Ernst Wilhelm Nay

Ohne Titel
1956

Ernst Wilhelm Nay, Ohne Titel
© Ernst Wilhelm Nay Stiftung, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn

Aquarell auf Papier

41,9 × 59,9 cm

Signiert und "56" datiert

Online-Werkverzeichnis Nay-Stiftung Nr. WV-C 56-005.2

125.000,00 €

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Provenienz

Nachlass Elizabeth Debevoise Healy, New York; Privatsammlung USA

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 116

„Ein Kolorist ist ein Künstler, der durch die Farbe denkt und die Anschauung durch die Farbe vollzieht“1 (E.W. Nay)

Ernst Wilhelm Nay ist ein Maler der Farbe. Sie ist in seinen Werken Element der Gestaltung und regiert das Bild. Nay setzt Farbe so ein, dass sie die Zweidimensionalität der Leinwand betont und keine Tiefenillusion hervorruft. Der Künstler selbst spricht von „Gestaltfarbe“: Sie ist flach, eben, plan, nicht illustrativ oder literarisch, denn erst in der Fläche wird sie unabhängig von ihrer gegenständlichen Bedeutung. So wird sie frei für ihre ursprünglich-sinnliche Wirkung.2

Spätestens mit seiner Teilnahme an den ersten drei documenta-Ausstellungen in Kassel3, sowie den Biennalen in São Paulo und Venedig im Jahr 1956 erlangte Ernst Wilhelm Nay großes Ansehen als Künstler der Moderne. Er selbst hat schon zu Lebzeiten sein Werk in Gruppen geordnet und die ihnen zugrunde liegenden Prinzipien publiziert. 1955 erschien sein kunsthistorisches Manifest „Vom Gestaltwerk der Farbe“.

Von seinen ab 1954 entstehenden „Scheibenbildern“ sehen wir hier ein farbenfrohes Beispiel mit Aquarellfarbe auf Papier. Seit den frühsten Jahren seines Schaffens verwendet Nay ein eigenes Formenvokabular aus Kreisen/Scheiben, Rauten, Zacken, Spindel/Auge und Händen. Das unbetitelte Werk aus dem Jahr 1956 wird vor allem durch Farbscheiben gestaltet, die Nay in einer genau kalkulierten Dynamik auf der Bildfläche verteilt. Nay spricht von „positiven“ und „negativen Farben“: Positive Farben drängen nach vorne, negative nach hinten. So wird das Bild zum Schwingen gebracht. Durch diesen Effekt schafft Nay Dynamik und einen abstrakten Bildraum, den er „Relief“ nennt, der von Farbe, deren Bewegung und Durchdringung bestimmt wird. Nay selbst erklärt den Aufbau seiner Bilder:

„Die Farben sollen zu Farbkreisen zusammengefasst werden, einer Reihe von gelben Tönen, zitronengelb, kadmiumgelb, ocker, orange wird eine Anzahl von zusammengefassten grünen oder anderen Tönen gegenübergestellt. Es werden sich Passagen ergeben, das Gelbe wird das Grüne durchdringen und umgekehrt, wodurch Farbspannungen entstehen und die Bildfläche dynamisch aktiviert wird (...). Dann das Relief, das dem Bild – nicht durch die Struktur, sondern durch die farbige Ordnung – Tiefe und Bildraum gibt und die Möglichkeit, dem Bildraum das scheinbar Dreidimensionale hinzuzufügen, Tiefenangabe durch Höhenangabe zu bekämpfen.“4

Es ist eindrucksvoll, wie der Maler in unserem Blatt die Dynamik und Raumentwicklung immer wieder bricht. Die papiersichtigen Stellen wirken flacher als die Stellen, an denen der Künstler die farbigen Scheiben mit einem schwarzen Rand rahmt.

1 Nay zitiert nach Franziska Müller, Ernst Wilhelm Nays „Vom Gestaltwert der Farbe‟ als Künstlertheorie und Zeitzeugnis, o.O. 2016, S. 114.

2 vgl. hierzu Nays Ausführungen in seiner Publikation „Vom Gestaltwert der Farbe‟ aus dem Jahr 1955.

3 in den Jahren 1955, 1959 und 1964

4 E.W. Nay zitiert nach: E. W. Nay, „Bilder und Dokumente‟, Ausst.-Kat., München 1980, S. 99.

Über Ernst Wilhelm Nay

Ernst Wilhelm Nay war einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Nachkriegskunst. Seine Bilder zeigen eine Verwandschaft mit dem Informel.

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