Klaus Fußmann

Garten mit Rittersporn, Malven und Margeriten
2018

Klaus Fußmann, Garten mit Rittersporn, Malven und Margeriten
© Klaus Fußmann

Gouache, Aquarell und Öl auf Bütten

56 × 38 cm

Signiert und "18" datiert

Provenienz

Atelier des Künstlers

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, Neuerwerbungen Frühjahr 2022, Düsseldorf 2022
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2022", Düsseldorf 2022, S. 23

Landschaften und Blumen sind zentrale Themen in Klaus Fußmanns Werk. Ob als expressives Aquarell, zart-duftiges Pastell oder in kraftvollpastosem Öl auf Leinwand seine Bilder überzeugen durch eine poetische, die Farben und die Malerei zelebrierende Darstellung der Welt durch die Augen des Künstlers.

Nach mehreren, vorangegangen Malaufenthalten in der Gegend, bezieht Klaus Fußmann 1978 sein Haus in Gelting an der Ostsee und noch im selben Jahr legen er und seine Frau Barbara einen Garten an, der in den folgenden Dekaden mit seiner prallen Blütenpracht immer wieder zum Motiv werden wird. Auf großformatigen Büttenpapieren zeigt uns der Künstler ausschnitthaft die Pflanzenschätze seiner Beete. Malven, Mohn, Rittersporn und Margeriten strahlen in ihrer opulenten Farbigkeit um die Wette. Sie sind eingerahmt von den frischen Grünschattierungen der Blätter. Im oberen Drittel öffnet sich das Bild zum Weiß-Blau des Himmels. Für Tayfun Belgin sind diese Blumenbilder »gemalte Poesie, ein Farbgedanke.«1

Fußmann arbeitet jedoch nicht nur direkt im Garten, sondern stellt die Blumen auch geerntet in der Vase als Stillleben dar. Er rückt dabei noch näher an die Blumen heran, abstrahiert und hinterfängt das ebenfalls vom Grün der Pflanzen eingerahmte Farbenspiel der Blüten mit einem in neu­tralen Tönen gehaltenen, nicht weiter definierten Hintergrund. Ein Beispiel dafür sind die gemalten reifen Rosenblüten, die der Maler in wundervollen Farbschattierungen zart fließend aufs Papier bringt. Wie in seinen anderen Aquarellen beweist Fußmann hier seine große Meisterschaft in dieser Technik, die keine Fehler verzeiht und nicht zu korrigieren ist. Er nutzt den vielschichtigen, transparenten Farbauftrag, um die feinen Nuancen der vom Licht durchschienenen Blüten einzufangen. Dennoch macht er in seinem Buch »Wahn der Malerei« im Kapitel »Gärten und Blumen« deutlich: »Überhaupt sind die Farben der Blumen mit nichts zu vergleichen. Keine Tinte ist so blau wie der Rittersporn und kein Feuer so rot wie die Geranie« und attestiert bescheiden, dass er sich in seinen Bildern mit einem »gerasterten Widerschein der Blumen begnügen«2 müsse. » […] jede gemalte Blume ist eine Abstraktion«3. Die weitgeöffneten Kronen der in Nahsicht gemalten Rosen, die den Blick auf die gelborangenen Staubbeutel freigeben, zeigen die Pflanze in voller Schönheit, verweisen aber gleichzeitig auf ihr baldiges Vergehen. Diese Vergänglichkeit schwingt in vielen Werken des Künstlers mit und übt auf ihn eine immerwährende Faszination aus.

Im aktuellen Blumenstillleben und »Rosen, rosa/gelb« setzt er der attraktiven Leuchtkraft der Blüten einen durch den pastosen Farbauftrag strukturierten, hellgrauen Hintergrund entgegen. Im Bildaufbau liegt die Konzentration auf der Horizontalen, die sich leicht in die Diagonale neigt. Dadurch wohnt dem Gemalten eine Dynamik inne, die visuell durch den vertikalen Farb­auftrag der dunklen Vase verankert wird. Auch wenn sie motivisch an der Natur verhaftet sind, haben diese Gemälde eine abstrakte Formensprache, die den Betrachter*innen die Materie des Bildes und den Vorgang des Malens vergegenwärtigen. Die Bilder sind also gleichsam Abbild des Motivs, des Materials und des Entstehungsaktes.

Ähnliches findet man bei seinen Landschaften, die rund um sein Haus an der Ostsee entstehen. Sie sind geprägt von Weite und Meer. In ihnen können wir die raue Luft, die bewegten Wellen und Wolken, das strahlende Gelb des Rapses und das frische Blau des Himmels, aber vor allem das besondere Licht an der See nacherleben und fühlen. Tayfun Belgin bezeichnete sie treffend als »[…] Farblandschaften; Landschaften, deren Gegenständlichkeit ihre Farbe ist«4. Für Klaus Fußmann ist die Natur, die er dort vorfindet, Heimat und das spürt man. Er ist eng mit dieser Landschaft verwoben, kennt sie genau. Seine Bilder sind Landschaftsporträts, die die Umgebung in Schleswig-Holstein, seiner Wahlheimat, in all ihrer Schönheit und Wildheit auf die Leinwand und das Papier bannen. Oder wie Björn Engholm es beschreibt, schafft es Fußmann »das Wesen, den Kern der jeweiligen Landschaft zu erfassen«5.

1 Tayfun Belgin, » Von der Poesie der Farbe – Zur Bildästhetik von Klaus Fußmann«, in: „Zwischen Himmel, Erde und Wasser. Klaus Fußmann. Werke 1966-2013«, Ausst.-Kat. Osthaus Museum Hagen, 4. Mai – 28. Juli 2013, Göttingen 2013, S. 6-8, hier S. 8.

2 Klaus Fußmann, »Wahnder Malerei«, München 2005, S. 277

3 Ebd.

4 Wie Anm. 1, hier S. 7.

5 Björn Engholm, »Zeitlos Modern«, in: »Zwischen Himmel, Erde und Wasser«, Ausst.-Kat. Osthaus Museum Hagen, 4.Mai bis 28. Juli 2013, Göttingen 2013, S. 91-92, hier S. 92.

Über Klaus Fußmann

Bekannt wurde der Maler und Grafiker Klaus Fußmann mit der Wiederentdeckung klassischer Bildthemen wie Landschaftsdarstellungen und Blumenstillleben.

Weitere Werke
Publikationen zum Werk
Ausstellungen zum Werk