiger, Willi Baumeister und anderen die Künstlergruppe »ZEN 49«, nach deren Auffassung die malerische Praxis als Meditation im Sinne des japanischen Zen-Buddhismus zu verstehen sei. Seine in Gefangenschaft gewonnenen Eindrücke verarbeitete er in einer Serie von Bildern, welche die Wirkung der Landschaft Sibiriens auf ihn erfahrbar machen. So zum Beispiel in unserem Werk »Kälte dringt ein« von 1949: auf einem Untergrund aus sich überlagernden, rötlichen-braunen Erdtönen sind unregelmäßige Kreis- und Oval-Formen dargestellt. Diese sind in ihrer Komposition zueinander austariert und verleihen dem Werk eine vereinnahmende Statik. Durch das strahlende Weiß und dessen Oberflächenstruktur, welche die darunter liegende Farbschicht erahnen lässt, erweckt Winter die Assoziation einer Fläche frisch gefallenen Schnees. Dieser Eindruck wird noch gesteigert durch eine schwarze Sichelform, welche die weiße Fläche zerteilt und somit den Einfluss schneidender Kälte suggeriert.

Über Fritz Winter

Fritz Winter zählte schon zu Lebzeiten zu den bedeutendsten Nachkriegskünstlern Deutschlands. Er entwickelte eine eigenständige, abstrakte Formensprache, die in klassisch ausgewogenen Bildkompositionen stets einen übergeordneten Bezug zur Natur offenbart.

Weitere Werke