Jerry Zeniuk

Untitled
2014

Jerry Zeniuk, Untitled
© Jerry Zeniuk

Öl auf Leinwand

70 × 81,5 cm

Rückseitig signiert und datiert

Provenienz

Atelier des Künstlers

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "40 Jahre 40 Meisterwerke", Düsseldorf 2015

MALEREI ALS EXISTENZFORM ODER

MALEREI VON ELEMENTARER RADIKALITÄT

Jerry Zeniuks Malerei ist unmittelbar, unverfroren, lustvoll, kontrolliert, karg, sinnlich, konzeptuell, er- und anregend: Sie erlaubt kein Zögern. Seine Gemälde legen alles offen, offenbaren wie Röntgenbilder die raue Leinwand als Träger. Jeder Farbauftrag kann nachvollzogen werden; geradezu minimalistisch treten einem Farben und Formen, Medium und Material entgegen, und doch entfachen sie eine fast überbordende Sinnlichkeit. Der Duktus ist zwar sichtbar, aber darin drückt sich der Maler nicht aus, schreibt gar Emotion in die Leinwand ein. Im Gegenteil: Die Farbe entfacht darin ihre Energien, als diktiere sie der Hand des Malers, die ihr zum Erscheinen verhilft. Zeniuk malt à la prima, zuweilen auch spontan. Im Dialog mit der rohen Leinwand entstehen Farbinseln als gebündelte Farbenergien, zuletzt meist unregelmäßige Farb-Punkte, die, auf der Grundfläche verteilt, dann eine Bildkomposition ergeben. Raum und Fläche, Oberfläche und Tiefe entfachen einander immer wieder. Aus der Nähe betrachtet lassen die Mal-Spuren die Werke geradezu vibrieren, scheinen die Punkte zuweilen zu rotieren. Zeniuk verfolgt zwar ein Konzept, aber das entstehende Bild steuert ihn gleichwohl; auf die Wechselwirkungen zwischen den Farben, den Farbformen und dem Malgrund antwortet er ebenso, wie er diese gestaltet. Einst hätte man von der Dialektik zwischen dem Apollinischen (dem Konzeptuellen) und dem Dionysischen (dem Sinnlichen) gesprochen, vom Ausgleich zwischen dem Chaos und der Ordnung elementarer existentieller Kräfte.

Jedes Bild von Zeniuk fragt erneut, was Farbe sei, was Malerei könne, und lotet dabei neue Räume des Sehens und Wahrnehmens aus. Durch alle ‚Zeitgeist’-Wenden hindurch, an allen Trends des Marktes vorbei, die Reden vom Tod der Malerei oder von deren Rückkehr ignorierend, verfolgt Jerry Zeniuk seine „quest“, seine Recherche nach dem Unendlichen im Unmittelbaren, dem Nichtsagbaren im Sichtbaren. „Hier ist nicht der Verbandsplatz für die bürgerliche Seele; sondern wir betreten den ästhetischen Raum als Reservat des Authentischen, als Emanzipationswerkstatt, worin der Mensch werden möchte, was er ist. ... Hier werden Lebenskräfte nicht neutralisiert wie in den Konsumsphären, auch nicht destruktiv gebunden und mobilisiert ..., sondern mit schöpferischer Behutsamkeit produktiv ins Offene gewendet.“

Zeniuks Bilder vermitteln auf immer wieder neue Weise die Notwendigkeit von Malerei und die Erkenntnisfähigkeit der Kunst, sie sind wahre Medien der Präsenz, denen man ein gesteigertes Lebensgefühl verdankt. Thanks, Jerry!

Anne-Marie Bonnet, Kunsthistorisches Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Über Jerry Zeniuk

Jerry Zeniuk ist einer der frühen Wegbereiter der sogenannten "analytischen", "fundamentalen" oder auch "radikalen Malerei", die sich übergreifend in den USA, aber vornehmlich in Ialien und Deutschland in den 1970er entwickelte.

Weitere Werke
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