Gabriele Münter
Vom Griesbräukeller. Wiese, Scheune, Berge
1908
Öl auf Malkarton
33 × 41 cm
Signiert mit dem Monogramm und "08" datiert sowie rückseitig "Münter 1908 Vom Griesbräukeller" beschriftet
Das Bild ist mit dem Titel "Murnau" in einem Arbeitsheft der Künstlerin als Nr. 41 verzeichnet.
Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Dr. Isabelle Jansen, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
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Moderne Galerie Otto Stangl, München (-1954); Privatsammlung Europa (1954-2005); Christie's, London (7. Feb. 2005, Los 51); Privatsammlung Europa (2005-); Privatsammlung Monaco (Geschenk des Vorgenannten -2025)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026
- Moderne Galerie Otto Stangl, "Kandinsky, Marc, Münter. Unbekannte Werke", München 1954-1955
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2026", Düsseldorf 2026, S. 126
- Moderne Galerie Otto Stangl (Hg.), "Kandinsky, Marc, Münter. Unbekannte Werke", München 1954, Nr. 8
Die vorliegende Malerei gehört zur frühen Schaffensphase Gabriele Münters, wobei die Komposition durch ihre formale Reduktion und die Vereinfachung der Landschaft zu klaren Flächen besticht. Das Werk entstand im Sommer 1908 während Münters erster Reise nach Murnau und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in ihrer künstlerischen Entwicklung. Bereits in den ersten Wochen ihres Aufenthalts in Murnau im August 1908 vollzog sich ein grundlegender stilistischer Umbruch: Von der bisher impressionistisch geprägten Malweise hin zu neuen, expressiven Ausdrucksformen.1 Die alpinen Motive – Wiese, Scheune und Berge – werden nicht naturalistisch wiedergegeben, sondern als reduzierte, formale Essenzen aufgefasst. Flächige Farbblöcke, klare Konturen und subtile Komplementärkontraste, etwa zwischen dem roten Dach der Scheune und der grünen Wiese, strukturieren die Komposition und verleihen ihr eine gesteigerte expressive Präsenz. Das Blattwerk erscheint abstrahiert; organische Strukturen werden in kantige, flächige Formen überführt, die der geschwungenen Landschaftsform gegenüberstehen. Berge, Baumstämme und Äste treten als Silhouetten hervor, während die Scheune als farblicher Akzent die räumliche Ordnung stabilisiert.2 Brigitte Salmen fasst die Farbigkeit Münters wie folgt zusammen: »Losgelöst von der natürlichen Farbigkeit des Gesehenen setzt sie den Eigenwert reiner, ungemischter Farben ein, um mit deren Leuchtkraft die gegenständlichen Formen ihrer Kompositionen und deren Wirkung unter den jeweiligen Lichtverhältnissen zu beschreiben.«3 Das Werk veranschaulicht die Spannung zwischen materieller Landschaft und metaphysischer Farbwirkung und dokumentiert eindrucksvoll Münters innovative Verbindung von formaler Strenge und expressiver Farbintensität in ihrer Murnauer Phase.4
1 Ivan Ristic, »Die Stärke der Kontur: Versuch einer Erklärung», in: »Gabriele Münter«, Leopold Museum, Wien, 2023, S. 95.
2 Brigitte Salmen, »Einführung«, in: »Gabriele Münter malt Murnau«, Schloßmuseum Murnau, 2003, S. 16.
3 Ebd.
4 Barbara Wörwarg, »Gabriele Münter 1877-1962«, in: »Gabriele Münter«, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, 1999, S. 17.




