Gerhard Richter

13.11.85
1985

Gerhard Richter, 13.11.85
© Gerhard Richter

Wasserfarbe und Öl auf Papier

29,6 × 41,8 cm

Signiert und datiert

Provenienz

Evelyn Amis Gallery, Toronto; Aschenbach Galerie, Amsterdam; Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen
  • Museum Overholland, "Gerhard Richter, Werken op papier 1983–1986", Amsterdam 1987
Literatur
  • Christiaan Braun (Hg), "Gerhard Richter, Werken op papier 1983–1986", Ausst.-Kat., Museum Overholland, Amsterdam, München 1987, S. 63

In Abständen von mehreren Jahren entstehen im Werk von Gerhard Richter neben Malerei auch Zeichnungen und Aquarelle. In den 1960ern sind noch figurative Zeichnungen bekannt. Ab 1977 malt er vereinzelt, abstrakte Aquarelle – eine Technik, die er 1985 wieder aufgreift und zu einer beachtlichen Reife führt. In den Jahren 1984 und 1985 entstehen etwa 110 sehr farbstarke Aquarelle, in denen Richter sein Prinzip des Suchens nach abstrakten Bildwelten unter Einbezug des Zufalls und das Prinzip des Schrittweise Überlagerns von Farbschichten ausarbeitet. Eine Technik, die er im weiteren Verlauf mit großem Erfolg auf seine Leinwandmalerei überträgt. Richter führt neben seinen künstlerischen Auseinandersetzungen Tagebuch. Meist nachts entstehen »Statements« – unmittelbare Niederschriften bestimmter Stimmungen, meist in Zusammenhang mit seinen erbrachten Arbeiten auf Papier. Diese gewähren einen Einblick in den Kontext, in dem unser Werk entstanden ist.

Am 13.11.85 schreibt Richter: »'Ich habe nichts zu sagen und das sage ich', egal wie und in welchem Zusammenhang Cage das jemals gemeint hat, - genauso oft wie ich darunter leide, genauso oft bin ich davon überzeugt, daß ich damit das Richtige, das einzig Natürliche tue. Und die sogenannten Anderen sind entweder falsch, indem sie behaupten, oder genauso richtig, indem ich deren Arbeiten mit Behauptungen verwechselte. Die Bilder sagen also überall, trotz aller Ideologie, nichts und sind immer nur Bemühungen, an die Wahrheit (?) heranzukommen. Ich müßte das eigentlich genauer formulieren. Wenn ich sogar mit Freude feststelle, das einzig Natürliche zu tun, dann -ich weiß nichts, ich kann nichts, ich verstehe nichts, ich weiß nichts. Nichts.

Und dieses Elend macht mich nicht einmal besonders unglücklich.

Ingeneur müßte man sein, Brückenbauer, Physiker oder Gärtner.«1

Für Richter sind abstrakte Bilder fiktive Modelle, die eine Wirklichkeit veranschaulichen, die man weder sieht noch beschreiben kann, aber auf deren Existenz geschlossen wird. Bei ihm stehen die Idee und die Möglichkeiten der Darstellung der Wirklichkeit im Vordergrund, mehr als die Widergabe eines Gegenstandes.2

1 Gerhard Richter, Tagebuchnotiz, in: »Richter werken op papier 1983-1986, Notities 1982-1986«, Museum Overholland Amsterdam, Ausst.-Kat., München 1987, S.9-10.

2 Rita Kersting, »Gerhard Richter«, in: »Gerhard Richter. Neue Bilder (New Painting)«, hrsg. v. Yilmaz Dziewor u. Rita Kersting, Köln 2017, S. 65.

Über Gerhard Richter

Gerhard Richter setzt sich bereits gegen Ende der 1960er Jahre intensiv mit der abstrakten Malerei auseinander, erstellt zunächst jedoch nur auf Fotografien basierende Portraits und Stillleben, die durch ihre spezifischen Bildausschnitte und Unschärfen realitätsverfremdend wirken.

Weitere Werke