Serge Poliakoff

Composition bleue, rouge et noire
1969

Serge Poliakoff, Composition bleue, rouge et noire
© VG Bild-Kunst, Bonn

Farblithografie auf BFK Rives Papier

Darstellung: 87,5 × 64,5 cm | 34 1/2 × 25 1/2 in
Blatt: 105,3 × 75,2 cm | 41 1/2 × 29 2/3 in

Signiert, "E.d.a." bezeichnet und mit einem Prägestempel "Erker Presse St. Gallen" versehen

Auflage 80 + 20 E.d.a + 6 auf Japan-Papier; Drucker: Erker-Presse, St. Gallen; Verleger: Galerie im Erker, St. Gallen

Vgl. "Composition abstraite", 1969, Gouache auf Papier (Werkverzeichnis Poliakoff 2016 Nr. 69-03)

Werkverzeichnis Poliakoff/Schneider 1998 Nr. 75

Provenienz

Sammlung Landis & Gyr, Zug; Sammlung Siemens, Schweiz

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2017", Düsseldorf 2017
Literatur
  • Alexis Poliakoff/Gérard Schneider, "Serge Poliakoff – Werkverzeichnis der Graphik", München 1998, Nr. 75

Serge Poliakoffs graphisches Schaffen erreicht seinen Höhe­­­punkt zwischen 1962 und 1969, als der Künstler eng mit den Druckern der »Erker-Presse« in St. Gallen zu­sam­men arbeitet. Sein Sohn Alexis Poliakoff erinnert sich an die arbeitsreiche Zeit in der Schweiz wie folgt: »Erst in seinen letzten drei Lebensjahren wurde ich aufmerksamer Zeuge seines lithographischen Schaffens, insbesondere in St. Gallen in der Schweiz, bei der Erker-Presse, wo er jedes Jahr arbeitete. […] Er nutzte diese Aufenthalte, um an Lithographie-Serien zu arbeiten. Ich erinnere mich, dass eine der letzten als Plakat für die bevorstehenden Olympischen Spiele diente.«1

Aus dieser Zeit stammt auch unsere Farblithographie »Composition bleue, rouge et noire«, die neben schwarzen Farbfeldern, von kräftigen Rot- und Blautönen do­miniert wird. Poliakoff inszeniert das Gerüst der einzelnen, ineinandergreifenden Farbformen nicht aus monochromen Feldern, sondern benutzt feine Farbstufungen derselben Farbfamilie, die sich zu einer Einheit verbinden, welche dem Bild eine besondere Energie verleiht. Wie bei einem Zahnrad greifen die Formen ineinander, wodurch die an sich starren Formen von einer inneren Bewegung erfasst werden. Auch die Konturen scheinen in Schwingung versetzt. Poliakoff beginnt den Bildaufbau wie ein Architekt, be­setzt den Raum gleichsam an verschiedenen Stellen, ohne an die Form zu denken. Seine Bilder entstehen immer vom Rand ausgehend und wachsen langsam zur Mitte hin. »Wenn ich mit einer Komposition beginne, denke ich an die Ar­­chitektur. Genau wie ein Architekt fülle ich hier und da Räume […]. An Formen denke ich nicht.«2 Ihr Wechsel­spiel macht die Ausgewogenheit und Einheit der Komposition aus, deren Verschachtelung nicht über die Konturen, sondern über die sanften Farbübergänge aus hellen und dunklen Tönen entsteht. Er betitelt seine Werke als »Compositionen«, in denen er zu gleichen Teilen Farb- und Formklänge thematisiert, die an musikalische Akkorde erinnern. Es entsteht eine emotionale Tiefe, die die rationale Tektonik seines Werkes ergänzt.

  1. Alexis Poliakoff zitiert in: »Serge Poliakoff – Werkverzeichnis der Graphik«, Edition Galerie Française, München 1998, S. 4.

  2. Gespräch mit Jacques Michel, in: »Le Monde«, 1. September 1967, zitiert nach Gérard Durozoi, »Serge Poliakoff«, Angers 2001, S. 91.

Über Serge Poliakoff

Bekannt wurde Serge Poliakoff mit seiner patchworkartigen Farbfeldmalerei, der er – inspiriert durch die Farblehre des Orphismus sowie den De Stijl Konstruktivismus – Ende der 1940er Jahre in Paris entwickelt.

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