Bernd & Hilla Becher

Wasserturm, Braine-le-Comte, B
1980

Bernd & Hilla Becher, Wasserturm, Braine-le-Comte, B

Silbergelatineabzug auf Barytpapier

40,6 × 29,8 cm

Rückseitig von beiden Künstlern signiert und "NEAR BRÜSSELS BELGIUM" beschriftet

Auflage 5

Provenienz

Atelier der Künstler; Privatsammlung USA (Geschenk der Künstler)

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2019", Düsseldorf 2019
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2019", Kat. 170, Düsseldorf 2019, S. 13
  • Bernd und Hilla Becher, "Wassertürme", München 2005, Nr. 73

Bernd und Hilla Becher zählen zu den großen Dokumentaristen unserer Zeit. Ihre Schwarzweiß-Fotografien zeigen typologisch geordnete Serien, die systematisch über einen langen Zeitraum erfasst und vielfach die mittlerweile zerstörten Zeugnisse unserer industriellen Vergangenheit belegen: Fabrikhallen, Hochöfen, Förder- und Wassertürme, Gasbehälter, Kohlebunker, Nutzbauten der Industrielandschaft. Die Fotoserien dokumentieren die Vielgestaltigkeit der industriellen Architektur und eröffnen dem Betrachter eine verloren gegangene Ikonographie.

In den 50er/60er Jahren hatten die „Sakralbauten der Technik“ im post-industriellen Zeitalter ihre ursprüngliche Funktion verloren und waren vom unmittelbaren Abbruch bedroht. Das Ehepaar Becher machte sich zur Aufgabe, die Reliquien der industriellen Vergangenheit fotografisch in Deutschland, England, Frankreich und den USA festzuhalten. Sie entschieden sich bewusst, die „Sachen zu verkleinern und mitnehmen zu können“ (Bernd Becher). Gezielt widmeten sie sich der Vergangenheit, gleichwohl die journalistische Fotografie zu der Zeit stets im Vordergrund stand.

Als Wegbegleiter der „Düsseldorfer Photoschule“, schuf das Fotografenehepaar mit ihrer Enzyklopädie der Industriearchitektur eine neue Wahrnehmungsästhetik. Durch ihre Arbeitsweise, die Objekte möglichst neutral und einheitlich zu erfassen und zu klassifizieren, gelang es ihnen die Bauten als solche in den Vordergrund zu stellen.

Das Hauptaugenmerk das von den Bechers als archäologisch bezeichneten Interesses, galt aber nicht nur einzelner Bauten, sondern dem Bautypus. So fassen sie in ihren Werken über Jahrzehnte hinweg Gebäude gleicher Funktion an unterschiedlichen Orten zu Gruppen zusammen, um den Vergleich diverser, regional oder historisch bedingter Formenprägungen zu ermöglichen. Das methodische Vorgehen blieb dabei stets dasselbe: jedes Objekt wird bei möglichst diffusem, schattenlosem Licht von leicht erhöhten Stadtpunkt aus fotografiert und ins Zentrum gesetzt.

Auch in unseren Arbeiten, zwei Wassertürme aus Deutschland und Frankreich, werden die typologischen Aspekte deutlich. Die Schwarzweiß-Fotografien zeichnen sich vornehmlich durch ihre dokumentarische Nüchternheit und ästhetische Klarheit aus, wobei die architektonischen Gesetzmäßigkeiten auf den Bildaufbau übertragen werden.

Besonders gut fügt sich auch unsere weitere Arbeit „Passau“ (1988) in die Werkreihe ein. Nach Bechers Auffassung sind die Gebäude „Skulpturen“, die in das Landschaftsbild ragen, welche zu einem streng dokumentarischen Ansatz verpflichten. Faszinierend ist, dass trotz ihrer Zurücknahme subjektiver Interpretation, und der damit einhergehenden Anonymität, ihre künstlerische Handschrift erst recht unverwechselbar wird.

Über Bernd & Hilla Becher

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