Gerhard Richter

Eis (1973/1981)
1981

Gerhard Richter, Eis (1973/1981)
© Gerhard Richter

Lack auf Karton, als Umschlag für Richters Künstlerbuch 'Eis'

20 × 43,5 cm

Signiert und "51/90" nummeriert auf der ersten Buchseite

Auflage 90 + 16 a.p. lateinisch nummeriert + X römisch nummeriert und ca. 3 weitere; Herausgeber: Galleria Pieroni, Rom

Unikat. Eines von 90 verschiedenen Werken, die alle als Umschläge für die Vorzugsausgabe des Künstlerbuches "Eis" verwendet wurden

Werkverzeichnis Butin 1993 Nr. 48; Werkverzeichnis Butin/Gronert 2004 Nr. 58; Werkverzeichnis Butin/Gronert/Olbricht 2014 Nr. 58

Provenienz

Atelier des Künstlers; Galleria Pieroni, Rom; Privatsammlung Schweiz

Literatur
  • Hubertus Butin/Stefan Gronert/Thomas Olbricht (Hg.), "Gerhard Richter. Editionen 1965-2013", Ostfildern 2014, Nr. 58
  • Hubertus Butin/Stefan Gronert, "Gerhard Richter. Editionen 1965-2004. Catalogue Raisonné", Ostfildern-Ruit 2004, Nr. 58
  • Hubertus Butin, "Gerhard Richter. Editionen 1965-1993", München 1993, Nr. 48

Neben Gerhard Richters abstrakten Bildzyklen der »War Cuts«, »Fuji« oder der »Grün – Blau – Rot« Serie, zählen seine »Eis« Arbeiten zu den variationsreichsten Werken, die er als Auflage herausgebracht hat. Für das gleichnamige Künstlerbuch, welches Richters Grönlandreise von 1972 fotografisch nachzeichnet, verwendete er den Buchumschlag als Malfläche. Für das Gesamtkonzept stehen die abstrakte Malerei sowie der dokumentarische Inhalt des Buches in einem zunächst nicht eindeutigen, aber dennoch untrennbaren Zusammenhang. Naturphänomene, Gebirgs- und Meeresformationen bilden einen festen Bestandteil in Richters Bildband Atlas, in dem er seine persönlichen Bezugspunkte fotografisch festgehalten hat. Mit dem Anliegen, das Gegensatzdenken von konkreter Abbildung und Abstraktion auflösen zu wollen, bedient er sich der Natur zum Studium struktureller Formen und Erscheinungen, die sich in seine Malerei übertragen lassen oder zumindest in ihr erahnbar werden. Von dieser naturverbundenen Affinität zeugen auch immer wieder seine übermalten Fotografien, bei denen er vornehmlich auf Landschaftsdarstellungen zurückgreift.

Für seine Werkreihe »Eis« verwendete Richter ausschließlich farbige Lacke. Während er diese Lacke in den Tafelbildern der 1960er Jahre noch isoliert verwendet hatte, wendet er sich nun mehr den Schüttungen und Rakelarbeiten zu, die durch ihre zufälligen Farbformen faszinieren. Besonders die Eigenschaft von Lacken auf spannungsvolle Weise ineinander zu zerfließen ohne sich zu vermischen macht sich Richter zunutze. So wählt er zwar die Farben aus, doch lassen sich die dünnflüssigen Lacke nur bedingt kontrollieren. Sie variieren und schimmern in vielfältigen Abstufungen, feingliedrig breiten sie sich auf dem Blatt aus und ergeben reizvolle und intensive Muster. Besonders markant bei dem vorliegenden Blatt sind die gestaffelten Horizontlinien in den Primärfarben. Im Detail entstehen Farbwirbel und flammende Formen, in denen sich die nebeneinanderliegenden Farbtöne immer feiner verzweigen. Je näher man an das Werk herantritt, desto reizvoller wird dieses organische Meer aus leuchtenden Tönen.

Über seine Methode schreibt Richter wie folgt: »Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte. Also diese Arbeitsmethode mit Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung lässt zwar einen bestim­mten Bildtypus entstehen, aber nie ein vorherbestimmtes Bild. […] Ich möchte ja gern etwas Interessanteres er­halten als das, was ich mir selber ausdenken kann.«1 Auch das vorliegende Werk dient Richter bewusst als Experiment, um das Unvorhersehbare kennenzulernen und sich dem Zwang einer bewussten Gestaltung zu ent­heben.

1 Vgl. Hubertus Butin/Stefan Gronert (Hg.), »Gerhard Richter. Editionen 1965–2004. Catalogue Raisonné«, Osterfildern 2004, S. 36.

Über Gerhard Richter

Gerhard Richter setzt sich bereits gegen Ende der 1960er Jahre intensiv mit der abstrakten Malerei auseinander, erstellt zunächst jedoch nur auf Fotografien basierende Portraits und Stillleben, die durch ihre spezifischen Bildausschnitte und Unschärfen realitätsverfremdend wirken.

Weitere Werke