Max Ernst

Effet de soleil reflété dans l'eau
1927/28

Max Ernst, Effet de soleil reflété dans l'eau
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

65 × 54 cm

Signiert

Aufgenommen in den Nachtragsband zum Werkverzeichnis, in Bearbeitung von Werner Spies, Sigrid Metken und Jürgen Pech unter der Nr. 97A

Expertise

Gutachten von Jürgen Pech, Brühl

Provenienz

René Gaffé, Cagnes; Jean Cooken (ca. 1937, Geschenk von Gaffé); Pierre H.J. Cooken, Amstelveen; Christie’s London (21.3.1983, Kat. Nr. 34); Richard L. Feigen & Co, New York; Galerie Daniel Malingue, Paris; Waddington Galleries, London (1994); Privatsammlung Deutschland (1994); Privatsammlung Schweiz

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020
  • Galerie Daniel Malingue, "Aspects de l'art Moderne en France", Paris 1989
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Düsseldorf 2020, S. 30
  • Galerie Daniel Malingue, "Aspects de l'Art Moderne en France", Paris 1989, Nr. 20

Die horizontal in zwei Hälften geteilte Leinwand zeigt in der größeren, oberen Hälfte in kalten Farben einen von unten nach oben, von grau nach blau verlaufenden Himmel. Am oberen Rand befindet sich mittig ein kleiner, schwarzer Kreis, der partiell von einem kleinen, grauen Wolkenschleier verdeckt ist. Kurz über dem Horizont befinden sich mehrere dünne, dunkle Linien, die parallel zueinander ein nach oben offenes Kreissegment bilden. Der untere, vorwiegend in warmen Tönen gehaltene Teil der Leinwand zeigt eine bewegte, rot-orange und teils grün-gelb schimmernde und dunkel unterlegte Oberfläche, in der sich zentral ein gelber Lichtring mit dunklem Zentrum spiegelt.

Ernsts Inspirationsquelle ist wohl ein Naturereignis des Sommers 1927: Im Juni gab es eine totale Sonnenfinsternis in Nordasien, Europa, Nordafrika und im nördlichen Nordamerika. Der Künstler zeigt uns die verfinsterte Sonne als Spiegelung auf einer bewegten Wasseroberfläche. Der kleine, dunkle Kreis in der oberen Bildhälfte stellt die vom Mond verfinsterte Sonnenscheibe am Himmel dar. Im Gegensatz zur Spiegelung ist diese komplett dunkel. Nur die Reflexion

auf dem Wasser zeigt die mysteriöse Korona in Gelb um das verschattete Zentrum leuchten.

Der Jahrhundertkünstler Max Ernst war einer der vielseitigsten Künstler der Moderne und die späten 1920er Jahre sind eine spannende Phase in seinem Schaffen. Er lebt in Frankreich, wo er eine zentrale Figur im Kreis der Surrealisten ist. Typische Motive dieser Zeit sind Wälder, Natur- und Landschaftsbilder, von denen unser Bild ein wunderbares Beispiel ist.

Ernst erfindet neuartige Figuren, Formen und Techniken, von denen er hier die Grattage für die Gestaltung der Wasseroberfläche verwendet. Dabei werden mehrere Farbschichten übereinander auf die Leinwand aufgetragen und Objekte unter die Leinwand gelegt, die sich nach oben durchdrücken. Die obere Malschicht(en) werden dann abgekratzt (franz. gratter=abkratzen). Somit gibt Ernst als »Revolutionär des Sehens« dem Betrachter immer wieder neue Einblicke auf die Welt und – auch im übertragenden Sinn – in ihre tieferliegenden Schichten, das Unter- und Unbewusste. Sowohl die Technik, die an der Oberfläche kratzt, als auch die Sichtbarmachung der sonst vom grellen Sonnenlicht überstrahlten Korona und die Tiefen des Wassers, in dem sich Unbekanntes verbirgt, dienen wunderbar als Sinnbilder für die menschliche Psyche und regen zu interessanten Interpretationen an. Eine ebenfalls eindrucksvolle Variation dieses Themas findet man im New Yorker Gemälde The Sea (Marine) aus dem Museum of Modern Art.

Nina Wagner

Galerie Ludurff

Über Max Ernst

Max Ernst zählt als deutscher Maler, Grafiker, Bildhauer und Mitbegründer der Kölner Dada-Gruppe zugleich zu den wichtigsten Mitgliedern der surrealistischen Bewegung in Paris.

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