Museum

Kunstmuseum Den Haag:

"Anni and Josef Albers"

15. Oktober 2022 - 15. Januar 2023

Das Kunstmuseum Den Haag präsentiert die erste Ausstellung in den Niederlanden, die sich mit dem Leben und Werk von Anni und Josef Albers beschäftigt.

Mit über 200 Werken - darunter Textilien, Gemälde, Grafiken, Fotografien, Möbel und Zeichnungen - zeigt die Ausstellung, wie sich Anni Albers (1899-1994) zu einer echten Pionierin der modernen Textilkunst entwickelte, und beleuchtet den künstlerischen Entwicklungsprozess von Josef Albers (1888-1976), der in seiner international bekannten Serie "Homage to the Square" gipfelte, die unzählige Farbstudien im quadratischen Format umfasst.

Diese beiden europäischen Künstler, die kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert in Deutschland geboren wurden, entdeckten ursprünglich den Reichtum der alten Kulturen Südamerikas während ihres Aufenthalts in den USA. Als Lehrer versuchten sie, ihren Schülern die kulturelle Bedeutung der verschiedenen Gebrauchsgegenstände und Kunstschätze der von ihnen verehrten Kulturen zu vermitteln. Gleichzeitig beeinflussten diese Kulturen ihre eigene Kunst tiefgreifend. Die reichen Textiltraditionen vertieften Annis Wissen und Ideen, während Josefs Kompositionen von der Architektur Mexikos und Perus inspiriert wurden.

Josef und Anni lernten sich 1922 am renommierten Bauhaus kennen. Dort entwickelten sie eine lebenslange persönliche und berufliche Beziehung. Das Paar heiratete bald darauf, und als die Nazis an die Macht kamen, beschlossen sie, aus Deutschland zu fliehen und ihr Leben als Künstler und Lehrer in den Vereinigten Staaten fortzusetzen.

Anni Albers: Begründerin der modernen Textilkunst
Zu Beginn ihrer Ausbildung wurde Anni Albers, wie die meisten Frauen am Bauhaus, gezwungen, sich auf das Weben zu konzentrieren. Nur widerwillig fügte sie sich, doch in der Textilwerkstatt wandelte sich ihre Enttäuschung schnell in große Begeisterung für die Vielseitigkeit des Mediums. Sie experimentierte mit verschiedenen Techniken, führte Webmuster als explizites Element ihrer Kompositionen ein und kombinierte Jute- und Baumwollgarn mit Metallfäden oder synthetischem Material wie Zellophan. Mit ihrer unkonventionellen Verwendung von Materialien, ihrem innovativen Stil und ihren Bemühungen um die Anerkennung der Weberei als visuelle Kunst wurde Anni Albers zu einer der Begründerinnen der modernen Textilkunstbewegung.

Josef Albers: die Wirkung der Farbe
Josef Albers widmete sein Arbeitsleben der Erforschung der physischen und emotionalen Wirkung von Farbe und schuf zunächst geometrische Kompositionen aus sandgestrahltem Glas. Später entwickelte er in seiner Malerei eine einzigartige abstrakte Sprache, in der es um die visuelle Interaktion von Farben geht. Diese Experimente führten schließlich zu seiner heute berühmten Serie von Gemälden und Grafiken mit dem Titel Homage to the Square, einem scheinbar endlosen Ernst harmonischer Farbkombinationen.

Unterricht
Josef und Anni Albers unterrichteten noch bis ins hohe Alter an verschiedenen Bildungseinrichtungen. Josef beschrieb ihr Hauptziel als Lehrer darin, "Augen zu öffnen". Sie ermutigten neue Generationen, ihre Augen für die Wunder zu öffnen, die sie umgeben: von der Natur bis zur Kultur, von der Form bis zur Farbe. Zu ihren ehemaligen Schülern, Lehrerkollegen und anderen engen Kontakten gehören berühmte Namen wie die Bildhauerin Ruth Asawa, der Tänzer Merce Cunningham, der Komponist John Cage und der Maler Robert Rauschenberg.

Ausstellung
Um die Vielseitigkeit des Werks von Anni und Josef Albers zu veranschaulichen, zeigt das Kunstmuseum Den Haag derzeit eine Sammlung von rund 200 Werken. Diese Auswahl umfasst einige der besten Werke der beiden Künstler, die sowohl chronologisch als auch thematisch präsentiert werden, angefangen bei ihrer eigenen Ausbildung am Bauhaus, über ihre Abreise zum revolutionären Black Mountain College in den Vereinigten Staaten, die Inspiration, die sie aus der präkolumbianischen Kultur bezogen, bis hin zu ihrem eigenen nachhaltigen Einfluss auf die moderne Kunst.

Die Ausstellung zeigt auch, wie eng das Leben und das Werk dieses Künstlerpaares miteinander verwoben sind. Obwohl beide mit unterschiedlichen Materialien arbeiteten, teilten sie dieselbe Lebenseinstellung sowie dieselbe künstlerische Vision, Neugierde auf das Unbekannte und Inspirationsquellen. Beide konzentrierten sich auf das Experimentieren und die Herausforderung, die innovativsten Kompositionen auf der Grundlage selbst auferlegter Beschränkungen in Bezug auf Farbe, Form oder Verwendung von Materialien zu schaffen.

Inspiriert von der präkolumbianischen Kultur
Das Museum widmet auch dem Einfluss der präkolumbianischen Kultur auf das Werk von Anni und Josef Albers große Aufmerksamkeit. Auf Reisen in Länder wie Mexiko, Chile und Peru entdeckten sie die Schönheit und Qualität der Kulturen längst vergangener Zivilisationen, die vor der europäischen Kolonisation existierten. Das Museum zeigt nicht nur den deutlichen Einfluss auf ihre Arbeit, sondern auch mehrere Beispiele alter präkolumbianischer Skulpturen sowie Textilfragmente aus der persönlichen Sammlung der Albers'.

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