Fred Thieler

O.b.58
1958

Fred Thieler, O.b.58

mixed technique on paper

97 × 68 cm / 38 3/16 × 26 3/4 in

Signed and dated also verso "O.b.58" inscribed

Provenance

Atelier des Künstlers; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Exhibitions
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020". Düsseldorf 2020
Literature
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020", Düsseldorf 2020, S. 118

In mehreren Farbschichten blitzen Weiß, Grün und Rot durch ein überlagerndes Schwarz aus der Bildfläche hervor. Der vielschichtige Farbauftrag entwickelt eine starke Tiefenwirkung und Dynamik. Trotz zahlloser Experimente mit Farbe, Technik und Trägermaterialien ist Fred Thieler dem sogenannten Tafelbild in seiner künstlerischen Laufbahn treu geblieben. Losgelöst von der gegenständlichen Malerei, die er bereits ab 1949 hinter sich lässt, wendet er sich ab 1954 dieser neuen Technik zu. Er selbst nennt es die »Spachtelzeit«. Trockene, zähe Siebdruckfarbe trägt er in schwungvollen Zügen mit dem Spachtel auf festen Malgrund auf. Aus dem Bedürfnis nach einem heftigen Duktus entstehen bis in die frühen 1960er diese Spachtelbilder. Die auf eine reduzierte Farbpalette in Grün, Blau, Grau, Weiß, Rot, Gelb und Schwarz gehaltenen Gemälde fordern, die Reinheit der Farbe zur Anschauung zu bringen. Thieler strebt nach einer reinen Wirkung der Farbe, nach deren Gestaltwert. Dies gelingt ihm besonders in den ungegenständlichen und formlosen Werken. Die Farbe trocknet so schnell, dass er sich in jener Zeit auf kleinere Formate konzentriert. Es ist nicht möglich, lange an der Oberflächenstruktur zu arbeiten. Hier zählen Schnelligkeit und Konzentration entgegen überlegten, komponierten und korrigierbaren Arbeitsschritten.

Fred Thielers Mutter ist Jüdin. Unter den Nationalsozialisten lebt die Familie versteckt in München. In dieser Zeit wendet sich Thieler der Malerei zu. Nach dem Krieg, studiert er schließlich an der Akademie der Künste in München und beginnt seine erfolgreiche Karriere. Thieler ist aktiver Teil des frühen deutschen Informel und der Ausstellungen der Künstlergruppe ZEN 49, in die er 1952 offiziell aufgenommen wird. Nach der Teilnahme an der Biennale von Venedig 1958 und an der II. documenta 1959 folgen die Berufung als Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin und die Teilnahme an der documenta III. Thielers Werke sind heute in vielen Sammlungen international führender Museen zu finden.

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