Max Liebermann
Spaziergänger im Tiergarten
ca. 1925-1927
Pastell auf Papier aufgezogen auf Karton
30 × 23,5 cm
Signiert
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Gutachten: Drs. Margreet Nouwen, Berlin 2016 (in Kopie)
Privatsammlung Berlin (im Familienbesitz, spätestens 1939-2016); Christie’s, London (23. Jun. 2016, Los 158); Privatsammlung (2016); Privatsammlung Kasachstan (2016-)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Liebermann-Villa am Wannsee, "Im Fokus. Liebermanns Pastelle. Eine Welt in Kreide", 6. Jun. - 21. Sep., Berlin 2026
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 86
Aus dem ehemaligen Jagdrevier des Kurfürsten Friedrich III. entsteht im 18. Jahrhundert ein öffentlicher Park mitten im Herzen Berlins. Zwischen 1833 und 1838 verwandelt der berühmte Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenné den Tiergarten in einen englischen Volkspark. In unmittelbarer Nähe, direkt am Pariser Platz neben dem Brandenburger Tor, residiert die Familie Max Liebermanns.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kann Liebermann nicht mehr in den Urlaub an die Küste Hollands fahren und konzentriert sich zunehmend auf Landschaftsmotive in seiner unmittelbaren Umgebung. So entstehen eine Vielzahl von Ansichten des Tiergartens und seiner Besucherinnen und Besucher.
Unser vorliegendes Pastell zeigt eine sonnendurchflutete Allee im Berliner Tiergarten. Hohe Bäume rahmen den Weg und bilden mit ihren locker gesetzten Strichen ein lichtes Blätterdach. Im Vordergrund begegnen sich mehrere Flaneure, darunter Erwachsene mit Kindern und Kinderwagen. In unmittelbarer Nähe des Betrachters befindet sich in der unteren rechten Bildecke ein Paar, das sich auf einer Parkbank niedergelassen hat und nahe aneinandergerückt sich angeregt zu unterhalten scheint.
Die Figuren sind nur skizzenhaft angedeutet und fügen sich harmonisch in die von Licht und Atmosphäre geprägte Landschaft ein. Mit seinen weichen Pastellfarben und dem flüchtigen, impressionistischen Duktus vermittelt Liebermann den Eindruck eines ruhigen, unbeschwerten Moments im Park.
Die Faszination für derartige Lichtsituationen beschreibt ein Zeitgenosse Liebermanns wie folgt: „Wenn wir durch den Tiergarten zu seiner Wohnung gingen, er nahm den Weg stets durch eine schmale Allee von Kastanien, die er für seine Lieblingsbäume erklärte, ward er nicht müde, die verschiedenen Färbungen an den Übergängen von Licht und Schatten zu studieren.“1
1 Hancke zit. in: Bernd Küster, „Max Liebermann – Ein Malerleben“, Hamburg 1988, S. 108.