Hermann Hesse

Gicht
1946

Hermann Hesse, Gicht

Aquarell und Tusche auf Papier

2 Blätter, je 23 × 17,8 cm

Dazu das handgeschriebene Gedicht mit 16 Zeilen, 6 davon auf der Rückseite des Gedichts

Provenienz

Sammlung A. Vogel, Winterthur; Privatsammlung Schweiz

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Hermann Hesse – Malerfreude", Düsseldorf 2016
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Hermann Hesse – Malerfreude", Düsseldorf 2016, S. 140

GICHT

An Tagen, wo ich meine Finger biegen kann,

Vergehen mit Verseschreiben mir die Stunden,

Und wenn ich einen guten Vers gefunden,

Geht mich die Welt, die Gicht, der Schmerz nichts an.

An andern Tagen geht das Schreiben nicht.

Dann lausch ich dem, der tief in meinen Knochen

Sich dehnt und immer weiter kommt gekrochen.

Es ist der Tod, doch nennen wir ihn Gicht

Ich lieb ihn nicht, oft liegen wir im Streit.

Doch weiß ich manchmal, dass er nicht im Bösen

(nicht auf Abbildung:)

Sich um mich müht. Sein Amt ist das Erlösen,

Und willig folg ich eine Strecke weit.

Wenn wir einst ganz versöhnt und einig sind,

Dann werd ich ihn nicht Gicht, nicht Tod mehr nennen.

Als ewige Mutter werd ich ihn erkennen,

Als Liebe seinen Ruf, und mich als Kind.

Über Hermann Hesse

Der Schriftsteller Hermann Hesse war auch als bildender Künstler tätig und schuf ein umfangreiches Werk an Aquarellen und Gedichtillustrationen.

Weitere Werke
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