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Ludorff-Werke auf Reisen:

Gabriele Münter im Leopold Museum Wien

20. Oktober 2023 - 18. Februar 2024

Es ist uns eine große Freude, die große Retrospektive "Gabriele Münter" im Leopold Museum in Wien mit insgesamt vier unserer Arbeiten unterstützen zu können.
Die Ausstellung eröffnet am 20. Oktober und ist bis zum 18. Februar zu besichtigen.

Kirchlein von Riedhausen, 1908

© VG Bild-Kunst, Bonn

Gabriele Münter (1877–1962) war weit mehr als die „Frau an der Seite Kandinskys“. Durch Ausstellungen und Publikationen, insbesondere jene der vergangenen zwei Jahrzehnte, findet sie breite Anerkennung als eine der führenden Protagonist*innen der deutschen Avantgarde.

Nun würdigt das Leopold Museum als erste Institution in Österreich ihr Werk im Rahmen einer umfassenden Personale. In zwölf Themeninseln wird die expressionistische Malerin auf ihren Lebensstationen begleitet, die oft mit jeweiligem Stilwechsel oder lebhaftem Interesse an unerprobten Techniken und Sujets koinzidierten.

Der landschaftlichen Idylle der kleinen Ortschaft Murnau am Staffelsee bleibt Gabriele Münter zeitlebens verbunden. Einst hat sie sich hier mit ihrem damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky niedergelassen und zusammen mit den Wegbegleitern Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky einen neuen, für die Kunst der Gruppe des »Blauen Reiter« typischen, expressiven Malstil geprägt. Nach der Trennung von Kandinsky und dessen Flucht über die Schweiz nach Russland, wandert Münter nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Norwegen aus. Erst in den 1930er Jahren – kurz vor der Entstehung des vorliegenden Gemäldes »Vorstadt mit Barockkirche« – kehrt sie in das beschauliche Städtchen im bayrischen Oberland zurück. Ihre wiedergewonnene Schaffensfreude spiegelt sich in zahlreichen Blumenstillleben und Landschaftsdarstellungen der Zeit wider, die sie auf Spaziergängen und Ausflügen in Murnau und im Umland festhält.

Rund 140 Exponate aus öffentlichen und privaten internationalen Sammlungen – darunter Ölgemälde, Druckgrafiken, Zeichnungen, Fotografien sowie kunsthandwerkliche Objekte – geben einen tiefgründigen Einblick in das facettenreiche Schaffen der Künstlerin.

Mit der Ankunft in Stockholm im Juli 1915 beginnt Gabriele Münters »skandinavische Periode« (1915-1920), die neben Landschaften und Interieurs auch Porträtdarstellungen hervorbrachte. Von Beginn an macht sich die Künstlerin mit dem dortigen Kunstbetrieb vertraut: Sie lernt die schwedische Sprache, trifft sich regelmäßig mit der schwedischen Avantgarde, erkundet die wichtigsten Städte und sucht erfolgreich nach Ausstellungsgelegenheiten für sich und Wassily Kandinsky.
Im Sommer 1916 beginnt Münter eine Reise Richtung Norden, die sie in das schwedische Dorf Aplared führt. Dort verbringt sie einige Wochen auf Hof Arnäsholm. Sie ist Gast bei Carl Leopold Sundbeck, einem ehemaligen Theologen und Publizisten, der unser Porträt seiner kurz zuvor verstorbenen Frau Mimmi bei Münter in Auftrag gibt.

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Gabriele Münter, Dame mit blauem Hut
Dame mit blauem Hut
1927

Das Gemälde "Dame mit blauem Hut" von 1927 zeigt im klassischen Brustbild eine Dame zur linken Bildhälfte gedreht, die im Bildvordergrund sitzend, aus dem Gemälde direkt am Betrachtenden vorbeischaut. In der linken Hand einen Löffel haltend, mit der rechten ihr Kinn aufgestützt, sitzt sie an einem Tisch im Freien, vor einem See, auf dem ein Segelboot fährt. Die Frau selbst ist in ein beiges Hemd gekleidet mit karierter Krawatte, einem lila Hut und kurzen oder hochgesteckten Haaren.

Die Thematik der Menschenbilder beschäftigte Gabriele Münter ihre gesamte künstlerische Laufbahn über, in unterschiedlichen Medien wie der Fotografie, Zeichnung, Druckgrafik und Malerei. Im Œuvre kann zwischen Porträts ohne Attribute und beschreibende Hintergründe sowie Figurenbildnissen, wo die Porträtierten in der Landschaft oder im Innenraum wie in einem Genrebildnis dargestellt werden, unterschieden werden. Befreit von der Suche nach der Ursprünglichkeit und Klarheit der Form, wie sie in der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägnant für Münter war, fasst Kathrin Baumstark zusammen, entstehen Ende der 1920er Jahre außergewöhnliche Menschenbilder: Die emanzipierte Frau, Frauen aus ihrem Umfeld, male Münter expressiv, farbig, genauso wie mit gedeckter Palette und im Stil der Neuen Sachlichkeit – ihre Formensprache werde schlichter und durch eine flächigere Malweise bemühe sie sich darum, die Spuren des Malprozesses weitestgehend zu reduzieren. Baumstark formuliert weiter, dass die Parallelität der Stile ein Merkmal in Münters Schaffen sei, was ihre Neugierde und Experimentierfreudigkeit besonders in diesem wechselvollen Lebensabschnitt zeige. Die Frau wird hier nicht als erotisch aufgeladene Provokation, sondern als Alltagsmotiv, das die Frau als Subjekt ernst nimmt, dargestellt.

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