Hermann Hesse

Entzückung
1921

Hermann Hesse, Entzückung

Aquarell und Tusche auf Papier

2 Blätter, je 21,9 × 17 cm

Dazu das handgeschriebene Gedicht mit 19 Zeilen, 5 davon auf der Rückseite des Aquarells

Provenienz

Sammlung Helen Wolff, USA; Sammlung Rudolf und Irene Serkin, USA; Privatsammlung New York

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Hermann Hesse – Malerfreude", Düsseldorf 2016
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Hermann Hesse – Malerfreude", Düsseldorf 2016, S. 50
  • Richard C. Helt, "'... A Poet Or Not At All' The Tübingen and Basel Years of Hermann Hesse", Providence 1996, S. 6

Entzückung

(Rückseite:)Immer und immer fühl ich's, ob alt oder jung:

Ein Gebirg in der Nacht, am Balkon ein schweigendes Weib,

Eine weiße Straße im Mondschein mit sanftem Schwung,

Das reißt mir vor Sehnsucht das bange Herz aus dem Leib.

(andere Seite:) O brennende Welt, o weißes Weib am Balkon,

Bellender Hund im Tal, fernrollende Eisenbahn,

O wie loget ihr, o wie bitter betrogt ihr mich schon -

Dennoch seid ihr noch immer mein süßester Traum und Wahn!

Oft versucht ich den Weg in die schreckliche 'Wirklichkeit',

Wo Professor, Gesetz, Mode und Geldkurs gilt,

Aber einsam entfloh ich immer, enttäuscht und befreit,

Dort hinüber, wo Traum und liebliche Narrheit quillt.

Schwüler Nachtwind im Baum, schwarze Zigeunerin,

Welt voll törichter Sehnsucht und Dichterduft,

Herrliche Welt, der ich ewig verfallen bin,

Wo dein Wetterleuchten mir zuckt, wo deine Stimme mir ruft!

Über Hermann Hesse

Der Schriftsteller Hermann Hesse war auch als bildender Künstler tätig und schuf ein umfangreiches Werk an Aquarellen und Gedichtillustrationen.

Weitere Werke
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