Ludwig Meidner

Selbstporträt
1946

Ludwig Meidner, Selbstporträt
© Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum Frankfurt

Bleistift auf Papier

27,7 × 20 cm

Monogrammiert und "9./10. Aw" datiert auf Hebräisch (entspricht 6. August 1946) und mit einer Widmung versehen von 1957 "Dem lieben Paar mit herzlichen Wünschen für die kommende Ehe Ludwig Meidner"

Expertise

Wir danken Herrn Erik Riedel, Kurator für Bildende Kunst im Exil Ludwig Meidner-Archiv, Frankfurt am Main, für die freundliche Unterstützung bei der Werkrecherche

Provenienz

Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, Neuerwerbungen Frühjahr 2021, Düsseldorf 2021
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2021", Düsseldorf 2021, S. 118

Ludwig Meidner, einer der bedeutendsten Vertreter des Deutschen Expressionismus, arbeitete nicht nur als Maler und Zeichner, sondern wurde auch durch sein dichterisches Werk bekannt. Der Künstler studierte als Sohn jüdischer Textilhändler zunächst an der Königlichen Kunstschule Breslau. 1903 zog er nach Berlin. Sein Interesse am französischen Impressionismus führte ihn zwischenzeitlich nach Paris, wo er ein Studium an der Academie Julian absolvierte; besonders begeisterte er sich für das Werk von Edouard Manet, Vincent van Gogh und Paul Cézanne. Zurück in Berlin konnte er 1912 mit der Künstlergruppe »Die Pathetiker« seine erste Ausstellung in Herwarth Waldens Galerie »Der Sturm« feiern. Seine bevorzugten Motive zu dieser Zeit sind die Dynamik der Großstadt sowie Weltuntergangsszenarien. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges, als die imaginierten Katastrophen seiner sogenannten »apokalyptischen Landschaften« schreckliche Wirklichkeit zu werden schienen, befasste sich Meidner zunehmend mit religiösen Themen. Er setzt sich intensiv mit der jüdischen Religion auseinander und mit der Erfahrung von Ausgrenzung und Verfolgung nach 1933. 1939 gelingt ihm und seiner Frau Else die Flucht ins Exil nach England aus dem er 1953 allein nach Deutschland zurückkehrt. Im Laufe seines Lebens entstehen zahlreiche Selbstporträts sowie Porträts von Freunden und Berühmtheiten des Berliner Kulturlebens. Sie begründen Meidners Ruf als überragenden Porträtisten. Die Beschäftigung mit den Porträts und seine explizit naturalistische Malweise lassen ihn im Nachkriegsdeutschland, in dem sich die Abstraktion mehr und mehr durchsetzt, ins künstlerische Abseits rücken, dennoch verfolgt Meidner unbeirrt sein künstlerisches Spätwerk mit wunderbaren Darstellungen des menschlichen Antlitzes. 1946 entsteht auch das hier vorliegende, in Bleistift ausgeführte Selbstporträt. Im Hochformat sind allein der Kopf und der Ansatz der Schulter dargestellt. Der Verzicht auf jegliche Details wie Kleidung oder Hintergrund belassen den Fokus allein auf dem Gesicht und seinem Ausdruck. Der Künstler schaut uns direkt an. Sein Blick wirkt melancholisch und seine schlaffen Gesichtszüge sowie das schüttere Haar zeigen einen alten Mann und liefern uns einen Hinweis wie der 62-jährige Künstler 1946 ausgesehen haben könnte. Die Schraffuren sind sehr detailliert und weich gezeichnet, es handelt sich um eine ausformulierte und genaue Studie, die anlässlich einer Hochzeit als Geschenk Meidners für das Brautpaar entstanden ist. Davon erzählt die aufgebrachte handschriftliche Widmung des Künstlers »Dem lieben Paar mit herzlichen Wünschen für die kommende Ehe Ludwig Meidner«. Davon dass Ludwig Meidner ein gläubiger Jude war, erzählt uns das hebräische Monogramm, welches rechts unten, ebenfalls auf dem Blatt zu finden ist.

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