August Macke

Spaziergänger auf der Brücke (Spaziergang am See)
1914

August Macke, Spaziergänger auf der Brücke (Spaziergang am See)

Indian ink on paper

16 × 21 cm / 6 5/16 × 8 1/4 in

Dated and with antoher drawing on the back. Stamped with the estate stamp also inscribed »Spaziergang am See 1913 unverkäuflich« on the verso

Catalogue Raisonné by Heiderich 1993 no. 2421

Provenance

The artist’s studio; The artist’s estate; Private Collection North Rhine-Westphalia/USA; Private Collection Hesse

Exhibitions
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020". Düsseldorf 2020
Literature
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020", Düsseldorf 2020, S. 90
  • Ursula Heiderich, "August Macke – Zeichnungen – Werkverzeichnis", Stuttgart 1993, Nr. 2421

Mit sicher gesetzten Linien und Schraffuren fängt August Macke die Leichtigkeit eines sommerlichen Spaziergangs meisterlich ein. Im Vordergrund befindet sich ein Paar, das auf den Betrachter zugeht. Die Dame trägt einen aufwendigen Hut, der sie vor der Sonne schützen soll. Die Konturen des Hutes und das enganliegende Kleid betonen die Modernität der Dargestellten. Ihr Begleiter trägt einen sehr eleganten Anzug, dessen feines Tuch seine schlanke Körperform betont. Auch er trägt Hut – eine Melone, den beliebtesten Hut des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Im Mittel- und Hintergrund befinden sich weitere, eher schemenhaft dargestellte Männer, die den Blick in die Bildtiefe lenken. Da auch diese Anzug und Hut tragen, könnte man aus der heutigen Perspektive vorschnell auf ein festliches Ereignis schließen. Bewegt man den Blick nach rechts, so erkennt man jedoch einen eher beiläufig dargestellten Mann, der sich über eine Balustrade lehnt. Dieser erlaubt es uns, das Werk sehr klar geografisch zu verorten. Die Dargestellten befinden sich am Ufer des Thuner Sees, an den der Künstler mit seiner Frau im Oktober 1913 übergesiedelt ist. Dargestellt sind die Bürger der wohlhabenden Stadt beim sonntäglichen Spaziergang. Die Szene wird von üppigem Pflanzen- und Baumbewuchs eingerahmt. Zur Rechten befindet sich die für die Promenade des Sees typische Balust-rade, wie wir sie auch aus den Hauptwerken »Promenade« (1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, WVZ 527), »Dame in grüner Jacke« (1913, Museum Ludwig Köln, WVZ 521), »Spaziergang auf der Brücke« (1913, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, WVZ 482) und weiteren Gemälden in Museumsbesitz kennen.

Spaziergänger und Flaneure sind ein für Macke sehr bedeutendes Thema. Malte er sie im Jahr zuvor noch im Zoologischen Garten seiner Heimatstadt Bonn, so sind es nun Flaneure vor dem Schaufenster der Thuner Laubengänge und Spaziergänger am See, die Macke in dieser äußerst glücklichen Lebensphase beschäftigen. Das fröhliche Treiben fernab des Kunstbetriebs, die Natur, aber vor allem das glückliche Zusammenleben mit seiner Familie und die Nähe zu den befreundeten Künstlern Louis Moilliet und Paul Klee beflügelten den Künstler zu seinen wohl stärksten Werken. Stilistisch sind diese vom Kubismus beeinflusst, aber die kaum zu bändigende Kreativität erlaubt es dem Künstler einen eigenen, besonders lebensfrohen, expressiven Stil zu entwickeln, der sehr fein zu beobachten, aber auch die Komposition seiner Gemälde sehr klar auszutarieren weiß.

Eine sehr ähnliche Kohlezeichnung befindet sich im Franz Marc Museum. Die Verfasserin des Werkverzeichnisses, Ursula Heiderich, vergleicht unser Blatt mit dieser Zeichnung wie folgt: »Die Tuschezeichnung wirkt raum- und detailhaltiger, sie ist möglicherweise zuerst entstanden.«1

1 Ursula Heiderich, »August Macke – Zeichnungen – Werkverzeichnis«, Stuttgart 1993, S. 626.

About August Macke

August Macke's diverse artistic oeuvre comprises oil paintings, watercolours and drawings and is also characterized by a great variety of motifs.

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