Otto Piene
Wet Flower
1993
Öl auf Leinwand
50 × 60 cm
Rückseitig signiert, "93" datiert und betitelt
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Galerie Schoeller, Düsseldorf; Privatsammlung, Düsseldorf
Die Leinwand aus dem Jahr 1993 zeigt eine für das Spätwerk Otto Pienes charakteristische Verbindung von Farbe, Rauch und elementaren Prozessen. Vor einem weitgehend offenen, hellen Bildgrund entfaltet sich eine konzentrierte Komposition aus wenigen, jedoch äußerst wirkungsvollen Formen. Im linken unteren Bereich verdichtet sich eine dunkle, rauchige Masse, aus der eine intensiv rot-orange Form hervortritt. Von ihr fließen mehrere farbige Bahnen nach unten, während sich darüber transparente Schleier und wolkenartige Strukturen über die Leinwand ausbreiten. Die Komposition lebt von dem Spannungsverhältnis zwischen Verdichtung und Auflösung. Die dunklen Rauchspuren wirken wie sichtbare Zeugnisse eines Verbrennungsvorgangs, während die großflächigen hellen Bereiche der Leinwand Offenheit und Leichtigkeit erzeugen. Die zentrale Form erscheint zugleich organisch und kosmisch: Sie kann an eine Blüte, eine Flamme, einen glühenden Kern oder eine elementare Naturerscheinung erinnern, ohne sich auf eine eindeutige Lesart festzulegen. Gerade diese Ambivalenz verleiht dem Werk seine poetische Kraft. Besonders auffällig ist die rote Farbzone, die sich wie flüssige Energie über die Oberfläche bewegt. Die herablaufenden Farbbahnen erinnern an geschmolzene Materie oder glühende Lava und stehen in deutlichem Kontrast zu den zarten Rauchschleiern und den transparenten Grautönen. Dadurch entsteht eine Bildsprache, die gleichermaßen von physischer Präsenz und immaterieller Flüchtigkeit geprägt ist. Die Farbe erscheint nicht als statisches Gestaltungsmittel, sondern als sichtbarer Ausdruck von Bewegung und Transformation. Wie viele Werke Pienes basiert auch diese Arbeit auf der Zusammenarbeit von künstlerischer Intention und natürlichen Prozessen. Seit den frühen Rauchzeichnungen und Feuerbildern der 1950er und 1960er Jahre verstand der Künstler Feuer, Rauch und Licht nicht nur als Motive, sondern als aktive Gestaltungskräfte. Die Leinwand dokumentiert damit einen Entstehungsprozess, bei dem sich kontrollierte Eingriffe des Künstlers mit den unvorhersehbaren Wirkungen von Hitze, Rauch und Material verbinden. Innerhalb von Pienes Werk nimmt die Arbeit eine Position zwischen den frühen Feuerbildern und den späteren, zunehmend lichtorientierten Kompositionen ein. Die dunklen Rauchablagerungen erinnern noch unmittelbar an die experimentellen Anfänge der ZERO-Zeit, während die offene Bildstruktur und die leuchtenden Farbwerte bereits jene kosmische und atmosphärische Dimension ankündigen, die sein späteres Schaffen prägen sollte. Die Komposition vermittelt nicht Zerstörung, sondern Verwandlung. Feuer erscheint als schöpferische Energie, die Materie verändert und neue Bildräume entstehen lässt.