Ernst Ludwig Kirchner, Segelschiffe auf dem Müggelsee

Farbkreide und Tusche auf Papier

13,5 × 17,5 cm

Signiert und datiert sowie Rückseitig "Grünau" beschriftet

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert

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Provenienz

Sammlung Dr. Josef Haubrich, Köln; Privatsammlung Norddeutschland

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2020", Düsseldorf 2020
Literatur
  • "Neuerwerbungen Frühjahr 2020", 2500, Galerie Ludorff, Düsseldorf, 2020

Die vorliegende, strahlend farbige Ansicht des Mügelsees hat Kirchner dem bedeutenden Kunsthistoriker Will Grohmann1 geschenkt und der Luxusausgabe eines gemeinsam verlegten Buches beigelegt. Das Buch illustriert Kirchners zeichnerisches Werk der Jahre 1903 bis 1924.2 Obwohl Kirchner 1910 noch in Dresden ansässig ist, zieht es ihn immer öfter an die Moritzburger Seen, wo zahlreiche Bade- und Wassersportszenen entstehen. In Zeichnungen aber auch Druckgrafiken und auf Leinwänden greift Kirchner das Thema immer wieder auf, insbesondere als er sich 1912 endgültig in Berlin niederlässt (vgl. Segelboote bei Grünau, 1914, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart). Unser Blatt in Farbkreide und Tusche zeigt den Müggelsee mit Segelbooten und einem Ruderer bei Grünau, was Kirchner rückseitig notierte. Die Perspektive ist von oben gewählt - der Blickwinkel erlaubt es ihm, sowohl das Treiben auf dem See, als auch das umliegende Ufer mit seiner Vegetation festzuhalten. Links wird die Szene von einem angeschnittenen Gebäude gerahmt, dessen orange-blaue Farbigkeit im Turm am gegenüberliegenden Ufer wieder aufgegriffen wird. Die mit schwarzer Tusche skizzierte Darstellung füllt Kirchner in groben Schraffuren mit Farbkreide. Dabei nutzt er Komplementärkontraste, um der Zeichnung eine besondere Spannung zu verleihen. Wie so häufig in Kirchners Werken gibt es auch hier Leerstellen in der farblichen Gestaltung, die den Papierton sichtbar lassen und diesen kongenial in die Darstellung einbinden. Interessanterweise hat der Künstler dieses Blatt – wie viele andere – um ein Jahr vordatiert. Möglicherweise damit seine Besuche der Matisse- und der Cezanne-Ausstellung 1909 in der Galerie Paul Cassirer nicht als Inspirationsquellen herangezogen werden sollen.4 Ein schöner Vergleich sei hier anzumerken mit unserem Aquarell von 1910 »Müggelsee (Segelboote)«, in dem derselbe Bildausschnitt, die erhöhte Perspektive und kontrastvolle Komplementärfarben Grün und Lila gewählt wurden.

1 Kunsthistoriker und früher Förderer Ernst Ludwig Kirchners und der »Brücke«-Künstler.

2 Will Grohmann, »Kirchner-Zeichnungen«, Dresden 1925.

3 Die Zeichnung ist jedoch während eines Aufenthalt in Berlin entstanden.

4 »Da Kirchner im Nachhinein seine Zeichnungen gerne vordatierte, um zu beweisen, dass es keine Abhängigkeit seinerseits von anderen Künstlern gäbe, stimmen die Datierungen bei Grohmann oft nicht.« https://www.staatsgalerie.de/g/sammlung/sammlung-digital/einzelansicht/sgs/werk/einzelansicht/AB1F2B26F2594214B88709EA9845E39C.html (18.01.2020)

Über Ernst Ludwig Kirchner

Der expressionistische Maler Ernst Ludwig Kirchner war Mitbegründer der Künstlervereinigung »Brücke«, in deren Schaffensfokus das Medium der Zeichnung stand.

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