Lyonel Feininger

Quimper I
1932

Lyonel Feininger, Quimper I

Watercolour and Indian ink on paper

44.5 × 32.5 cm / 17 1/2 × 12 13/16 in

Signed, dated »12 6 32« and titled

Two other works created at the same time, titled »Quimper« and »Quimper II,« are in the collection of the Detroit Institute of Arts.

Registered in the archive of the Lyonel Feininger Project LLC New York/Berlin as no. 1659-08-10-20

Expertise

Certificate of Authenticity by Achim Moeller, Director of the Lyonel Feininger Project LLC, New York/Berlin

Provenance

Private Collection Basel (since the 1960s)

Exhibitions
  • Galerie Ludorff, Neuerwerbungen Frühjahr 2021, Düsseldorf 2021
Literature
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2021", Düsseldorf 2021, S. 26

Der 1871 in New York geborene Lyonel Feininger zieht mit 16 Jahren zusammen mit seinen deutschstämmigen Eltern in deren Heimat zurück. Dort beginnt er eine berufliche Laufbahn als Grafiker und Karikaturist bei verschiedenen Zeitschriften, die in Deutschland, Frankreich und den USA erscheinen. Erst mit 36 Jahren kommt Feininger zur Malerei und doch sind sein Einfluss und seine Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts groß.

Während einer Reise nach Paris sieht er 1911 die wegweisenden Arbeiten der Kubisten, die die Welt in geometrische Formen zergliedern und sie so simultan aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Sie sind eine wichtige Inspiration für seine eigene Bildsprache. Feininger legt in seinen Gemälden verborgene Naturzusammenhänge offen. Es ist sein Ziel, emotionale Gegenbilder zur realen Landschaft zu schaffen und deren Wirkung auf den Betrachter sichtbar zu machen. 1919 wird er als Leiter der grafischen Werkstatt ans Bauhaus berufen, eine der wichtigsten und innovativsten Kunsthochschulen seiner Zeit. Mit seinen Malerfreunden Alexej von Jawlensky, Paul Klee und Wassily Kandinsky gründet er 1924 »Die Blauen Vier (Blue Four)«, vor allem um Ausstellungen und Verkäufe in die USA zu vermitteln. Mit der Machtergreifung der Nazis ändert sich die Situation für die Avantgardekünstler in Deutschland: Ihre Kunst wird verfemt und das Bauhaus 1932 aufgelöst. Als Reaktion darauf zieht Feininger 1937 mit seiner Familie zurück nach New York. Trotz der neuen großstädtischen Umgebung, arbeitet er dort noch häufig an den europäischen Motiven seiner Naturstudien.

Der idyllische Ort Quimper in der Bretagne, den Feininger im Juni 1932 besuchte, diente ihm als Inspiration für dieses wundervolle Aquarell. In dem für ihn typischen Stil fängt der Künstler das Treiben und die pittoresken Häuserfronten am Ufer des Odet ein. Im Vordergrund befindet sich ein Segelboot mit gerafftem Segel in Orangebrauntönen – eines der favorisierten Motive des Malers. Am Kai beleben vier Personen die Szene. Die Gebäude im Mittelgrund hat Feininger, wie den Rest des Stadtbildes, durch Tuschestriche auf geometrische Formen reduziert und anschließend die Flächen in verschiedenen Blau- und Orangebrauntönen aquarelliert. Den Himmel und Hintergrund strukturiert er in größeren, abstrakten Farbflächen. Man sieht hier deutlich, wie Feininger die Ideen des Kubismus, den er 1911 während seines Paris-Aufenthalts kennenlernte, in seinen eigenen Stil einbringt und für sich weiterentwickelt hat. Er löst das räumliche Volumen in Transparenz und Linien auf und schafft so eine neue Räumlichkeit. Auch nutzt er den Komplementärkontrast der verwendeten Farben, um dem Blatt eine besondere Spannung zu verleihen. Zwei weitere in Quimper entstandene Aquarelle mit ähnlichem Motiv befinden sich im Detroit Institute of Arts (siehe Vergleichsabbildung) und versprühen, genauso wie unser Exemplar, eine herrliche, frühsommerliche Atmosphäre, die Lust auf Reisen und eine Stadterkundung macht.

About Lyonel Feininger

Lyonel Feininger's influence on 20th century art is closely linked to his teaching activities at the Staatliches Bauhaus in Weimar, which began in 1919.

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