Horst Janssen

Verena & Verena
1966

Horst Janssen, Verena & Verena
© VG Bild-Kunst, Bonn

Filzstift und Bleistift auf Karton

29,2 × 37,7 cm

Signiert, "5 6 66" datiert, betitelt sowie mit der Widmung "für Verena" versehen

Provenienz

Privatsammlung Jersbek

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2020", Düsseldorf 2020

Horst Janssen gehört unbestritten zu den interessantesten und technisch versiertesten Zeichnern des 20. Jahrhunderts. Seine erotischen Akte der 1960er spiegeln den Zeitgeist der »sexuellen Revolution« wider. Er lotet Grenzen aus, und wenn er sie überschreitet, dann mit viel Witz, so dass man es ihm schon damals nachsieht. Zudem gelingt ihm 1965/66 mit seiner ersten großen Einzelausstellung in Hannover der Durchbruch in Deutschland, obwohl er gegenständlich malt, was verpönt war und als reaktionär galt. Zu dieser Zeit entsteht »Verena & Verena«. In inniger Umarmung stellt Janssen hier zwei Frauen mit dunklen, langen Haaren dar, die sich gegenübersitzend, mit angewinkelt, ineinander verschränkten Beinen umarmen. Die linke Frau ist komplett nackt, die rechte trägt lediglich ein kurzärmliges, enganliegendes Hemd. Die Gesichter bleiben – bis auf den in zartem Rot getönten Mund der Nackten – verborgen. Dasselbe Rot findet sich noch einmal auf der Brustwarze der Frau, ansonsten hält Janssen das Bild in Grautönen. Das seiner damaligen Frau Verena gewidmete Blatt strahlt eine große Intimität und prickelnde Erotik aus. Durch die enge Verschlingung der beiden Körper wirken sie unzertrennlich und erzeugen den Eindruck als seien sie sich selbst genug. Die Frage, ob es sich bei den beiden Frauen um ein und dieselbe oder um zwei verschiedene Verenas handelt, macht dieses sinnliche Bild nur umso interessanter.

In dem Entstehungsjahr 1968 der vorliegenden Zeichnung »Liegender weiblicher Akt« erhält Janssen den Sonderpreis auf der Biennale in Venedig. Lasziv räkelt sich die auf dem Rücken liegende, weibliche Figur auf einem Sofa oder Bett. Ihre mit halterlosen Strümpfen bekleideten Beine hängen über die Bettkante. Neben diesen Strümpfen trägt sie nur Schuhe und einen Gürtel. Ihre Arme streckt sie angewinkelt nach oben über den Kopf, sodass die Fingerspitzen das Sofa berühren. Vom Kopf sieht man nur das schulterlange Haar und den geöffneten Mund. Janssen betont das sexuell-körperliche der Darstellung und lenkt den Blick gekonnt auf die erogenen Zonen des weiblichen Körpers: Scham, Brustwarze und Mund. Die durch die Deformierung des Körpers entstehende Lücke zwischen den Oberschenkeln und der helle Gürtel rahmen die Scham. Die klar konturierte Brustwarze zeichnet sich vor dem hellen Hintergrund ab und der sinnlich geöffnete Mund mit seinen vollen Lippen wird von den ebenfalls künstlerisch verformten Armen und den Haaren der Frau gerahmt. Die Konturen des weiblichen Körpers sind klar und mit sicherer Linie umrissen, die Binnenzeichnung besteht aus einem haarfeinen Liniennetz. Janssen verwischt oder verreibt nichts, um Effekte zu erzielen. Alles ist gezeichnet. Nur durch verschieden harte Stifte und mit einer Vielzahl von feinsten Bleistiftstrichen gelingen ihm die große Vielfalt an Graustufen und feinen Modellierungen. Er gab sich daher selbst den vielzitierten Namen »Millionenstrichler«.

Diese beiden aufregenden Zeichnungen sind wunderbare Beispiele für die technische Meisterschaft Janssens und seine einzigartigen Bildfindungen, die durch ihre feine Modellierung begeistern und den Betrachter durch ihre intime, erotische Darstellung in den Bann ziehen.

Über Horst Janssen

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