Ernst Ludwig Kirchner

Partie an der Elbe mit Ruderbooten
ca. 1909

Ernst Ludwig Kirchner, Partie an der Elbe mit Ruderbooten

Kreide auf Papier

24,1 × 33,3 cm

Rückseitig mit dem Basler Nachlassstempel versehen und "K Dre/Aa 7", "K 8784" sowie "C996" nummeriert

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert

Provenienz

Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946, Stuttgarter Kunstkabinett Roman Ketterer 1954); Galerie Wolfgang Ketterer, München (Juni 1985, Kat. 538); Galerie Wolfgang Ketterer, München (31.12.86 Kat. 634); Privatsammlung Schweiz

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2019", Düsseldorf 2019
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2019", Kat. 170, Düsseldorf 2019, S. 55

Bereits zu Beginn der »Brücke« steht die Zeichnung im Mittelpunkt des gemeinsamen Schaffens ihrer Gründer Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner. Der Studiencharakter der Zeichnung erlaubt den Künstlern das Festhalten kürzester Augenblicke und Empfindungen. Neben den bekannten »Viertelstundenakten«, bei denen das Modell alle 15 Minuten die Pose wechselt, entstehen zahlreiche Natur- und Architekturbeobachtungen, in denen die Künstler ihre schnellen und sicheren Konturzeichnungen gekonnt ausprobieren. Neben der Malerei und der Druckgrafik wird das Arbeiten auf Papier als gleichwertiges Medium etabliert.

1920 wird man lesen können: »Kirchners Zeichnungen sind vielleicht das Reinste, Schönste seiner Arbeit. Sie sind unbewusst und absichtslos, ein Spiegel der Empfindungen eines Menschen unserer Zeit. Daneben enthalten sie die Formensprache seiner Graphik, seiner Bilder, denen der andere Teil seiner Arbeit angehört, in denen ein bewusster Wille schafft. Die lebendige Kraft dieses Willens aber kommt durch das Zeichnen.«1 Diese würdigende Bemerkung zu seiner Zeichenkunst kommt zu aller Überraschung von ihm selbst. Unter dem Pseudonym des französischen Kunstkritikers Louis de Marsalle, verfasst Kirchner kürzere Texte über sein Schaffen. Trotz des Vorwurfes der Selbstvermarktung, treffen seine Beobachtung einen wahren Kern. Allen voran erweist Kirchner einen hohen Grad an Selbstreflexion, mit der er die Bedeutung dieses Mediums zum Ausdruck bringt. Magdalena M. Moeller, Kirchner-Expertin und ehemalige Direktorin des Brücke Museums in Berlin bestätigt dies, wenn sie sagt, dass »Kirchners Zeichnungen [...] der wesentliche Schlüssel zum Verständnis der Kunst des Expressionismus [seien]«.2

In unserer frühen Arbeit »Partie an der Elbe mit Ruderbooten« von ca. 1909 zeigt sich Kirchners meisterhafte und sichere Zeichenkunst. In wenigen Zügen skizziert er einen Flußlauf bei Dresden, auf dem sich einige Ruberboote befinden. Das umliegende Land und dessen Gebäude werden in ebenso sicherer Manier umschrieben und zu Papier gebracht. Jede Linie hat ihren festen Platz. Schon in diesem frühen Werk kann man die Vitalität und den kraftvollen Duktus erkennen, der für sein weiteres Schaffen kennzeichnend werden wird.

1 Zit. nach Ernst Ludwig Kirchner, in: Magdalena M. Moeller, »Ernst Ludwig Kirchner. Zeichnungen und Aquarelle«, München 1993, S. 9

2 Ebd. S. 14

Über Ernst Ludwig Kirchner

Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner war Mitbegründer der Künstlervereinigung »Brücke«, in deren Schaffensfokus das Medium der Zeichnung stand.

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