Sonia Delaunay, Rythme Couleur II

Gouache and pencil on paper

53 × 39 cm / 20 7/8 × 15 3/8 in

Signed, dated »72« and numbered »1857« and also numbered again »1857« on the verso

This work is listed in the artist’s archive as no. 1857

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Expertise

Certificate of Authenticity by Pracusa Artisticas SA, signed by M. Jean Louis Delaunay and Richard M. Riss

Provenance

The artist’s studio; The Redfern Gallery, Ltd., London; Joshua A. Gollin (1973 acquired at Redfern Gallery); Estate of Adele Herzman, New York; Estate of WR & Elinor Appleby

Exhibitions
  • Galerie Ludorff, Neuerwerbungen Frühjahr 2021, Düsseldorf 2021
Literature
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2021", Düsseldorf 2021, S. 14

Sonia Delaunay darf als eine der kreativsten Pionierinnen und findigsten Geschäftsfrauen der künstlerischen Avantgarde in Europa gelten. Bereits früh war sie der Überzeugung, dass die Erfahrung von Kunst nicht an Orte wie das Atelier oder den Ausstellungsraum gebunden sein sollte, sondern in alle Phasen und Bereiche des Lebens integriert werden müsste. Ausgehend von der Malerei widmet sie sich daraufhin bald auch dem Textildesign, der Modeindustrie, der Theaterbranche und dem Kunstgewerbe. Eine Trennung der künstlerischen Gattungen in »angewandt« oder »frei« gab es für sie nicht.

Ihre Arbeiten kennzeichnet ein farbgewaltiger, kubistischer Stil. 1912 wurde der Begriff »Orphismus« von Guillaume Apollinaire zufolge ihren und Robert Delaunays Werken geprägt. Wie auch in unserer Arbeit »Rythme Couleur II« erkennbar, stehen Form und Farbe bei dieser Kunstrichtung im Vordergrund. Simultankontraste bestimmen das Bild. Neongelb trifft auf

ein sattes Rot, Rundungen begegnen dem Eckigen. Die Anordnungen der Farben und Formen evozieren Bewegung. Ein stetiges Auf und Ab erinnert vielleicht sogar an Noten oder einen Notenschlüssel. Sie verweisen damit direkt auf ihren theoretischen Ursprung, denn dem Verständnis von Robert und Sonia Delaunay nach, nimmt das menschliche Auge Farben als Schwingungen und Rhythmen, Tiefen und Variationen war, die mit der Musik vergleichbar seien. Ausgehend von dem Farbsystem des Chemikers Eugène Chevreul war die zielgebende Richtung des Orphismus somit jene, der reinen Musik eine reine Malerei entgegenzusetzen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wendet Delaunay sich dem Modedesign zu. 1925 eröffnet sie eine Boutique in Paris und revolutioniert die Modeindustrie mit der Gründung ihres eigenen Labels. Noch im selben Jahr nimmt sie sehr erfolgreich an der »Exposition des Arts Décoratifs et industriels modernes« teil. Kulminationspunkt ihrer Arbeit bildet jedoch die mit ihrem Mann gestaltete Dekoration zweier Pavillons auf der Weltausstellung 1937, bei welcher ihr Fresko »Portugal« mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wird. 1964 wird ihr als erster Künstlerin noch zu Lebzeiten eine Retrospektive im Louvre gewidmet.

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