Lyonel Feininger

Space
1954

Lyonel Feininger, Space
© VG Bild-Kunst, Bonn

Aquarell und Tusche auf Papier

33 × 48.3 cm | 13 × 19 in

Signiert und "6. vii. '54" datiert sowie rückseitig betitelt, von fremder Hand "0152" nummeriert und "AE22288" bezeichnet

Registriert im Archiv des Lyonel Feininger Project LLC New York/Berlin unter der Nr. 1423-03-27-17

Expertise

Achim Moeller, Geschäftsleiter des Lyonel Feininger Project LLC, New York

Provenienz

Brian Art Galleries, Buffalo (bis 1984); Privatsammlung New York

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2018", Düsseldorf 2018

Den Sommer verbringt Lyonel Feininger oft zusammen mit seiner Frau Julia und seinen Söhnen, wie all die Jahre zuvor, in Deep, im damaligen Ostpommern. Dieser kleine, an der Mündung der Rega gelegene Ort mit seinen einsamen Stränden und seinen sturmzerzausten Dünenwäldern gefällt dem Künstler gut. Die Familie unternimmt lange Spaziergänge am Meer und beobachtet die diversen Schiffe, die dort vor Anker liegen. Hier erfährt Feiningers Jugendliebe für Schiffe eine Wiederbelebung, denn schon als kleiner Junge begeistert sich Feininger für die Marinewelt: »Die Gestade von Manhattan waren ein wundervolles Schauspiel, Riesenschiffe, Wälder von Masten und Quermasten – [...] die hoch über die fantastischen Bugfiguren hinausragten – über die ganze West Street, [...] standen sie über Hunderte von Metern entlang dem Gestade. Auch der Hudson und der East River waren voll von Schiffen, Schonern und Raddampfern [...].«1 Mit sicherem Strich zeichnet der Künstler, was er sieht und notiert sich auf seinen Skizzenblättern die Farben des Gesehenen. Doch in Deep entstehen nicht nur Skizzen, wie sich sein Sohn T. Lux erinnert: »Die Sommermonate waren kein Müßiggang für meinen Vater. Der Tag war wenig wert, an dem er nicht wenigstens einige Stunden an seinem Zeichentisch in der Laube saß, mit Kohle und Feder komponierend und gestaltend.«2

So nehmen in Lyonel Feiningers Œuvre die Meer- und Küstenlandschaften, insbesondere in der Aquarellmalerei, eine zentrale Position ein. In seinen Marinebildern geht es Feininger nicht um die wirklichkeitsgetreue Darstellung eines Schifftyps, sondern um die Einbeziehung des Schiffes in die Weite des Meeres, als einen weiteren Ausdruck für die Unendlichkeit der Natur. Dieser Aspekt wird in unserem Blatt »Space« zusätzlich durch die das Bildmotiv dominierende Unendlichkeit des Alls betont. Auf einer grünblauen Fläche erscheinen verschiedene Sternbilder. Feininger gestaltet sie, indem er Felder in dunklerem Blau mit seinen typischen Tuschestrichen ein­fasst. Die duftigen Farbfelder geben dem Bild eine Leichtigkeit, die von den akkurat gezogenen Linien geordnet wird. Besonders, wenn auch klein dargestellt, fällt das gelb hinterlegte und dadurch betonte Segelboot auf, das den nächtlichen Himmel erst verortet und als ein Symbol für Feiningers Sehnsucht nach Endlosigkeit verstanden werden kann.

1 Lyonel Feininger in einem Brief an Theodore Spicer-Simson, New York, 18.09.1937, zitiert in: Hans Hess, »Feininger«, Stuttgart 1959, S. 3.

2 Zitiert in: Ulrich Luckhardt/Martin Faas (Hg.), »Lyonel Feininger – die Zeichnungen und Aquarelle«, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Köln 1998, S. 108.

Über Lyonel Feininger

Lyonel Feiningers Einfluss auf die die Kunst des 20. Jh. ist eng verknüpft mit seiner 1919 begonnenen Lehrtätigkeit am Staatlichen Bauhaus in Weimar.

Weitere Werke
Ausstellungen zum Werk