Otto Piene
Ohne Titel (Feuergouache)
1965
Gouache, Feuer, Ruß auf Karton
68 × 95,4 cm
Signiert und "65" datiert
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Galerie Heseler, München (1977); Privatsammlung Süddeutschland (1977-2026)
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026/2027
- Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2026", Düsseldorf 2026, S. 134
Die sogenannte Feuergouache von Otto Piene aus dem Jahr 1965 gehört zu jener Werkgruppe, in der Otto Piene die Elemente Feuer und Rauch unmittelbar als gestalterische Mittel einsetzt. Auf dem hellen Bildgrund entfaltet sich eine dramatische schwarze Form, die von einem dichten, nahezu undurchdringlichen Zentrum ausgeht und sich explosionsartig über die Bildfläche ausbreitet. Von der zentralen Verdichtung strahlen unzählige Rußpartikel und dunkle Farbspuren nach außen. Während die rechte Bildhälfte von einer kraftvollen, radialen Bewegung geprägt ist, erscheinen auf der linken Seite weichere, rauchartige Schleier, die den Prozess der Verbrennung sichtbar machen.
Das Werk vermittelt den Eindruck eines energetischen Ereignisses. Die schwarze Form erinnert an eine Explosion. Gleichzeitig bleibt die Darstellung gegenstandslos und verweist nicht auf ein konkretes Motiv, sondern auf den Prozess selbst. Piene macht die Kräfte sichtbar, die das Bild hervorgebracht haben: Feuer, Rauch, Hitze und Bewegung. Das Werk ist damit weniger Abbild als vielmehr Spur eines realen physikalischen Vorgangs.
Seit Ende der 1950er Jahre experimentierte Otto Piene mit Rauchzeichnungen und Feuerbildern. Anders als in der traditionellen Malerei verzichtete er zunehmend auf die unmittelbare Handschrift des Künstlers. Stattdessen überließ er einen Teil des Schaffensprozesses den natürlichen Kräften. Ruß, Flammen und Verbrennung wurden zu aktiven Mitgestaltern des Bildes. Die Entstehung des Werkes beruht somit auf einem Zusammenspiel von künstlerischer Planung und kaum kontrollierbaren Naturprozessen.
Die Arbeit steht exemplarisch für die Ideen der von Otto Piene und Heinz Mack gegründeten ZERO-Bewegung. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs suchten die Künstler nach einem Neuanfang jenseits von subjektivem Ausdruck und emotionaler Übersteigerung. Licht wurde für Piene zum Symbol von Freiheit, Hoffnung und Zukunft. Auch in dem vorliegenden Werk erscheint die dunkle Energie des Feuers nicht als zerstörerische Kraft, sondern als schöpferischer Prozess. Die aus dem Zentrum hervorbrechenden Rußspuren erzeugen eine starke Dynamik und vermitteln den Eindruck von Wachstum, Ausdehnung und Lebendigkeit.