Fritz Winter

Schwarz geöffnet
1967

Fritz Winter, Schwarz geöffnet
© VG Bild-Kunst, Bonn

Öl auf Leinwand

90 × 80 cm

Signiert und datiert

Provenienz

Privatsammlung London

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Fritz Winter Zum 25. Todestag", Düsseldorf 2001
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Fritz Winter 1905-1976. Zum 25. Todestag", Düsseldorf 2001, 56

Das Primat der Farbe entfaltet sich in Winters Malerei seit den sechziger Jahren in vollem Maße und führt zu den so genannten Farbraummodulationen, denen auch unser Bild „Schwarz geöffnet“ zuzurechnen ist. Hierbei ist nicht mehr die Linie oder die Kontur für den Aufbau der Komposition verantwortlich, sondern es ist vielmehr die Farbe selbst, die die gesamte Flächengestaltung übernimmt.

In unserem Bild setzen zwei vertikale braune Streifen rechts und links den Rahmen. Durch sie blickt man wie durch ein Fenster. Dahinter tut sich ein unendlicher grauer Raum auf. Vor diesen schieben sich unterschiedlichste Farbbänder: Schwarz im Mittelgrund, Blau, Rot und Grün im Vordergrund. Dabei stellt die schwarze Fläche, die aus mehreren Längsbalken aufgebaut ist, die Vermittlung zwischen Vorder- und Hintergrund her. Sie verzahnt die einzelnen Farbbereiche über die gesamte Breite miteinander. Das Schwarz scheint einen Riegel zwischen den meditativen Grund und das pulsierende, lebendige Auf und Ab des Vordergrunds zu schieben. Eine prominente Stellung innerhalb der Gesamtkomposition nimmt der mittlere rote Balken ein. Einzig an dieser Stelle wird der schwarze Riegel über die gesamte Höhe geöffnet. Gleichzeitig spiegelt sich an dem aufragenden Rot wie an einer Achse die Verteilung der übrigen Farbbänder: Hellblau, Mittelblau und Grün befinden sich jeweils rechts und links davon.

Die einzelnen Farbpartien sind aus mehreren Schichten aufgebaut. Bei der Betrachtung einzelner Valeurs entdeckt man unterschiedliche Entwicklungen innerhalb eines Farbwertes von hell bis dunkel, von Farbqualitäten wie warm und kalt, stumpf und leuchtend und von optischen Wirkungen wie vordringend und zurückweichend. In unserem Bild wird die farbliche Harmonie, die von dem Zusammenklang der gedeckten Töne wie Blau, Schwarz, Braun und Grün getragen wird, von dem roten Balken jäh durchbrochen. Durch diese markante Zäsur erhält der gleichmäßige Ablauf der Farbbalken eine ganz andersgeartete Dynamik. Es entsteht bewegte Räumlichkeit, die nur durch die gegenseitige Verzahnung, den grauen Hintergrund sowie das verbindende Schwarz einen gewissen Halt findet.

Es scheint Winter ein Anliegen zu sein, die räumliche Position einzelner Balken im Ungewissen zu belassen, wie zum Beispiel an dem prominenten Rot zu sehen ist: einerseits springt es dem Betrachter fast entgegen, auf der anderen Seite deutet der Bildtitel darauf hin, daß es eine Öffnung darstellt und damit weit in den Mittelgrund zurückgesetzt sein müßte. Ein anderer Fall ist das Grau des Hintergrunds, das jedoch mit seinen Kanten teilweise direkt an den Vordergrund stößt und damit seine Verortung im Ungefähren belässt.

Über Fritz Winter

Fritz Winter zählte schon zu Lebzeiten zu den bedeutendsten Nachkriegskünstlern Deutschlands. Er entwickelte eine eigenständige, abstrakte Formensprache, die in klassisch ausgewogenen Bildkompositionen stets einen übergeordneten Bezug zur Natur offenbart.

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