Emil Schumacher

Banga
1964

Emil Schumacher, Banga
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

50 × 70 cm

Signiert und "64" datiert

Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Gemälde von Dr. Ulrich Schumacher, Hagen und im Archiv der Emil Schumacher Stiftung unter der Nummer 0/3.751 registriert

Provenienz

Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen
  • Karl Ernst Osthaus-Museum, "Emil Schumacher. Ein Künstler und seine Stadt", Hagen 1997
Literatur
  • Karl-Ernst-Osthaus-Museum, "Emil Schumacher. Ein Künstler und seine Stadt", Ausst.-Kat., Hagen 1997, Nr. 76 mit Abb.

Der Maler Emil Schumacher gehört ohne Zweifel zu den zentralen deutschen Vertretern des Informel. Nach seiner Ausbildung zum Werbegrafiker an der Kunstgewerbeschule Dortmund (1932-35) arbeitet er als freier Maler. Während des Zweiten Weltkrieges ist er als technischer Zeichner dienstverpflichtet und in einem Hagener Rüstungsbetrieb tätig. Mit befreundeten Malerkollegen – darunter Gustav Deppe, Ernst Hermanns oder Heinrich Siepmann – gründet er 1947 die Künstlervereinigung »junger westen«. Schon drei Jahre nach diesem folgenreichen Zusammenschluss, dessen Ziel die Reaktivierung der Modernen Kunst nach der nationalsozialistischen Diktatur war, setzt sich ein maßgeblicher, stilistischer Umbruch in Schumachers Werk durch: Beeinflusst von den künstlerischen Tendenzen der Nachkriegszeit in Frankreich und den USA, spezifischer dem Tachismus (frz. »tache«: Fleck) und dem Action Painting, beginnt Schumachers eigenständige Entwicklung zum abstrakten Maler, in dessen Werken sich die Farbe zum Hauptgegenstand emanzipiert. Als Vertreter des Informel, strebt er nicht mehr nach einer »[…] Annäherung an eine vorgegebene oder vorgestellte Idee im Bilde […]«1, sondern vielmehr nach der Genese und Entwicklung einer solchen Bildidee während des spontanen, ständig reflektierten Malprozesses.

Unser Werk »Banga« von 1964 gehört zu den materialbetonten Werken, in denen die selbst hergestellte Malfarbe und somit das Farbpigment den Hauptgegenstand der nun autonomen Malerei stellt. Die seit 1961 entstehenden roten Bilder zeichnen sich durch eine Reduktion der Farbwerte aus. Hierdurch gewinnen Komposition und Beschaffenheit an Relevanz. Auf rotem Grund formiert sich durch die brüchigen, schwungvollen Linien und den bewegten, pastosen Farbauftrag unterschiedlicher Intensität eine schemenhafte schwarze, figurale Komposition. In ihrer farblichen Gestalt hebt sie sich reliefartig von dem flächigen, roten Untergrund ab und strahlt durch das Eingreifen in den Umraum eine gewisse räumliche Präsenz aus. Die schwarze und rote Farbe stehen durch ihre unterschiedlichen Oberflächenqualitäten in einem spannungsvollen Kontrast. Zugleich interagieren sie aber durch ihre Vermengung und bilden eine flimmernde Einheit. Diese dialektische Bilderscheinung erzeugt neben einem optischen auch einen starken haptischen Reiz, sodass beim Betrachter gleich mehrere Sinne angesprochen werden. Dadurch werden Assoziationen ausgelöst, Erinnerungen aktiviert und Bedeutungen generiert werden, so dass das Bild und somit die Farbe zum Gegenstand der eigenen Reflexion werden.

1 Kraft Bretschneider, »Das Materialbild und Emil Schumacher«, in: Galerie von Braunbehrens (Hg.): »Emil Schumacher und das Materialbild«, Ausst.-Kat., München 1998, S. 7.

Über Emil Schumacher

Emil Schumacher gilt als einer der prominentesten Vertreter des deutschen Informel. Obwohl sich seine Werke einer dezidiert abstrakten Formensprache bedienen, beinhalten sie häufig formale Anklänge wie zum Beispiel Bäume, Bögen oder Räder.

Weitere Werke